Ein Elektro-Lkw, der während der Fahrt Energie aufnimmt, könnte Ladepausen anders planen als ein Fahrzeug, das nur an festen Stationen lädt. Honda entwickelt dafür zusammen mit Taisei und Taisei Rotec eine drahtlose Energieübertragung aus der Straße. Die am 5. Oktober vorgestellte Basistechnologie soll zunächst besonders dem Transport- und Logistikbereich dienen. Versuche auf öffentlichen Straßen sind ab dem japanischen Haushaltsjahr 2027 geplant. Honda
Das Projekt verbindet drei Aufgaben, die häufig getrennt betrachtet werden: Strom zur Straße bringen, ihn an ein fahrendes Fahrzeug übertragen und die eingebauten Komponenten dauerhaft befahrbar halten. Die eigentliche Spule ist deshalb nur ein Teil der Geschichte. Eine Straße muss unter schweren Fahrzeugen, bei Witterung und während späterer Reparaturen funktionieren.
Energie ohne Kabel am Fahrzeug
Die Übertragung nutzt magnetische Kopplung. Eine Spule im Straßenmodul erzeugt ein wechselndes Magnetfeld; ein passender Empfänger am Fahrzeug nimmt daraus elektrische Energie auf. Straße und Fahrzeug müssen dafür technisch zusammenpassen. Ein gewöhnliches Elektroauto wird nicht allein dadurch empfänglich, dass es über einen entsprechend ausgerüsteten Abschnitt fährt.
Honda beschreibt ein System, bei dem Gleichstrom zu den Straßenmodulen verteilt wird. Der Wechselrichter, der daraus den für die Spule nötigen Wechselstrom erzeugt, ist im jeweiligen Modul integriert. Gegenüber einer Anordnung mit zentralen Wechselrichtern und einzelnen Wechselstromleitungen soll diese Bauweise die Verdrahtung und den Einbau vereinfachen. Das ist eine technische Zielrichtung des Projekts, keine veröffentlichte Gesamtkostenrechnung für ein Straßennetz. Honda

Der Unterschied lässt sich am Wartungsfall verstehen. Eine aufwendige Verkabelung unter der Fahrbahn kann den Austausch eines Bauteils erschweren. Werden Module und Verbindungen von Anfang an für Einbau und Erneuerung ausgelegt, lässt sich die Infrastruktur anders organisieren. Genau deshalb arbeitet ein Fahrzeughersteller hier mit Bauunternehmen zusammen.
Die Straße muss Lasten tragen
Die Partner haben auf einer Versuchsstrecke unter anderem Straßenmodule und Fahrbahnstrukturen für Fahrzeuge der 20-Tonnen-Klasse untersucht. Weitere Langzeittests sollen folgen. Honda kündigt ab Ende 2026 eine zusätzliche Teststrecke an, auf der Belastung, Energieübertragung und Maßnahmen gegen austretende elektromagnetische Felder geprüft werden sollen. Spätere Leistungsprüfungen sollen bis zu 150 Kilowatt erreichen. Honda
Diese Zahl beschreibt den geplanten Prüfbereich. Sie sagt noch nicht, welche Energiemenge ein bestimmter Lkw auf einer bestimmten realen Fahrt erhalten wird. Dafür zählen unter anderem die Leistung am Empfänger und die Zeit, die das Fahrzeug über einem ausgerüsteten Abschnitt verbringt. Ein kurzer Straßenabschnitt kann einen anderen Beitrag leisten als ein langer Korridor.
Auch die Dauerhaltbarkeit ist für die Anwendung entscheidend. Ein Bauteil kann elektrische Energie erfolgreich übertragen und trotzdem für eine stark befahrene Straße ungeeignet sein, wenn es häufig aufwendig ausgetauscht werden muss. Die geplanten Versuche sollen daher den Energiepfad und das Bauwerk gemeinsam bewerten.
Warum der Güterverkehr zuerst interessant ist
Im Logistikbereich sind wiederkehrende Routen und hohe Fahrzeugauslastung besonders relevant. Ein technischer Versuch kann dort gezielt untersuchen, welchen Beitrag ein ausgerüsteter Streckenabschnitt für einen bestimmten Einsatz leistet. Das ist ein engerer und besser prüfbarer Anfang als das Versprechen, jedes Elektroauto überall während der Fahrt zu laden.
Für die Planung bleibt außerdem die Verbindung mit vorhandenen Ladeplätzen wichtig. Eine elektrische Straße würde die Frage nach der Energieversorgung nicht auflösen, sondern auf mehrere Stellen verteilen. Fahrzeuge brauchen passende Empfänger; die Straße braucht Stromanschlüsse, Betrieb und Wartung. Auch bei funktionierender Übertragung muss entschieden werden, an welchen Abschnitten sich dieser Aufwand lohnt.
Honda nennt als nächsten öffentlichen Einsatz das Tateyama-Projekt auf der gleichnamigen Autobahn in der Präfektur Chiba. Die angekündigte Teilnahme liegt noch vor dem Versuch. Aus den bisherigen Angaben lassen sich deshalb weder eine bewiesene Wirtschaftlichkeit im täglichen Fernverkehr noch eine baldige Verfügbarkeit in Deutschland ableiten.
Interessant ist die Entwicklung, weil sie ein reales Infrastrukturproblem sichtbar macht: Reichweite hängt bei einem solchen System nicht nur am Akku. Sie hängt ebenso an einer zuverlässig betriebenen Straße. Ob dieser zusätzliche Energiepfad im Alltag trägt, sollen die geplanten Prüfungen an Leistung, Belastbarkeit und öffentlichem Betrieb zeigen.
Quellen
- Honda: Basistechnologie für drahtlose Energieübertragung während der Fahrt (2026-10-05)
- Honda: Dynamic Wireless Power Transfer (2026-10-05)
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