Eine Heizmaßnahme soll das Klima deutlich schützen. Reicht diese Information, damit Menschen sie unterstützen? In einem deutschen Befragungsexperiment stieg die Zustimmung zu einem so beschriebenen Vorschlag bei grundsätzlich Befürwortenden und Unentschlossenen. Bei Menschen, die staatliche Klimapolitik eher ablehnten, fanden die Forschenden für das stärkere Wirksamkeitsargument keinen belastbaren zusätzlichen Effekt. Das ist eine Nachricht über die Bewertung hypothetischer Maßnahmen – keine Messung ihrer tatsächlichen Klimawirkung.
Die Forschenden am Potsdamer RIFS stellten die Auswertung am 22. September vor. Die Originalstudie erschien bereits am 2. September. Sie betrachtet eine Frage, die hinter vielen Heizungsdebatten steckt: Wie unterscheiden Menschen zwischen einer Maßnahme, die viel bewirken soll, und einer, deren Kosten sie für zumutbar halten?
Drei Stellschrauben für denselben Heizungstausch
2579 Erwachsene in Deutschland beurteilten im Oktober 2023 jeweils mehrere kurze Beschreibungen möglicher Maßnahmen. Ein Vorschlag verteuerte das Heizen mit klimaschädlicher Technik, ein anderer förderte den Wechsel zu einer klimafreundlicheren Heizung; weitere Beschreibungen kombinierten beides. Die Kosten oder Zuschüsse sollten entweder für alle gleich sein oder sich nach Verbrauch beziehungsweise Einkommen richten. Dazu erhielten die Befragten die Angabe, der Vorschlag werde fossile Brennstoffe stark oder nur mäßig einsparen.
Die Unterschiede waren Teil des Experiments. Die Forschenden konnten so vergleichen, wie sich die zufällig zugeteilten Beschreibungen auf die Antworten auswirkten. Insgesamt bekamen Förderungen mehr Zustimmung als reine Verteuerungen. Eine Verteilung nach Verbrauch oder Einkommen wurde im Durchschnitt günstiger bewertet als ein gleicher Betrag für alle. Die beschriebene Klimawirkung spielte ebenfalls eine Rolle – aber nicht für jede Gruppe auf dieselbe Weise.

Bei Skeptikern zählt das Wirkungsargument anders
Die Forschenden teilten die Befragten zusätzlich nach ihrer allgemeinen Haltung zu staatlicher Klimapolitik ein. Bei den Befürwortenden und der unentschlossenen Mitte führte die Beschreibung einer hohen statt mäßigen Klimawirkung zu mehr Zustimmung. In der grundsätzlich ablehnenden Gruppe ließ sich ein solcher Zusatznutzen statistisch nicht absichern. Das bedeutet nicht, dass kein skeptischer Mensch durch Fakten erreichbar wäre. Es bedeutet: In diesen Antworten trug genau dieses Wirkungsargument keinen nachweisbaren Gruppen-Effekt.
Der Unterschied zwischen Förderung und Verteuerung blieb dagegen im Mittel über die Einstellungsgruppen hinweg erkennbar. Beim Verteilprinzip ist die Grenze wichtig: Verbrauchs- und einkommensabhängige Regeln schnitten insgesamt besser ab, ihr zusätzlicher Vorteil war in der ablehnenden Untergruppe aber nicht belastbar nachweisbar. Aus der Studie lässt sich daher keine einfache Formel ableiten, mit der Fairness allein Skeptiker überzeugt.
Was die Befragung über echte Politik offenlässt
Eine zweite Beobachtung ist besonders reizvoll: Wer einen Vorschlag befürwortete, schätzte auch seine Wirksamkeit oft höher ein. Die statistischen Modelle der Studie passen zu der Möglichkeit, dass eine positive Haltung den Blick auf die Wirkung färbt. Sie beweisen diese Reihenfolge jedoch nicht. Zustimmung und wahrgenommene Wirksamkeit wurden in derselben Befragung erfasst; die Autoren nennen ihre Querschnittsanalyse ausdrücklich als Grenze für kausale Aussagen.
Auch die Heizung selbst wurde nicht getauscht. Die Teilnehmenden bewerteten kurze Szenarien, keine geltenden Gesetze, realen Rechnungen oder gemessenen Emissionen. Jüngere Erwachsene und Menschen an den Einkommensrändern waren in der ausgewerteten Gruppe unterrepräsentiert. Der Befund ist deshalb ein Hinweis darauf, wie Vorschläge in einer Befragung aufgenommen werden – kein Nachweis, dass eine bestimmte Kommunikationsstrategie eine reale Reform durchsetzt.
Die praktische Frage hinter der Studie bleibt dennoch klar: Wer Menschen über eine Heizmaßnahme informiert, muss zwei verschiedene Dinge erklären. Was soll sie für das Klima leisten? Und wie verteilt sie Kosten und Hilfe? Eine starke Wirkungsbehauptung beantwortet die zweite Frage nicht.
Quellen
- Jean-Henri Huttarsch und Ingo Wolf: Conditional bidirectionality between climate policy acceptance and perceived effectiveness, Communications Sustainability, 2. September 2026.
- RIFS am GFZ: Klimapolitik – Akzeptanz beeinflusst die Wahrnehmung der Wirksamkeit, 22. September 2026.
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