Das Meer bietet Wasser im Überfluss. Für einen Elektrolyseur ist es jedoch eine anspruchsvolle Mischung: Salz und andere Inhaltsstoffe können seine Bauteile angreifen. Fraunhofer hat im Projekt SeaEly neue Membranen und Prüfstände entwickelt, um diese Belastung genauer zu untersuchen. Die am 1. Oktober veröffentlichte Bilanz führt damit zu einer entscheidenden Frage: Wie lange halten die Komponenten durch?
Die dünne Trennschicht hat zwei Aufgaben
Bei der Elektrolyse spaltet elektrischer Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Eine Membran trennt die Reaktionsräume und ermöglicht zugleich den Transport bestimmter Ionen. Nach der Fraunhofer-Bilanz können Chloride aus dem Meerwasser Nebenreaktionen, Ablagerungen und Korrosion verursachen. Die Wasserquelle verändert also die Bedingungen im Inneren des Geräts.

Erst entwickeln, dann die Spuren lesen
Das Fraunhofer IFAM entwickelte Anionenaustauschermembranen und einen modularen Teststand. Darin lassen sich Materialien unter realitätsnahen Bedingungen prüfen. Anschließend untersuchen die Forschenden die beanspruchten Oberflächen: Was hat sich abgelagert, wo hat sich das Material verändert? Neben Membranen stehen auch Elektroden und weitere Komponenten im Blick. Meer- und Brackwasser enthalten schließlich nicht nur Salz, sondern auch organische Bestandteile und Schwebstoffe.
Der Erkenntnisweg geht damit über die Frage hinaus, ob sich überhaupt Wasserstoff erzeugen lässt. Ein Material muss seine Aufgabe auch nach längerem Betrieb erfüllen. Ein kurzer erfolgreicher Versuch beantwortet diese Frage noch nicht.
Von der Machbarkeit zur Lebensdauer
SeaEly hat laut Fraunhofer Komponenten, Prüfstände und erste Machbarkeitsuntersuchungen geliefert. Die Infrastruktur ermöglicht nun systematische Langzeituntersuchungen. Eine industrielle Dauerhaltbarkeit oder konkrete Kosteneinsparung wird in der Bilanz nicht ausgewiesen. Für küstennahe und Offshore-Anwendungen bleibt der Ansatz interessant: Dort liegen Windstrom und Meerwasser nahe beieinander. Ob weniger Wasseraufbereitung am Ende vorteilhaft ist, hängt auch davon ab, wie gut die Materialien das anspruchsvollere Wasser vertragen.
Quellen
- Fraunhofer-Gesellschaft: Ungereinigtes Meerwasser im Elektrolyseur: Fraunhofer testet Materialien und Membranen, 1. Oktober 2026.
- Fraunhofer IFAM: SeaEly: Direkte Meerwasserelektrolyse für grünen Wasserstoff, abgerufen am 2. Oktober 2026.
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