Ein großer Batteriespeicher braucht mehr als viele Zellen. Er muss möglichst genau wissen, wie voll und wie gesund diese Zellen sind. InoBat und Analog Devices wollen dafür die Überwachung enger mit der Batterie verbinden: Ihr geplantes System i-Power+ soll Messdaten drahtlos übertragen und zusätzlich untersuchen, wie die Zellen auf kleine elektrische Prüfsignale reagieren. Gedacht ist die Plattform unter anderem für KI-Rechenzentren.
Die Unternehmen haben dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie InoBat am 16. Oktober mitteilte. Ab Oktober 2026 soll ein Pilot mit einem Batteriespeichercontainer auf LFP-Basis beginnen. LFP steht für Lithium-Eisenphosphat, eine Zellchemie. Der erste Schritt führt damit zu einem Prototyp, an dem potenzielle Kunden die Technik erproben können.
Die Batterie bekommt einen genaueren Beobachter
Hinter dem Vorhaben steckt eine alltägliche Unterscheidung: Der Ladezustand sagt, wie viel Energie gerade verfügbar ist. Der Gesundheitszustand beschreibt, wie sich die Batterie gegenüber ihrem früheren Zustand verändert hat. Eine ältere Zelle kann vollständig geladen sein und trotzdem weniger Energie speichern als eine neue. Für Betreiber großer Speicher gehören beide Größen deshalb zusammen.
InoBat bringt seine Zell- und Speichertechnik in die geplante Zusammenarbeit ein. Analog Devices steuert Technik für das Batteriemanagement und die Auswertung mit KI am Gerät und in der Cloud bei. Der Prototyp soll Spannung und Temperatur erfassen, elektrochemische Diagnose nutzen und auffälliges Verhalten erkennen. Als Ziele nennt die Ankündigung genauere Schätzungen von Lade- und Gesundheitszustand sowie eine längere nutzbare Zyklenlebensdauer.
Der Unterschied liegt dabei im Blick auf die einzelnen Zellen. Eine Anzeige für den gesamten Container fasst sehr viele elektrochemische Bauteile zusammen. Die geplante Architektur soll näher an diesen Bauteilen messen. So sollen die Daten, mit denen der Speicher gesteuert wird, genauer beschreiben, was im Inneren tatsächlich geschieht.
Ein kleines Prüfsignal macht innere Veränderungen sichtbar
Das zusätzliche Werkzeug heißt elektrochemische Impedanzspektroskopie, kurz EIS. Dabei erhält eine Zelle ein kleines wechselndes Stromsignal. Gemessen wird, wie sie bei verschiedenen Frequenzen darauf antwortet. Die Impedanz beschreibt ihren elektrischen Widerstand gegen solche wechselnden Signale und deren zeitliche Verschiebung.
Die technische Referenz CN0510 von Analog Devices erklärt, wie sich daraus Hinweise auf Ladezustand und Alterung gewinnen lassen. Unterschiedliche Bereiche der Frequenzantwort hängen mit unterschiedlichen Vorgängen in der Zelle zusammen. Das Verfahren ergänzt damit die Spannung um ein weiteres Bild ihres inneren Zustands. Für i-Power+ ist diese Diagnose als Bestandteil der Entwicklung vorgesehen.

Drahtlos werden die Daten, nicht der Speicherstrom
Eine zweite Änderung betrifft die Verbindung zwischen Zellüberwachung und Steuereinheit. Das vorgesehene drahtlose Batteriemanagement soll laut InoBat die entsprechende Verkabelung zur Batterie-Managementeinheit ersetzen. Die Energie fließt weiterhin über elektrische Leiter. Der Funkweg übernimmt die Kommunikation der Überwachung.
Das ist gerade bei einem Container mit vielen Zellen ein anderer Eingriff als eine neue Zellchemie. Er betrifft die Architektur des Speichers: wie Messinformationen zusammenkommen und für die Steuerung verfügbar werden. Diagnose und Datenverbindung sollen zusammenarbeiten. Ein auffälliges Signal muss zunächst erfasst werden, bevor eine Auswertung darin eine Abweichung erkennen kann.
In Limerick entsteht zunächst der LFP-Prototyp
Die Pilotarbeit ist am Innovationsstandort ADI Catalyst im irischen Limerick vorgesehen. In dieser Phase wollen die Partner die Systemarchitektur festlegen, weitere Entwicklungspartner und zentrale Lieferanten auswählen und den intelligent überwachten LFP-Prototyp bauen. Potenzielle Kunden sollen früh Zugang zu einer ersten nutzbaren Version erhalten und deren Leistung erproben.
Später möchten die Unternehmen die Architektur auch auf Natrium-Ionen-Speicher übertragen. Dabei nennen sie ausdrücklich die Erkennung von Alterungsvorgängen dieser Zellchemie als Aufgabe. Das gehört zu einer weiteren Entwicklungsstufe; der angekündigte erste Container verwendet LFP.
Für Rechenzentrumsbetreiber wird interessant, wie gut sich die zusätzlichen Messdaten im praktischen Betrieb nutzen lassen. Eine konkrete Speichergröße, vergleichbare Lebensdauertests und einen Termin für die Serienlieferung nennt die Mitteilung bislang nicht. Der nächste greifbare Schritt ist daher die Arbeit am Prototyp: Dort muss aus einzelnen Messverfahren ein gemeinsam funktionierender Speicher werden.
Quellen
- InoBat: InoBat Announces MOU with Analog Devices to Explore i-Power+, 16. Oktober 2026.
- Analog Devices: CN0510: Electrochemical Impedance Spectroscopy for Batteries, technische Referenz, Revision A vom 27. September 2019, abgerufen am 17. Oktober 2026.
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