KI

KI im Betrieb: Der ganze Arbeitsablauf entscheidet über den Gewinn

Eine schnellere KI-Antwort verkürzt noch keinen gesamten Arbeitstag. Was Umfragen und Unternehmensdaten über Produktivität, Weiterbildung und Abläufe zeigen.

Von Wolfgang

14. Okt. 20266 Min. Lesezeit

KI-Werkzeuge in einem betrieblichen Arbeitsablauf

Eine KI kann eine Aufgabe beschleunigen und trotzdem wenig am Arbeitstag verändern. Der Entwurf ist früher fertig, aber die Freigabe wartet, die nötigen Daten fehlen oder der nächste Schritt bleibt liegen. Für die Produktivität zählt die fertige Arbeit im Verhältnis zur eingesetzten Zeit. Ein schneller einzelner Schritt ist dafür ein Anfang.

Diese Verbindung rückt EZB-Direktor Philip Lane in seiner Rede beim International AI Summit am 13. Oktober in Dublin in den Mittelpunkt. Europas KI-Chance hängt nach seiner Darstellung von vielen Beteiligten ab: von Modellentwicklern und Infrastrukturbetreibern ebenso wie von Unternehmen, Finanzierung, Weiterbildung und den Menschen, die Arbeitsabläufe verändern. Das hilft zu verstehen, warum die Einführung eines Werkzeugs und der wirtschaftliche Gewinn unterschiedliche Zeitachsen haben.

Die Kennzahl beginnt bei der fertigen Arbeit

Arbeitsproduktivität beschreibt, wie viel Ergebnis mit einem bestimmten Arbeitseinsatz entsteht. Wer denselben Auftrag mit gleicher Qualität in weniger Stunden erledigt, erhöht diese Größe. Wer eine Teilaufgabe beschleunigt und die übrige Zeit an anderer Stelle verliert, verändert den gesamten Aufwand möglicherweise kaum.

Ein frei gewähltes Rechenbeispiel: Eine Abteilung beantwortet 100 gleich aufwendige Anfragen in zehn Arbeitsstunden. Das sind zehn Antworten pro Stunde. Gelingen dieselben 100 Antworten mit unveränderter Qualität in acht Stunden, steigt die Leistung auf 12,5 Antworten je Stunde. Die Zeit sinkt um 20 Prozent, die Produktivität steigt um 25 Prozent. Das sind zwei unterschiedliche Rechnungen aus denselben Ausgangswerten.

Der Zusatz „unveränderte Qualität“ ist wesentlich. Eine Antwort, die anschließend korrigiert werden muss, beansprucht weitere Arbeit. Ebenso müsste ein Vergleich den Aufwand für die Vorbereitung und Prüfung erfassen. Die nützliche Größe ist der Ablauf bis zum brauchbaren Ergebnis, nicht nur die Zeit bis zum ersten Text auf dem Bildschirm.

Schematischer Arbeitsablauf mit Dateneingabe, KI-Entwurf, Prüfung, Freigabe und fertigem Ergebnis sowie einer möglichen Warteschlange
Ein beschleunigter Arbeitsschritt verändert den Gesamtprozess erst im Zusammenspiel mit den weiteren Stationen. Schematische Darstellung. (Quelle: KI generiert)

Viele Menschen nutzen KI, aber für unterschiedliche Aufgaben

Die EZB untersucht die Nutzung aus mehreren Perspektiven. In einem Beitrag vom 26. August berichtet sie, dass 52 Prozent der befragten Beschäftigten KI im Beruf nutzen, nach 26 Prozent im Jahr 2024. Unter den Nutzern beträgt die berichtete Zeitersparnis im Median drei Stunden pro Woche. Der Median markiert die Mitte der Antworten.

Diese Selbstauskünfte beantworten eine praktische Frage: Was nehmen Beschäftigte in ihrer eigenen Arbeit wahr? Sie sind besonders interessant, weil die Aufgaben verschieden sind. Eine Person verwendet KI zum Schreiben, eine andere zum Programmieren, eine dritte für eine Auswertung. Derselbe Werkzeugname bezeichnet damit noch keinen einheitlichen Arbeitsprozess.

Für den Betrieb entsteht aus eingesparten Stunden eine neue Entscheidung. Können zusätzliche Aufträge bearbeitet werden? Lässt sich eine andere Engstelle entlasten? Oder verbessert sich zunächst die Qualität, weil für die Prüfung mehr Zeit bleibt? Alle drei Möglichkeiten können für ein Unternehmen sinnvoll sein. Sie verändern jedoch unterschiedliche Größen.

Auch freie Kapazität und zusätzliche Nachfrage müssen zusammenkommen. Eine Abteilung kann technisch mehr leisten, während die Zahl der Aufträge gleich bleibt. Dann könnte die Arbeit mit geringerem Aufwand erledigt oder die übrige Zeit anders verwendet werden. Die Aufgabe der Organisation ist, aus der gewonnenen Möglichkeit eine passende Verwendung zu machen.

Die Engstelle kann hinter der KI liegen

Ein zweites Gedankenexperiment zeigt das. Ein Team erstellt Berichte, die anschließend von einer anderen Stelle freigegeben werden. Die KI halbiert den Aufwand für den Entwurf. Wenn die Freigabestelle schon zuvor ausgelastet war, kann nun eine größere Warteschlange entstehen. Die frühere Station wird schneller; die Zahl freigegebener Berichte folgt weiterhin dem Tempo der nächsten Station.

Das ist eine gewöhnliche Eigenschaft verketteter Abläufe. Ein schnellerer Schritt verschiebt die Belastung häufig weiter. Deshalb kann eine Einführung auch andere Entscheidungen auslösen: Welche Fälle brauchen dieselbe Prüfung, welche Angaben müssen bereits am Anfang vorliegen, und wer übernimmt einen zusätzlichen Auftrag? Die Antworten gehören zum Prozessdesign.

Dabei ist eine Prüfung selbst kein überflüssiger Rest. Sie kann die Qualität sichern, die der Kunde erwartet. Ein sinnvoller Umbau fragt deshalb nach der passenden Kontrolle für die konkrete Aufgabe. Bei einer einfachen internen Notiz liegt der Aufwand anders als bei einem Ergebnis, das nach außen weitergegeben wird.

Unternehmen nennen konkrete Hürden

Die SAFE-Auswertung der EZB verwendet Antworten von Unternehmen aus dem vierten Quartal 2025. Danach nutzten 38 Prozent KI moderat oder intensiv, weitere 33 Prozent sehr selten oder experimentell. Unter den Nichtnutzern nannten rund 30 Prozent fehlenden Nutzen als Haupthürde; etwa 20 Prozent verwiesen auf Probleme mit bestehenden Systemen oder fehlende Fähigkeiten.

Damit werden zwei sehr verschiedene Ausgangslagen sichtbar. Ein Unternehmen kann noch nach einer geeigneten Aufgabe suchen. Ein anderes kennt den möglichen Nutzen, bekommt das Werkzeug aber nicht in seine Systeme und Routinen eingebunden. Ein leistungsfähigeres Modell löst diese beiden Fragen nicht auf dieselbe Weise.

Bei der zweiten Ausgangslage kann die Arbeit an den Schnittstellen entscheidend werden. Informationen müssen an der richtigen Stelle verfügbar sein, Ergebnisse in den nächsten Schritt gelangen, und Beschäftigte müssen wissen, wann sie das Werkzeug verwenden können. Das sind oft unspektakuläre Voraussetzungen. Sie bestimmen jedoch, ob eine einzelne gelungene Vorführung wiederholbar wird.

Was eine Unternehmensstudie anders misst

Ein BIS-Arbeitspapier von 2026 verknüpft Daten von mehr als 12.000 nichtfinanziellen Unternehmen in Europa und den USA. Die Autoren verwenden die KI-Einführung amerikanischer Vergleichsunternehmen als statistisches Instrument und schätzen für KI-einführende europäische Unternehmen ein um vier Prozent höheres Arbeitsproduktivitätsniveau. In ihrer Auswertung spielen ergänzende Investitionen in Software, Daten und Weiterbildung eine wichtige Rolle.

Ein höheres Niveau beschreibt einen Abstand. Würde eine fiktive Kennzahl von 100 auf 104 steigen, wäre sie vier Prozent höher. Eine Wachstumsrate beschreibt dagegen die Veränderung innerhalb eines Zeitraums. Aus einem einmal höheren Niveau entsteht daher keine automatisch jedes Jahr wiederkehrende Steigerung um denselben Prozentsatz.

Die Studie und die Befragung der Beschäftigten beleuchten außerdem verschiedene Ebenen. Die eine betrachtet Firmen und ihre wirtschaftlichen Daten mit einem statistischen Vergleich. Die andere fragt Menschen nach ihrer Nutzung und der empfundenen Zeitersparnis. Zusammen liefern sie einen verständlicheren Blick, als es eine einzige große Prozentzahl könnte.

Die Einführung ist Arbeit an der Organisation

Lane beschreibt in seiner Dubliner Rede entsprechend eine Veränderung über viele miteinander verbundene Bereiche. Seine Überlegung betrifft die Möglichkeiten für die europäische Wirtschaft. Die Umsetzung geschieht an konkreten Arbeitsplätzen, Datenbeständen und Entscheidungen.

Für eine überschaubare Einführung lässt sich der Blick deshalb auf einen ganzen Auftrag richten: Was wird eingegeben, welche Handlung übernimmt die KI, was wird geprüft, und wann ist das Ergebnis fertig? Eine solche Beschreibung macht auch sichtbar, welche zusätzliche Fähigkeit oder Verbindung fehlt. Weiterbildung kann dann an einer realen Aufgabe ansetzen.

Europas Produktivitätsgewinn entsteht aus vielen dieser gelungenen Verbindungen. Ein schnellerer Entwurf kann der sichtbare Anfang sein. Den Unterschied im Betrieb machen die Schritte bis zu einer Arbeit, die gebraucht wird und verwendet werden kann.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.