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Mehr tödliche Arbeitsunfälle, weniger lange Ausfälle: Das zeigt die EU-Bilanz

EU-weit stieg 2024 die Zahl tödlicher Arbeitsunfälle, während erfasste Fälle mit längerer Arbeitsunfähigkeit sanken. Was die Zahlen über Risiko und Branchen aussagen.

Von Wolfgang

26. Sep. 20263 Min. Lesezeit

Mehr tödliche Arbeitsunfälle, weniger lange Ausfälle: Das zeigt die EU-Bilanz

In Europas Arbeitswelt gingen 2024 die erfassten Unfälle mit längerer Arbeitsunfähigkeit zurück. Gleichzeitig starben mehr Menschen bei Arbeitsunfällen. Eurostat meldet für die EU 3.367 tödliche Fälle, 45 mehr als 2023. Die Zahl der nicht tödlichen Fälle sank um 43.742 auf rund 2,78 Millionen. Die beiden Bewegungen widersprechen sich nicht: Sie beschreiben unterschiedliche, eng definierte Gruppen von Unfällen. Aus ihnen allein lässt sich noch nicht ablesen, ob die Arbeit für Einzelne gefährlicher oder sicherer geworden ist.

Zwei Zähler, zwei Geschichten

Eurostat zählt einen Arbeitsunfall als tödlich, wenn die betroffene Person innerhalb eines Jahres an seinen Folgen stirbt. In der anderen Zahl stecken nicht alle kleineren Verletzungen: Als nicht tödlicher Fall erscheint ein Unfall hier erst ab mindestens vier vollen Kalendertagen Arbeitsausfall. Der Weg von zu Hause zur Arbeit gehört in der Regel nicht dazu. So grenzt Eurostat seine Statistik ab.

Die tödlichen Fälle nahmen gegenüber 2023 um 1,4 Prozent zu, die erfassten nicht tödlichen um 1,5 Prozent ab. Das ist ein ernstes Signal, aber kein Beleg dafür, dass aus weniger Unfällen häufiger tödliche werden. Dafür müsste man wissen, wie sich Tätigkeiten, Beschäftigung, Arbeitsstunden und Meldungen verändert haben. Gerade tödliche Unfälle sind im Verhältnis zur Zahl aller Beschäftigten selten; schon kleine absolute Veränderungen können die Jahresrate sichtbar bewegen.

KI-Illustration von Baustelle, Lagerhalle und Fertigungsarbeitsplatz als drei Arbeitsumgebungen
KI-generiertes Symbolbild: Baustelle, Logistik und Fertigung stehen für verschiedene Arbeitsbereiche; die Bildgrößen bilden keine Unfallstatistik ab.

Warum die Baustelle hervorsticht

Im Baugewerbe registrierte Eurostat 776 tödliche Arbeitsunfälle. Das sind 23 Prozent aller tödlichen Fälle in der EU. In Verkehr und Lagerei waren es 537, im verarbeitenden Gewerbe 466. Der Bau hatte damit die höchste absolute Fallzahl, obwohl sie gegenüber 2023 von 802 sank. Der Anstieg der EU-Gesamtzahl lässt sich also gerade nicht mit einem Anstieg im Bau erklären. Diese Aufteilung steht in der neuen Eurostat-Meldung.

Eine große Fallzahl ist allerdings noch keine Risikorangliste der Berufe. Wo viele Menschen arbeiten, können auch viele Unfälle auftreten. Für einen Vergleich muss die Zahl der Beschäftigten berücksichtigt werden. EU-weit ermittelte Eurostat 2024 1,65 tödliche Arbeitsunfälle je 100.000 Beschäftigte. Selbst solche Raten erfordern Vorsicht beim Ländervergleich: Melde- und Anerkennungssysteme unterscheiden sich, und nicht tödliche Fälle können untererfasst sein.

Was aus dem Befund folgt

Die neue Bilanz betrifft das Unfalljahr 2024 und wurde am 25. September 2026 veröffentlicht. Sie beschreibt weder die Lage im September 2026 noch einen einzelnen Betrieb. Ihr wichtigster Punkt ist dennoch klar: Der Rückgang bei den gemeldeten Unfällen mit mindestens vier Ausfalltagen ist keine Entwarnung für tödliche Risiken. Umgekehrt beweisen 45 zusätzliche Todesfälle noch keinen dauerhaften Anstieg des individuellen Risikos. Die nächste Frage für den Arbeitsschutz lautet, in welchen Tätigkeiten und unter welchen Umständen die tödlichen Ereignisse geschahen – und ob sich der Gegensatz in weiteren Jahren wiederholt.

Titelbild: KI-generiertes Symbolbild; keine Aufnahme eines konkreten Unfallorts.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.