Erneuerbare Energien

ITRI und eJoule entwickeln Einkristall-Kathoden für Batterien

ITRI und eJoule wollen nickelhaltige Einkristall-Kathoden weiterentwickeln. Was die Kristallstruktur für Batteriepartikel bedeutet und welche Daten noch fehlen.

Von Wolfgang

26. Okt. 20263 Min. Lesezeit

Illustration eines Kristallpartikels und einer Batterie mit Artikelüberschrift.

Das taiwanische Forschungsinstitut ITRI und das US-Unternehmen eJoule wollen gemeinsam an Batteriekathoden aus Einkristallmaterial arbeiten. Die Partner kündigten ihre Zusammenarbeit am 26. Oktober an. Sie wollen Materialentwicklung und Zellfertigung enger verbinden und Anwendungen unter anderem für Elektrofahrzeuge, Drohnen und stationäre Speicher untersuchen.

Im Mittelpunkt steht die Kathode, ein Teil der Batterie, an dem Lithium beim Laden und Entladen aufgenommen oder abgegeben wird. eJoule bringt nach eigenen Angaben nickelhaltige Materialien ein, ITRI soll daraus passende Elektroden und Zellen entwickeln. Entscheidend wird sein, wie sich die Materialien in vollständigen Zellen unter nachvollziehbaren Bedingungen verhalten.

Warum die Form der Teilchen wichtig ist

Die aktiven Stoffe einer Batterie liegen in kleinen Partikeln vor. Manche bestehen aus vielen zusammengefügten Kristallkörnern. Ein Einkristallpartikel besitzt dagegen eine durchgehende Kristallstruktur. Das klingt nach einem mikroskopischen Detail, kann aber für die Belastung beim Laden und Entladen relevant sein: Das Material verändert dabei seine Ausdehnung.

An Grenzflächen zwischen Kristallkörnern können sich Spannungen sammeln. Risse können den Kontakt im Material und seine Wechselwirkung mit dem umgebenden Elektrolyten verändern. Einkristallpartikel sollen einige dieser Grenzflächen vermeiden. Wie gut das gelingt, hängt allerdings vom Material und seiner Herstellung ab.

Schematischer Vergleich eines Partikels aus mehreren Kristallkörnern und eines einzelnen Kristallpartikels in einer Batterieelektrode.
Die Grafik vergleicht den Aufbau von Partikeln aus mehreren Körnern mit einem einzelnen Kristall. Die Darstellung ist schematisch. (Quelle: KI generiert)

Dass die Bezeichnung Einkristall allein keine fertige Lösung garantiert, zeigt eine frühere Untersuchung des US-Forschungslabors Argonne: Dort fanden Forscher bei genauerer Analyse auch in vermeintlichen Einkristallmaterialien innere Grenzen und Risse. Dieser Befund betrifft nicht automatisch das Material von eJoule. Er zeigt, warum Struktur und Belastung im konkreten Fall geprüft werden müssen.

Vom Material zur Zelle

eJoule beschreibt seine Materialien als nickelhaltige Verbindungen aus Nickel, Mangan und Kobalt, kurz NMC. Das Unternehmen gibt an, die Kristalle aus Lösungströpfchen herzustellen und dabei einen sonst üblichen Vorläuferschritt auszulassen. ITRI soll seine Erfahrung bei der Herstellung von Elektroden und der Entwicklung von Zellen einbringen.

Eine Elektrode besteht nicht allein aus dem aktiven Pulver. Sie braucht auch eine leitfähige und mechanisch zusammenhaltende Struktur. Erst in der vollständigen Zelle treffen Kathode, Gegenelektrode, Elektrolyt und weitere Bauteile zusammen. Wie eine Batterie altert, wird deshalb nicht nur durch die Kristallform eines einzelnen Materials bestimmt.

Die Partner berichten von bisherigen Tests zur Zyklenstabilität. In der Ankündigung fehlen jedoch Angaben zu konkreten Zelltypen, Ladebedingungen und vollständigen Messreihen. Auch ein Termin für Fahrzeuge oder ein Produkt für Endkunden wird nicht genannt. Die genannten Anwendungen beschreiben die Richtung der Zusammenarbeit.

Was als Nächstes zählt

Für den Vergleich mit anderen Batterien wären Daten darüber nötig, wie viele Ladezyklen unter welchen Bedingungen erreicht werden und wie sich Kapazität, Ladeleistung und Sicherheit über die Zeit verändern. Solche Ergebnisse lassen sich am besten vergleichen, wenn Material und vollständige Zelle samt Testbedingungen benannt sind.

Die Zusammenarbeit soll den Weg vom Kathodenmaterial zur Zelle verkürzen. Der nächste sichtbare Schritt sind daher belastbare Zelltests und deren Bedingungen. Aus der Ankündigung lässt sich noch kein Einführungsdatum für eine neue Fahrzeugbatterie ableiten.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.