Erneuerbare Energien

Cerignola: Warum ein Batteriespeicher 15 Jahre Erlössicherheit braucht

97 MW und 828 MWh beschreiben die Technik. Der MACSE-Vertrag erklärt, wie langfristige Zahlungen den Bau ermöglichen und Risiken verschieben.

Von Wolfgang

08. Okt. 20266 Min. Lesezeit

Symbolischer Batteriespeicherpark mit Transformatoren in sonniger Landschaft

Ein großer Batteriespeicher verkauft zwei Dinge: Strom zu einem passenden Zeitpunkt und die Zusage, für diesen Zeitpunkt bereit zu sein. Das zweite Produkt fällt beim Blick auf Container und Megawatt leicht unter den Tisch. Beim Projekt Cerignola in Süditalien gehört es jedoch zum wirtschaftlichen Kern. Betreiber BW ESS nennt einen Vertrag, der über 15 Jahre Zahlungen von Terna vorsieht. Diese Zeitspanne verbindet eine technische Anlage mit einem planbaren Geschäftsmodell.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Warum reicht es für eine Batterie nicht, mittags günstig zu laden und abends teurer zu verkaufen? Die Antwort steckt im Unterschied zwischen einem möglichen Tagesgewinn und einer Investition, die gebaut, finanziert und viele Jahre betrieben werden muss. Langfristige Beschaffung kann einen Teil dieser Unsicherheit abnehmen. Im Gegenzug verpflichtet sich der Betreiber, eine bestimmte Leistung für das Stromsystem verfügbar zu machen.

828 Megawattstunden erzählen eine andere Geschichte als 97 Megawatt

Auf seiner italienischen Projektseite führt BW ESS Cerignola mit 97 MW Leistung und 828 MWh Energie. Der Speicher befindet sich demnach im Bau; die Inbetriebnahme ist für 2028 vorgesehen. Die Leistung beschreibt, wie schnell Energie bewegt werden kann. Die Energieangabe beschreibt den Vorrat, aus dem sich diese Bewegung speist.

Eine eigene Rechnung macht das Verhältnis anschaulich: 828 MWh geteilt durch 97 MW ergeben rund 8,5 Stunden. Das ist eine nominelle Größenrelation. Wie lange die Anlage tatsächlich mit einer bestimmten Leistung abgibt, hängt unter anderem vom nutzbaren Ladebereich, von Betriebsreserven und Verlusten ab. Trotzdem zeigt die Rechnung, welches technische Verhältnis geplant ist: ein großer Energievorrat im Verhältnis zur maximalen Leistung.

Damit verändert sich die Aufgabe gegenüber einem Speicher, der vor allem sehr kurze Leistungsspitzen abfängt. Ein umfangreicher Vorrat kann Energie über längere Teile eines Tages verschieben. Wenn eine Batterie zu Beginn eines Abendfensters bereits fast leer ist, hilft ihre hohe Anschlussleistung allein wenig. Für die Planung zählen deshalb Leistung, Energie und der erwartete zeitliche Einsatz zusammen.

Schematischer Energiefluss von Solarstrom am Tag über einen Batteriespeicher zum Verbrauch am Abend
Ein Speicher verschiebt Energie zwischen Erzeugung und Verbrauch; die Darstellung zeigt keine Betriebsdaten von Cerignola. (Quelle: KI generiert)

Der Vertrag bezahlt eine Verpflichtung über viele Jahre

Cerignola gehört nach Angaben von BW ESS zum italienischen Beschaffungsmechanismus MACSE. Das Unternehmen nennt einen Zuschlag im Oktober 2025 und 15 Jahre vertragliche Zahlungsströme. Wie die einzelnen Zahlungen dieses Projekts berechnet werden, veröffentlicht die Projektseite nicht. Die allgemeinen Verpflichtungen erklärt dagegen Netzbetreiber Terna: erfolgreiche Anbieter müssen die Anlage bauen, Speicherkapazität für den Markt bereitstellen und sie im Markt für Dispatchingdienste anbieten.

Dispatching bedeutet hier die laufende Abstimmung von Erzeugung, Verbrauch und verfügbaren Anlagen. Das Stromsystem braucht nicht nur eine jährliche Energiemenge, sondern passende Leistungen zu passenden Zeiten. Eine Batterie ist dafür interessant, weil ihr Ladezustand bewusst verändert werden kann. Diese Flexibilität bekommt aber erst einen verlässlichen Wert, wenn sie auch dann verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird.

Terna beschreibt als Gegenleistung eine feste jährliche Prämie nach dem Auktionsangebot. Für Batterien laufen die Verträge 15 Jahre. Aus Sicht eines Projektentwicklers ist das ein anderer Ausgangspunkt als ein Geschäftsplan, dessen Erlöse vollständig von künftigen Preisabständen abhängen. Die planbare Zahlung kann in die Kalkulation eingehen, bevor die Anlage ihren ersten Strom verkauft.

Warum die beste Handelsstunde keine Finanzierung ersetzt

Stellen wir uns vereinfacht zwei ansonsten ähnliche Speicher vor. Der erste erwartet Einnahmen ausschließlich aus dem Kauf und Verkauf von Strom. Er kann in einer Woche sehr gute Geschäfte machen. Für seine langfristige Planung muss er jedoch abschätzen, wie oft solche Gelegenheiten wiederkehren und welche Konkurrenz bis dahin hinzukommt. Der zweite erhält für vertraglich definierte Leistungen einen kalkulierbaren Zahlungsstrom. Er tauscht einen Teil der Marktchance gegen Verpflichtungen und mehr Planbarkeit.

Dieser Unterschied betrifft die Verteilung von Risiko. Wer Fremdkapital bereitstellt, interessiert sich dafür, welche Einnahmen auch in ungünstigen Marktphasen zur Verfügung stehen. Ein vertraglicher Erlösbaustein kann diese Frage leichter beantwortbar machen. Wie stark er Finanzierungskosten im konkreten Fall senkt, hängt von Vertrag, Bonität, Sicherheiten und Projekt ab. Für Cerignola sind solche Konditionen öffentlich nicht ausgewiesen.

Der physische Speicher bleibt dabei derselbe Typ Anlage: Er muss Strom aufnehmen, später abgeben und seine zugesagten Eigenschaften halten. Eine langfristige Prämie ersetzt weder den Netzanschluss noch die Wartung. Sie verändert vielmehr, wer welches wirtschaftliche Risiko übernimmt und auf welcher Grundlage gebaut werden kann.

Ein niedriger Auktionspreis ist noch kein günstiger Speicherbetrieb

Die erste MACSE-Auktion vom 30. September 2025 beschaffte insgesamt 10 GWh. Terna meldete einen gewichteten Zuschlagspreis von 12.959 Euro je MWh und Jahr, deutlich unter der Reserveprämie von 37.000 Euro. Das sind Werte für die Auktion insgesamt. Sie sollten beim Lesen nicht als veröffentlichter Vertragspreis von Cerignola behandelt werden.

Auch die Einheit verdient Aufmerksamkeit. Euro je MWh und Jahr beschreiben hier eine jährliche Vergütung bezogen auf Speicherkapazität. Ein Strompreis in Euro je MWh bezieht sich dagegen auf gehandelte Energie. Wer beide Werte direkt vergleicht, vermischt die Bereitstellung eines Vorrats mit der einmaligen Lieferung von Strom.

Eine niedrig angebotene Prämie kann außerdem anspruchsvolle Ausführung verlangen. Kosten für Bau, Technik und Betrieb müssen zu den erwarteten Erlösen passen. Wird eine Anlage später als vorgesehen fertig oder erreicht sie ihre vertraglichen Eigenschaften nicht zuverlässig, wird die Kalkulation schwieriger. Der lange Vertrag vermindert Unsicherheit auf der Erlösseite; er verlängert zugleich den Zeitraum, in dem die technische Verpflichtung erfüllt werden muss.

Alterung wird Teil des Geschäftsmodells

Batterien behalten ihre anfänglichen Eigenschaften nicht unverändert. Nutzung, Temperaturen und Ladezustände beeinflussen ihre Entwicklung über die Zeit. Für eine Stundenbatterie wird deshalb wichtig, wie viel Energie nach mehreren Betriebsjahren noch bereitsteht. Wartung, Reserven und gegebenenfalls der Austausch von Komponenten gehören zur langfristigen Planung.

Auch die Fahrweise hat Folgen. Ein Betreiber kann nicht unabhängig voneinander maximale Handelsaktivität und maximale Schonung wählen. Häufige oder anspruchsvolle Einsätze nutzen dieselben Komponenten, deren Verfügbarkeit langfristig zugesagt wurde. Die technische Steuerung muss daher wirtschaftliche Möglichkeiten mit den Lebensdauerkosten verbinden. Genau hier wird aus einem Containerpark ein dauerhaftes Betriebssystem für Flexibilität.

Für europäische Speicherprojekte liefert Cerignola damit eine konkrete Frage statt einer universellen Vorlage: Welche Eigenschaften braucht das Netz, und welcher Vertrag macht ihre Bereitstellung über Jahre tragfähig? Ein anderes Stromsystem kann andere Zeitfenster, Standorte und Risiken haben. Der Zusammenhang bleibt: Die Größe einer Batterie erklärt ihren möglichen Einsatz. Erst die Verbindung von Technik, Verpflichtungen und Erlösen erklärt, warum sie gebaut wird.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.