Viele KI-Aufgaben sind klein, kommen aber tausendfach vor: eine Kundenanfrage zuordnen, einen Absatz zusammenfassen oder einen Wert aus einem Dokument holen. Für solche Arbeit hat Anthropic am 7. Oktober Claude Haiku 5.5 vorgestellt. Auffällig ist vor allem der Preis. Bei Anfragen mit höchstens 100.000 Eingabetokens kostet eine Million Eingabetokens 0,10 US-Dollar, eine Million Ausgabetokens 0,50 US-Dollar. Beim Vorgänger Haiku 4.5 waren es ein beziehungsweise fünf Dollar.
Damit sinken diese beiden Tarife um 90 Prozent. Der Unterschied kann eine automatisierte Anwendung verändern, die häufig dieselbe begrenzte Aufgabe erledigt. Entscheidend bleibt allerdings, wie viel Arbeit eine Anfrage tatsächlich auslöst und ob ihr Ergebnis verwendbar ist. Ein niedriger Tokenpreis allein beschreibt noch keine günstig erledigte Aufgabe.
Zwei Preisstufen statt einer pauschalen Ersparnis
Tokens sind die Textbausteine, mit denen ein Sprachmodell arbeitet. Abgerechnet werden Eingabe und erzeugte Ausgabe getrennt. Ein langes Dokument kostet deshalb bereits beim Einlesen; eine ausführliche Antwort fügt weitere Kosten hinzu. Die Länge des Ausgangstextes und die gewünschte Antwortlänge sind zwei verschiedene Stellschrauben.
Bei Haiku 5.5 kommt eine wichtige Grenze hinzu: Für Prompts über 100.000 Tokens nennt Anthropic 0,50 Dollar pro Million Eingabetokens und 2,50 Dollar pro Million Ausgabetokens. Gegenüber den genannten Tarifen von Haiku 4.5 beträgt die Senkung hier 50 Prozent. Wer viele Dokumente gleichzeitig übergibt, sollte deshalb zuerst die Größe seiner tatsächlichen Anfragen prüfen.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Angenommen, eine Anwendung verarbeitet 1.000 Anfragen mit jeweils 1.000 Eingabetokens und 200 Ausgabetokens. Das sind insgesamt eine Million Eingabetokens und 200.000 Ausgabetokens. Mit der niedrigeren Haiku-5.5-Preisstufe ergeben sich 0,10 Dollar für die Eingaben und weitere 0,10 Dollar für die Ausgaben: zusammen 0,20 Dollar. Bei Haiku 4.5 wären es nach den veröffentlichten Tarifen zwei Dollar.

Diese Rechnung enthält weder Cache-Nutzung noch weitere Dienste oder Wiederholungen nach fehlerhaften Antworten. Sie setzt außerdem gleiche Tokenmengen voraus. Anthropic hat den Tokenizer geändert, also die Zerlegung des Textes. Laut Anbieter benötigt Haiku 5.5 dadurch etwas mehr Tokens pro Aufgabe. Die von Anthropic genannte durchschnittliche Kostensenkung von etwa 75 Prozent ist deshalb eine andere Aussage als die Senkung einzelner Tabellenpreise.
Die kleine Aufgabe muss klar genug sein
Anthropic positioniert das Modell für schnelle, wiederkehrende Arbeit, darunter Zusammenfassungen und Klassifikation. Wie das praktisch aussehen könnte, lässt sich an einer Anfrage-Mail erklären: Ein erster Schritt ordnet sie einem Themenbereich zu, ein zweiter zieht die Auftragsnummer heraus. Das Ergebnis ist klein und lässt sich an vorhandenen Daten prüfen. Ein größerer Agent könnte diese Vorarbeit übernehmen lassen, während er selbst die nächste Handlung plant.
Die Aufteilung verlangt saubere Schnittstellen. Wird eine Auftragsnummer als Text erwartet, sollte die Anwendung auch eine fehlende Nummer erkennen können. Eine flüssig formulierte Antwort hilft wenig, wenn am Ende das falsche Ticket geöffnet wird. Für einen Modellwechsel sind deshalb Beispiele aus dem eigenen Betrieb aufschlussreicher als die bloße Zahl auf einer allgemeinen Rangliste.
Neu in der Haiku-Reihe ist ein einstellbarer Rechenaufwand. Damit lässt sich laut Anthropic zwischen Aufwand und Leistungsfähigkeit abwägen. Für die Kostenplanung ergibt sich daraus eine zusätzliche Variable: Neben dem Modell und der Tokenmenge zählt, wie viel interne Arbeit eine Anfrage erhält. Einfache und schwierige Fälle können unterschiedliche Einstellungen benötigen.
Verfügbar für Anwendungen, komplexes Coding bleibt eine andere Aufgabe
Haiku 5.5 ist nach der Ankündigung auf der Claude Platform sowie über AWS, Google Cloud und Microsoft Azure verfügbar. Die Modellkennung auf der Claude Platform lautet claude-haiku-5-5. Anthropic empfiehlt seine größeren Modelle Sonnet und Opus weiterhin für komplexe mehrstufige Programmieraufgaben.
Für Entwickler liegt der interessanteste Einsatz damit in gut begrenzten Schritten. Wer viele kurze Antworten benötigt, bekommt neue Tarife und einen zusätzlichen Regler für den Aufwand. Ob sich der Wechsel lohnt, zeigt ein Vergleich mit den eigenen typischen Eingaben: gleiche Aufgabe, kontrolliertes Ergebnis und die Kosten bis zur brauchbaren Antwort.
Quellen
Anthropic: Claude Haiku 5.5, 7. Oktober 2026.
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.