Ein Kleinbus bringt Menschen zum Bahnhof. Wenn er anschließend steht, kann seine Batterie noch eine zweite Aufgabe übernehmen: Strom an ein lokales Energiesystem abgeben. Genau diesen Wechsel haben die Partner des Forschungsprojekts eMobiGrid in Erlangen vorgeführt. Ihr Ladecontainer verbindet Fahrzeuge, einen stationären Speicher und erneuerbare Energiequellen. Interessant ist daran die neue Rolle des Fahrzeugs: Es ist zeitweise Teil der Stromversorgung.
Bei der Abschlussveranstaltung am 29. September nahmen ein Kleinbus und ein Gabelstapler über CCS-Ladeanschlüsse Energie auf und gaben sie wieder zurück. Wie das Fraunhofer IISB am 30. September berichtet, gelangte Strom aus den Fahrzeugbatterien auch in einen stationären Speicher. Das Konsortium zeigte damit einen konkreten Energiefluss zwischen Mobilität und Infrastruktur.
Das gemeinsame Netz arbeitet mit Gleichstrom
Der Container enthält ein lokales Gleichstromnetz. Das passt zu den angeschlossenen Batterien und zur Photovoltaik: Beide arbeiten mit Gleichstrom. Das öffentliche Stromnetz dagegen liefert Wechselstrom. Werden solche Komponenten unmittelbar über ein Gleichstromsystem verbunden, können bestimmte Umwandlungen zwischen diesen beiden Stromarten entfallen. Das Fraunhofer IISB erklärt diesen Ansatz auf seiner Fachseite zu DC-Netzen. DC ist die englische Abkürzung für Gleichstrom.
Eine gemeinsame Stromart bedeutet allerdings noch keine gemeinsame Spannung. Eine Fahrzeugbatterie und ein stationärer Speicher lassen sich deshalb nicht einfach beliebig zusammenklemmen. Dazwischen arbeiten Gleichspannungswandler, sogenannte DC/DC-Wandler. Sie vermitteln zwischen den elektrischen Bedingungen der einzelnen Komponenten. Für eMobiGrid beschreibt das Institut einen isolierenden Wandler mit besonders breitem Spannungsbereich, der für Laden und Entladen ausgelegt ist.
So wird aus einer Reihe getrennter Geräte ein verbundenes System. Strom kann zum Fahrzeug fließen oder von dort zurückkommen. Die Batterie erhält damit eine zusätzliche Funktion als Zwischenspeicher. Eine Sonne, die gerade mehr Energie liefert, und ein Fahrzeug, das gerade keinen Strom zum Fahren braucht, lassen sich im lokalen Netz zusammenbringen.

Der Stecker allein entscheidet es nicht
Die Projektbeschreibung der NOW GmbH macht deutlich, weshalb die Entwicklung anspruchsvoll ist. eMobiGrid soll unterschiedliche batterieelektrische Fahrzeuge in gewerbliche oder kommunale Infrastruktur einbinden. Dafür werden Leistungselektronik, Leittechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnik miteinander verbunden. Modular aufgebaute Komponenten sollen es ermöglichen, verschiedene elektrische Anforderungen zusammenzuführen.
Das betrifft eine andere Situation als die übliche Ladesäule mit einem einzelnen Auto. In einer Flotte können Fahrzeuge sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Ein Stapler bewegt Lasten auf dem Betriebsgelände, ein Bus muss zur nächsten Fahrt bereitstehen. Soll ihre Batterie zusätzlich Strom bereitstellen, müssen Fahrzeug und Energiesystem den Energieaustausch unterstützen. Die Erlanger Vorführung belegt diese Funktion für die dort gezeigte Kombination. Sie bedeutet keine allgemeine Rückspeisefähigkeit jedes Fahrzeugs mit CCS-Buchse.
Man kann sich das an einem ausdrücklich vereinfachten Beispiel vorstellen: Ein Fahrzeug kommt mit ausreichender Ladung zurück und wird später wieder gebraucht. In der Zwischenzeit könnte es Energie für andere Verbraucher bereitstellen. Vor der nächsten Fahrt muss weiterhin genug Energie vorhanden sein. Die zusätzliche Aufgabe der Batterie verlangt deshalb eine abgestimmte Steuerung, nicht nur einen zweiten Pfeil auf dem Ladeplan.
Mobile Stromversorgung hat einen endlichen Vorrat
Die Entwickler sehen Einsatzmöglichkeiten für Betriebe, Baustellen und andere Orte mit begrenzter Netzinfrastruktur. Nach Projektangaben kann der Container auch als Inselnetz arbeiten, also unabhängig vom öffentlichen Netz. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach gehört zum System. Solche Möglichkeiten beschreiben den vorgesehenen Einsatz; eine bestimmte Versorgungsdauer hat die Abschlussmitteilung nicht ausgewiesen.
Für das Verständnis ist diese Unterscheidung entscheidend. Ein Speicher erzeugt keine zusätzliche Energie, sondern verschiebt ihre Nutzung. Was das lokale System leisten kann, hängt deshalb vom verfügbaren Vorrat, der laufenden Erzeugung und den angeschlossenen Verbrauchern ab. Der interessante Fortschritt von eMobiGrid liegt in der Verbindung: Der Strom, den ein Fahrzeug mitbringt, kann auch dort helfen, wo das Fahrzeug gerade steht.
Quellen
- Fraunhofer IISB: Projekt eMobiGrid – Flexible E-Ladeinfrastruktur als Booster für die Verkehrswende, 30.09.2026.
- Fraunhofer IISB: DC Grids, ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum, abgerufen 03.10.2026.
- NOW GmbH: eMobiGrid, Projektbeschreibung ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum, abgerufen 03.10.2026.
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