Automobil

Mercedes baut Autos künftig auf einer gemeinsamen Datenbasis

Mercedes investiert rund eine halbe Milliarde Euro in PLM.AI. Gemeinsame Produktdaten sollen KI helfen, Änderungen schneller durch die Autoentwicklung zu führen.

Von Wolfgang

17. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Automobil im Entwicklungsstudio mit digitalen Modellebenen und der Artikelüberschrift.

Ein neues Auto entsteht in vielen Abteilungen gleichzeitig. Wie gut deren Informationen zusammenpassen, entscheidet mit darüber, wie schnell aus einem Entwurf ein Serienfahrzeug wird. Mercedes-Benz will diese Zusammenarbeit mit einer gemeinsamen Datenbasis und künstlicher Intelligenz neu organisieren. Die am 16. Oktober vorgestellte Plattform PLM.AI soll Entwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb und Kundendienst verbinden.

Dafür investiert der Konzern nach eigenen Angaben rund eine halbe Milliarde Euro. Als Ziel nennt Mercedes bis zu 30 Prozent kürzere Entwicklungszeiten. Hinter der Ankündigung steckt eine interessante Verschiebung: Der Nutzen der KI hängt daran, ob sie die Zusammenhänge eines Produkts erkennen kann.

Eine kleine Änderung hat viele Nachbarn

Das lässt sich an einem vereinfachten Beispiel verstehen. Ein Entwicklungsteam verändert eine Halterung. Auf dem Bildschirm ist das zunächst eine andere Form. Für die Fertigung stellt sich sofort die Frage, ob das Teil weiterhin montiert werden kann. Der Einkauf muss wissen, welche Ausführung bestellt werden soll. Und ein bereits geplanter Test muss zu genau dieser Version passen.

Eine Zeichnung allein beantwortet diese Fragen kaum. Nötig ist die Verbindung zwischen dem Bauteil, seinen Anforderungen und den Arbeitsschritten, die davon abhängen. Sonst können mehrere Teams gewissenhaft arbeiten und trotzdem unterschiedliche Stände desselben Produkts im Kopf haben. Der entscheidende Zeitverlust liegt dann zwischen den Aufgaben.

Genau solche Beziehungen beschreibt Siemens in einer technischen Einordnung von KI im Produktlebenszyklus: Eine Änderung kann Stücklisten, Werkzeuge, Lieferanten oder Prüfungen betreffen. Eine Stückliste hält fest, welche Teile zu einer bestimmten Ausführung gehören. Wird diese Zuordnung mitgeführt, lässt sich eine technische Frage präziser stellen: Welche weiteren Entscheidungen hängen an diesem Bauteil?

Ein gemeinsames digitales Bauteilmodell verbindet Entwicklung, Simulation und Fertigung über Datenverbindungen.
Eine Änderung betrifft mehrere Arbeitsbereiche. Gemeinsame Produktdaten sollen ihre Abstimmung erleichtern; schematische Darstellung. (Quelle: KI generiert)

Die KI braucht die Geschichte des Produkts

PLM steht für Product Lifecycle Management, die Verwaltung von Produktinformationen über den Lebenszyklus. Für KI ist dieser Kontext wertvoll. Sie soll nicht bloß ein Dokument finden, sondern die Bedeutung einer Änderung für das konkrete Produkt erschließen. Eine richtige Antwort zur falschen Variante hilft einem Entwicklungsteam wenig.

Siemens bezeichnet die durchgängige Verknüpfung als digitalen Faden. Gemeint ist die nachvollziehbare Verbindung von Anforderungen über die Entwicklung bis zu Fertigung und Service. Dieser Zusammenhang erklärt, weshalb ein allgemeiner Textassistent allein die Aufgabe nicht löst. Zu einer technischen Empfehlung gehört, auf welchen Produktstand sie sich bezieht und welche abhängigen Informationen dazugehören.

Erfahrungen aus der Fertigung fließen zurück

Der Informationsweg endet nicht am fertigen Entwurf. CONTACT Software erläutert das Prinzip am Beispiel eines Bauteils, das in der Produktion wiederholt Schwierigkeiten macht. Werden diese Daten mit der Entwicklung verknüpft, können Ingenieure den Entwurf entsprechend anpassen. Serviceinformationen ergänzen, wie sich das Produkt im Einsatz verhält.

Daraus entsteht eine Rückkopplung: Die nächste Konstruktion kann Erfahrungen berücksichtigen, die sonst in einer anderen Abteilung liegen bleiben. Entscheidend ist dabei die Zuordnung. Eine Fehlermeldung muss zum betroffenen Bauteil und dessen Ausführung gehören, damit aus einer Beobachtung eine brauchbare Entwicklungsfrage wird. Daten zu sammeln ist der Anfang; sie im richtigen Zusammenhang verfügbar zu machen, ist die eigentliche Aufgabe.

Bei Mercedes liefert CONTACT Elements den offenen PLM-Kern. Siemens bringt Lösungen für Design, Simulation und digitale Absicherung ein. Mercedes verantwortet die Architektur, die Datenmodelle und die weltweite Umsetzung. So sollen bisher einzelne KI-Anwendungen über Entwicklungsprozesse hinweg zusammenarbeiten.

Für einzelne Engineering-Prozesse erwartet Mercedes Effizienzgewinne von bis zu 50 Prozent. Wie schnell das Gesamtvorhaben vorankommt, wird sich an der Umsetzung zeigen. Die grundlegende Idee ist bereits verständlich: Ein Auto lässt sich leichter weiterentwickeln, wenn alle Beteiligten dieselbe Version seiner Geschichte lesen.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.