Erneuerbare Energien

E-Methan aus Spanien: STX und TURN2X melden erste zertifizierte Lieferung

STX meldet eine erste zertifizierte Lieferung aus Spanien. Wie erneuerbarer Strom zu Methan wird und warum das vorhandene Gasnetz dabei hilft.

Von Wolfgang

12. Okt. 20263 Min. Lesezeit

Symbolische Elektrolyse- und Methanisierungsanlage mit Solarfeld

STX Group und TURN2X bringen synthetisches Methan aus erneuerbarem Wasserstoff in den europäischen Markt. Der Rohstoffhändler STX meldete am 12. Oktober einen ersten Abnahmevertrag für Gas aus der spanischen TURN2X-Anlage. Die erste vollständig RFNBO-zertifizierte Lieferung habe bereits Anfang Oktober stattgefunden, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Menge, Preis und Vertragslaufzeit werden darin nicht genannt.

Die technische Idee dahinter ist leicht zu übersehen: Strom wird zunächst in Wasserstoff und anschließend in Methan verwandelt. Das Ergebnis kann dieselben Gasnetze nutzen wie Erdgas. Der Aufwand entsteht bei der Herstellung; beim Transport profitiert der Brennstoff dagegen von vorhandener Infrastruktur. Für die Energiewende ist deshalb entscheidend, woher Strom und Kohlenstoff kommen und wofür das erzeugte Gas eingesetzt wird.

Aus zwei Ausgangsstoffen wird ein vertrautes Molekül

Bei der Elektrolyse zerlegt elektrische Energie Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. TURN2X nutzt den Wasserstoff anschließend zusammen mit biogenem Kohlendioxid zur Methanherstellung. Biogen bedeutet, dass der Kohlenstoff aus einem biologischen Kreislauf stammt. Im Reaktor werden die Ausgangsstoffe chemisch neu verbunden: Es entstehen Methan und Wasser.

Das Methanmolekül unterscheidet sich chemisch nicht danach, ob sein Kohlenstoff aus einer unterirdischen Lagerstätte oder aus diesem Herstellungsprozess kommt. Für eine Gasleitung bleibt es Methan. Seine Klimabilanz hängt jedoch von der gesamten Kette ab. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer technischen Austauschbarkeit und einer erneuerbaren Herkunft.

Erneuerbarer Strom erzeugt durch Elektrolyse Wasserstoff, der mit biogenem CO2 im Methanisierungsreaktor zu E-Methan für das Gasnetz verarbeitet wird
Die Herstellung verbindet Elektrolyse und Methanisierung. Das fertige Molekül kann vorhandene Gasinfrastruktur nutzen. Schematische Darstellung. (Quelle: KI generiert)

E-Methan ist dabei von E-Methanol zu unterscheiden. Trotz der ähnlich klingenden Namen sind es verschiedene chemische Stoffe. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas; Methanol ist ein Alkohol. Der neue Vertrag betrifft ausdrücklich Methan. Für Leser, die Meldungen über synthetische Kraftstoffe verfolgen, macht diese Unterscheidung den vorgesehenen Transportweg verständlicher.

Die Zertifizierung beginnt beim Strom

RFNBO steht für erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs. Dass im Reaktor biogenes CO2 verwendet wird, widerspricht dieser Einordnung nicht: Die Energie des Kraftstoffs stammt wesentlich aus dem erneuerbar erzeugten Wasserstoff.

Die Europäische Kommission beschreibt dafür Anforderungen an zusätzlichen erneuerbaren Strom sowie die zeitliche und räumliche Verbindung zwischen Stromerzeugung und Wasserstoffproduktion. Für den Hochlauf gelten Übergangsregeln. Außerdem wird die Treibhausgasbilanz über den Lebenszyklus betrachtet, einschließlich Herstellung und Transport.

Ein grüner Name auf dem Endprodukt ersetzt diese Kette nicht. Würde eine Elektrolyse zusätzlichen fossilen Strombedarf auslösen, veränderte das die Bilanz des daraus hergestellten Gases. Die Stromherkunft ist deshalb eine technische und regulatorische Voraussetzung des Produkts. Die gemeldete Zertifizierung der konkreten Lieferung ist eine Angabe von STX; die Mitteilung nennt keine Zertifizierungsstelle.

Die Anlage ist älter als der neue Vertrag

TURN2X beschreibt seine Anlage in Miajadas als seit 2024 eröffneten kommerziellen Standort mit einem Megawatt Elektrolyseleistung. Diese Leistungsangabe bezeichnet die Elektrolyse, keine jährlich verkaufte Gasmenge. Eine Produktionsleistung und ein Liefervertrag beantworten unterschiedliche Fragen: Die eine beschreibt die Technik, der andere den Absatz.

STX übernimmt in der Kooperation den Marktzugang für das Gas. Als mögliche Einsatzfelder nennt das Unternehmen Schifffahrt, Fernverkehr, energieintensive Industrie und steuerbare Stromerzeugung. Das sind vorgesehene Märkte, keine in der Mitteilung ausgewiesenen Einzelabnehmer.

TURN2X stellt einen Ausbau auf mehr als eine Terawattstunde in den kommenden Jahren in Aussicht. Für die heutige Einordnung zählt zunächst die gemeldete Lieferung aus der bestehenden Anlage. Der nächste konkrete Schritt wäre, den Absatz zu vergrößern und weitere Projekte umzusetzen. Das vertraute Gasnetz erleichtert den Weg zu Kunden; die erneuerbare Herstellung muss dafür im selben Maß mitwachsen.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.