Stellen wir uns Europas Importe auf einer Waage vor. Fast drei Viertel ihres Gewichts kämen per Schiff, von Flugzeugen dagegen nur 0,3 Prozent. Würden wir statt Kilogramm Euro zählen, sähe das Bild plötzlich anders aus: Die Luftfracht steht für 20,7 Prozent des Warenwerts. Diese Gegenüberstellung steckt in einer neuen Eurostat-Auswertung des EU-Außenhandels 2025. Sie zeigt, warum eine schwere Ladung wirtschaftlich nicht automatisch die wertvollste ist.
Ein Handel, zwei Maßstäbe
Über See erreichten 2025 rund 1,1 Milliarden Tonnen Waren aus Nicht-EU-Ländern die EU. Das waren 73,3 Prozent der gesamten Importmasse. Gemessen am Warenwert entfielen auf Schiffe 50,2 Prozent. Bei Flugzeugen kehrt sich das Verhältnis um: 0,3 Prozent des Gewichts, aber gut ein Fünftel des Werts. Auch beim Export zeigt sich die Trennung: Schiffe transportierten 72,6 Prozent der Masse und 40,4 Prozent des Werts, Flugzeuge 2,9 Prozent der Masse und 29,1 Prozent des Werts. Eurostat erläutert die beiden Messweisen in seiner vertiefenden Statistik.
Warum passt beides zusammen? Ein Transportweg wird auch nach Größe, Gewicht und benötigter Liefergeschwindigkeit der Ware gewählt. Güter, die pro Kilogramm viel wert sind, können deshalb beim Geld einen großen Anteil haben, obwohl sie auf der Waage kaum auffallen. Eurostat beschreibt genau diesen Zusammenhang für die Luftfracht. Welche einzelnen Waren in der 2025er Gesamtsumme stecken, lässt sich aus den veröffentlichten Anteilen allein jedoch nicht ablesen.

Was die Zahl über Versorgung verrät
Wer nur die Tonnen betrachtet, erkennt die Bedeutung der Schifffahrt für schwere Warenströme. Wer nur Euro betrachtet, sieht den Luftweg viel größer. Für ein vollständiges Bild von Europas Außenhandel braucht es beide Perspektiven. Die Statistik zählt dabei Transporte zwischen der EU und Ländern außerhalb der EU; der Warenverkehr innerhalb der Union fehlt. Der Importwert ist ein statistischer Grenzwert einschließlich Transport- und Versicherungskosten, kein Preis im Geschäft und auch kein Umsatz der Reedereien oder Fluggesellschaften.
Neu ist der Datenstand für 2025, nicht die grundsätzliche Trennung. Schon eine ältere Eurostat-Auswertung für 2023 zeigte einen hohen Seeanteil am Gewicht und einen überproportionalen Wertanteil der Luftfracht. Aus den jetzt veröffentlichten Zahlen folgt daher keine plötzliche Verlagerung zum Flugzeug. Sie machen etwas Dauerhaftes sichtbar: Eine Lieferkette kann auf der Waage winzig wirken und beim Warenwert dennoch erheblich sein.
Quellen
- Eurostat, „EU international trade mostly by sea in 2025“, 24. September 2026.
- Eurostat, „International trade in goods – selected topics“, Datenstand August 2026.
- Eurostat, „Value of EU goods transported by sea was 47% in 2023“, 25. September 2024.
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