Wer einen Chatbot bedienen kann, hat damit noch keine KI-Kompetenz bewiesen. Zur Lernaufgabe gehört auch, eine Antwort zu prüfen und den eigenen Gedankengang zu erklären. Die Bildungsministerkonferenz hat den bestehenden deutschen Kompetenzrahmen für digitale Bildung um KI erweitert. Das teilte die KMK am 16. Oktober 2026 mit. Für Familien und Lehrkräfte wird damit deutlicher, welche Fähigkeiten hinter dem oft unbestimmten Ruf nach „mehr KI in der Schule“ stehen.
Die sechs bisherigen Kompetenzbereiche bleiben bestehen. Hinzu kommen unter anderem der kritische Umgang mit erzeugten Inhalten, Transparenz über die eigene KI-Nutzung sowie Fragen zu Datenschutz, Verzerrungen und Deepfakes. Auch kreatives Arbeiten gehört dazu. Entscheidend ist also, wie Jugendliche mit Ergebnissen umgehen und welche Entscheidungen sie selbst treffen.
Ein Vorschlag muss erst zur eigenen Erklärung werden
Wie das praktisch aussehen kann, zeigt der interaktive KI-Kompetenzrahmen von OECD und Europäischer Union, an dem sich die KMK orientiert. Er unterscheidet vier Perspektiven: mit KI umgehen, kreativ arbeiten, ihren Einsatz steuern und KI mitgestalten. Zu den Lernbeispielen gehört, Vorschläge eines Systems mit eigenen Überlegungen abzugleichen. Bei einer mathematischen Gestaltungsaufgabe vergleichen Lernende etwa KI-vorgeschlagene Maße mit ihren eigenen Berechnungen.
Ein eigenes vereinfachtes Beispiel macht den Unterschied sichtbar: Ein Chatbot schlägt für ein rechteckiges Beet die Seitenlängen drei und vier Meter vor. Die Klasse möchte wissen, wie viel Zaun sie braucht. Wer zwölf Meter übernimmt, hat womöglich die Fläche berechnet. Wer die vier Seiten aufzeichnet und addiert, kommt auf vierzehn Meter und kann erklären, warum. Der interessante Teil liegt zwischen dem Vorschlag und der begründeten Antwort.

Auch das Überarbeiten lässt sich sichtbar machen. Im europäischen Rahmen vergleichen Lernende frühe und spätere Textfassungen und markieren, welche Änderungen auf KI-Rückmeldungen zurückgehen. So bekommt eine ansonsten unsichtbare Entscheidung eine Form: Was habe ich übernommen, verändert oder verworfen? Ein schöner fertiger Text und ein nachvollziehbarer Lernweg sind zwei verschiedene Dinge.
KI gehört in die Fächer
Diese Verbindung mit konkreten Aufgaben knüpft an die Digitalstrategie der KMK an. Seit 2016 beschreibt sie einen gemeinsamen Rahmen für digitale Bildung. Für allgemeinbildende Schulen nennt die KMK ausdrücklich die Verankerung im Fachunterricht und über Fachgrenzen hinweg. 2021 kamen Empfehlungen zum digitalen Lehren und Lernen hinzu, 2024 eine Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI.
KI-Kompetenz lässt sich deshalb auch an einer Quellenfrage im Geschichtsunterricht oder an der Überarbeitung eines Arguments üben. Dabei verschiebt sich jeweils die Prüffrage: Stimmt eine Angabe? Trägt der Beleg? Passt die Formulierung zum eigenen Gedanken? Die Software ist dieselbe, die fachliche Arbeit verändert sich. Lehrkräfte müssen erkennen können, welche Fähigkeit eine Aufgabe gerade fordert.
Die KMK betont auf ihrer Themenseite entsprechend auch die fachliche, didaktische und technische Qualifizierung der Lehrkräfte. Geräte und Zugänge schaffen die Möglichkeit zur Nutzung. Unterricht muss daraus eine Aufgabe machen, an der sich etwas lernen und erklären lässt.
Hilfen für die Umsetzung sind angekündigt
Zur Erweiterung kündigt die Bildungsministerkonferenz eine interaktive Übersicht, 22 Reflexionskarten, eine digitale Kartenfassung sowie einen Kompetenznavigator im ländergemeinsamen Chatbot AIS.chat an. Die Angebote sollen künftig stärker nach Alter und Schulform differenziert werden. Die Mitteilung beschreibt den vorgesehenen Unterstützungsrahmen; konkrete Regeln für die nächste benotete Aufgabe sollten Schüler weiterhin mit ihrer Lehrkraft klären.
Für das Gespräch zu Hause bietet sich eine einfache Frage an: Kannst du erklären, weshalb du dieser Antwort vertraust? Sie führt unmittelbar zu Quellen, Rechenwegen und eigenen Entscheidungen. Genau dort wird aus dem Umgang mit einem Werkzeug eine Fähigkeit, die auch beim nächsten Werkzeug noch hilft.
Quellen
- Kultusministerkonferenz: Was Schülerinnen und Schüler im Umgang mit KI können sollen, 16. Oktober 2026.
- OECD / Europäische Union: Interactive AILit Framework, abgerufen am 17. Oktober 2026.
- Kultusministerkonferenz: Bildung in der digitalen Welt, abgerufen am 17. Oktober 2026.
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.