Irlands Windparks lieferten im September einen Rekord für diesen Monat. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Großhandelspreis für Strom. Der Branchenverband Wind Energy Ireland meldet 1.256 Gigawattstunden Windstrom und einen Anteil von 37 Prozent am Strombedarf. Den Monatsmittelpreis gibt er mit 182,13 Euro je Megawattstunde an und verweist auf gestiegene Gaspreise.
Das ist kein rechnerischer Widerspruch. Ein hoher Windanteil über einen Monat und der Preis in einer einzelnen Marktperiode messen verschiedene Dinge. Entscheidend ist, wann der Wind liefert, welche Nachfrage zu dieser Zeit besteht und welche weiteren Angebote noch gebraucht werden. Der Monatsbericht vom 13. Oktober zeigt, warum ein Rekord allein die Preisfrage nicht beantwortet.
Der Anteil beschreibt eine Menge über den Monat
37 Prozent bedeuten zunächst: Die erzeugte Windstrommenge entsprach diesem Anteil des gesamten Bedarfs im betrachteten Zeitraum. Daraus folgt nicht, dass Wind in jeder Stunde genau 37 Prozent lieferte. Die Verteilung kann sich während des Monats verändern. Ebenso verändert sich die Nachfrage.
Ein eigenes Gedankenbeispiel: Ein kleines System benötigt an zwei gleich langen Tagen jeweils 100 Energieeinheiten. Am ersten Tag liefert Wind 60, am zweiten 14. Insgesamt sind das 74 von 200 Einheiten, also 37 Prozent. Die beiden Tage verlangen aber ganz unterschiedliche Ergänzungen. Am ersten fehlen 40, am zweiten 86 Einheiten.
Die Monatsmenge fasst beide Tage zusammen. Sie verschweigt ihre zeitliche Struktur nicht absichtlich; dafür ist sie einfach die falsche Kennzahl. Wer wissen möchte, welche Kraftwerke wann gebraucht wurden, muss die einzelnen Perioden betrachten. Für die Analyse von Preisen zählt diese Auflösung.
Der Preis entsteht beim Zusammenführen der Angebote
Die Europäische Kommission beschreibt die Preisbildung im Day-ahead-Markt als Reihenfolge nach Grenzkosten. Angebote mit niedrigeren zusätzlichen Erzeugungskosten werden zuerst berücksichtigt. Für den einheitlichen Marktpreis ist das letzte noch benötigte Angebot entscheidend.
Grenzkosten beschreiben den zusätzlichen Aufwand für weitere Erzeugung. Bei Wind- und Solaranlagen steht dabei kein zugekaufter Brennstoff im Mittelpunkt. Bei einem Gaskraftwerk beeinflusst der Gaspreis die Kosten des zusätzlichen Stroms. Die gesamten Baukosten einer Anlage und ihre Kosten für zusätzliche Produktion sind verschiedene Größen.
Ein zweites frei gewähltes Beispiel zeigt die Wirkung. Die Nachfrage beträgt 100 Einheiten. Es gibt 60 Einheiten zu zehn Euro, weitere 30 zu 50 Euro und zehn zu 100 Euro. Werden alle 100 gebraucht, reicht das teuerste Angebot bis in die benötigte Menge hinein. In diesem vereinfachten Markt liegt der Preis bei 100 Euro je Einheit.
Nun kommen 20 zusätzliche günstige Einheiten hinzu, während die Nachfrage gleich bleibt. Das Angebot zu 100 Euro wird nicht mehr benötigt. Der Preis kann im Beispiel auf 50 Euro fallen. Bleibt dagegen auch nach dem zusätzlichen Angebot ein kleiner Teil des teuersten Blocks nötig, setzt dieser weiterhin den Preis. Die Veränderung hängt also von der Angebotsreihenfolge und der Nachfrage zusammen ab.

Der Tagesvergleich ist ein Befund mit Grenzen
Im irischen Monatsbericht stehen windstarke Tage mit durchschnittlich 142,78 Euro je Megawattstunde Tagen gegenüber, an denen das System stärker auf importiertes Gas angewiesen war. Für diese zweite Gruppe nennt der Verband 226,51 Euro.
Die Differenz beträgt 83,73 Euro je Megawattstunde. Bezogen auf den höheren Wert liegt der niedrigere rund 37 Prozent darunter. Bezogen auf den niedrigeren Wert wäre dieselbe absolute Differenz dagegen rund 59 Prozent. Bei Prozentvergleichen muss deshalb immer klar sein, welcher Wert die Basis bildet.
Diese Rechnung beschreibt den beobachteten Abstand zwischen den genannten Gruppen. Sie isoliert nicht automatisch die Wirkung des Windes. Für einen kontrollierten Vergleich müssten unter anderem Nachfrage, Gaspreise, verfügbare Kraftwerke und Austausch mit benachbarten Systemen vergleichbar sein. Die Mitteilung liefert keine solche Gegenrechnung.
Das schmälert den Befund nicht. Die Gruppenpreise passen zum beschriebenen Mechanismus. Für eine bestimmte kausale Ersparnis bräuchte es jedoch eine weitergehende Untersuchung: Was hätte dasselbe System zur selben Zeit unter sonst gleichen Bedingungen mit weniger Wind bezahlt? Der Vergleich verschiedener Tage beantwortet diese Frage nur teilweise.
Warum der Monatsdurchschnitt trotzdem steigen kann
Ein Mittelwert kann steigen, obwohl bestimmte Perioden günstig sind. Dafür müssen die übrigen Perioden nur ausreichend teuer sein oder beim gewählten Durchschnitt entsprechend stark ins Gewicht fallen. Eine höhere günstige Erzeugungsmenge und teurerer ergänzender Brennstoff wirken auf verschiedene Teile des Systems.
Auch das lässt sich ohne zusätzliche irische Daten zeigen. Zwei gedachte Tagespreise von 100 und 200 Euro ergeben im einfachen Mittel 150 Euro. Im nächsten Monat liegen sie bei 80 und 240 Euro, im Mittel also 160 Euro. Der günstige Tag wird günstiger, der Durchschnitt steigt. Das ist ein Zahlenbeispiel für die Rechnung und keine Rekonstruktion des Septembermarkts.
Der konkrete Durchschnitt hängt zudem davon ab, was gemittelt wird. Ein gleich gewichtetes Stundenmittel und ein nach gehandelter Menge gewichteter Preis können unterschiedlich ausfallen. Ohne die genaue Berechnungsmethode sollte ein Leser diese Größen nicht beliebig ineinander übersetzen. Die Einheit Euro je Megawattstunde allein legt die Gewichtung noch nicht fest.
Von der Marktperiode zur eigenen Rechnung
Ein Großhandelswert beschreibt noch keinen Haushaltstarif. Die Kommission betont ebenfalls, dass Endkundenpreise häufig gegenüber kurzfristigen Marktschwankungen abgeschirmt sind. Ein Vertrag kann die Weitergabe zeitlich oder in seiner Berechnung anders gestalten. Deshalb lässt sich der irische Tagesabstand nicht einfach als gleich große Ersparnis auf einer privaten Rechnung lesen.
Für die technische Einordnung sind drei Ebenen hilfreich: die erzeugte Windstrommenge, die Preisbildung in den einzelnen Marktperioden und die spätere Vertragsrechnung. Jede Ebene braucht ihre eigenen Daten. Wer sie verbindet, kann den Zusammenhang erklären; wer ihre Zahlen direkt gleichsetzt, verliert die Bedingungen aus dem Blick.
Irlands Septemberrekord zeigt somit eine hohe reale Windstromlieferung. Die zugleich unterschiedlichen Tagespreise und der gestiegene Monatsdurchschnitt zeigen, dass die zeitliche Verteilung und die ergänzenden Angebote ebenso zählen. Ein guter Monat für die Windproduktion beantwortet die Frage nach den Stromkosten erst zusammen mit dem übrigen Markt.
Selbst ein wachsender Windstromanteil muss getrennt von der absoluten Lieferung gelesen werden. Ein weiteres eigenes Beispiel:30 Wind-Energieeinheiten bei 100 Bedarfseinheiten ergeben 30 Prozent. Steigt die Windmenge auf 35, der Bedarf aber auf 140, liegt ihr Anteil bei 25 Prozent. Die Windparks liefern mehr, ihr Anteil fällt dennoch.
Das zeigt, warum Energiemenge und Anteil gemeinsam hilfreich sind. Die Menge beschreibt die tatsächliche Lieferung. Der Anteil setzt sie in Beziehung zu einer zweiten Größe. Ob ein bestimmtes Jahr windreicher war, zusätzliche Anlagen lieferten oder die Nachfrage anders ausfiel, müsste anschließend mit den zugehörigen Daten geklärt werden.
Für einen Preisvergleich kommt noch die zeitliche Übereinstimmung hinzu. Eine zusätzliche Energiemenge kann in Perioden mit hoher oder niedriger Nachfrage anfallen. Gleiche Monatssummen können deshalb verschiedene Marktsituationen enthalten. Das Monatsmittel bleibt ein nützlicher Überblick; die Erklärung seines Zustandekommens braucht die darunterliegenden Zeitreihen.
Quellen
- Wind Energy Ireland: Irish wind farms set new September record (2026-10-13)
- Europäische Kommission: EU energy markets: evolving gas-electricity price linkages (2026; Frühjahr)
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