Erneuerbare Energien

KI auf See: Firmen wollen Wellenenergie für Rechner testen

Ocean Power Technologies und Stratum wollen KI-Rechner auf erneuerbar versorgten Bojen testen. Eine Absichtserklärung steckt den Rahmen für einen möglichen Versuch ab.

Von Wolfgang

26. Okt. 20263 Min. Lesezeit

Illustration einer Boje auf dem Meer und der Artikelüberschrift.

Ein Rechner auf einer Boje könnte künftig Daten direkt auf hoher See auswerten und seinen Strom aus erneuerbaren Quellen beziehen. Ocean Power Technologies und die KI-Infrastrukturfirma Stratum haben am 26. Oktober erklärt, dass sie einen solchen Ansatz gemeinsam demonstrieren möchten. Dazu unterzeichneten sie eine unverbindliche Absichtserklärung. Über einen endgültigen Vertrag müssen die Unternehmen noch verhandeln.

Der Plan verbindet zwei Fragen, die weit draußen auf dem Meer zusammenkommen: Woher erhält ein Rechner Strom, und wie gelangen die Informationen zurück an Land? Die Unternehmen wollen vorhandene Bojenprototypen von Ocean Power Technologies mit Grafikprozessoren von Stratum kombinieren. Nach ihrer Mitteilung soll die Anlage KI-Anwendungen vor Ort ausführen und dafür vor allem Energie aus Wellen, Wind und Sonne nutzen.

Erst vor Ort auswerten, dann funken

Messgeräte auf See können viele Daten sammeln, etwa für die Beobachtung von Offshore-Anlagen oder wissenschaftliche Messungen. Werden alle Rohdaten an Land übertragen, muss die Funkverbindung die gesamte Datenmenge bewältigen. Ein Rechner am Messort könnte zunächst auswerten, welche Informationen relevant sind, und anschließend Ergebnisse übertragen. Das Prinzip heißt Edge Computing: Ein Teil der Verarbeitung findet nahe an der Quelle statt.

Die Firmen nennen als mögliche Aufgaben etwa die Beobachtung von Offshore-Energieanlagen und wissenschaftliche Sensorik. Welche Sensoren und Modelle ein späterer Versuch tatsächlich einsetzen würde, geht aus der Ankündigung nicht hervor. Auch der Ort und ein Zeitplan für eine Demonstration werden darin nicht genannt.

Schematische Boje mit Energie aus Wellen und Sonne, lokaler KI-Auswertung und Funkverbindung.
Das Schema zeigt den geplanten Zusammenhang: Energie auf See erzeugen, Daten lokal auswerten und Ergebnisse übertragen. Es stellt keine fertige Anlage dar. (Quelle: KI generiert)

Wie eine Wellenboje Energie gewinnen kann

Wellen bewegen eine schwimmende Boje auf und ab. Wellenenergiewandler können diese Bewegung nutzen, um einen Generator anzutreiben; das US-Energieministerium beschreibt verschiedene technische Ansätze dafür. Welche Kombination von Wellen-, Wind- und Solartechnik der angekündigte Versuch verwenden würde und wie viel Strom sie tatsächlich bereitstellt, haben die Unternehmen noch nicht veröffentlicht.

Ein Rechner benötigt Strom auch dann, wenn eine einzelne Welle vorbeigezogen ist oder die Sonne nicht scheint. Ein mögliches System muss deshalb Erzeugung, Speicherung und Verbrauch aufeinander abstimmen. Ob und wie das im geplanten Aufbau gelingt, gehört zur angekündigten technischen Erprobung.

Eine Absichtserklärung ist noch kein Testbetrieb

Ocean Power Technologies soll laut Mitteilung bestehende Bojenprototypen und bestimmte Nutzungsrechte einbringen; Stratum würde Rechnerhardware und Erfahrung bei der Integration beisteuern. Die Unternehmen sprechen von Grafikprozessoren für KI-Inferenz. Das bedeutet, dass ein bereits trainiertes Modell Daten verarbeitet. Das Training eines großen Modells ist damit nicht angekündigt.

Die Partner möchten außerdem untersuchen, ob kühlere Regionen auf See den Aufwand für die Kühlung senken könnten. Das ist bislang eine Erwartung der Firmen. Wie stark ein konkreter Aufbau kühlen muss und welche Vorteile im Vergleich zu einem Standort an Land entstehen, müsste die Demonstration erst zeigen.

Vorgesehen sind zunächst die Verbindung der Systeme, technische Messungen und die Sammlung von Betriebsdaten. Die Vereinbarung ist unverbindlich; Finanzierung und endgültige Verträge stehen noch aus. Für Leser bleibt deshalb vor allem die technische Idee interessant: Aus Daten, die weit vom Festland entstehen, könnten Ergebnisse direkt dort gewonnen werden, wo die Messung stattfindet.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.