Automobil

BMW baut Gen6-Batterien in China: Was direkt im Pack steckt

BMW hat die Serienproduktion seiner neuen Hochvoltbatterien in Shenyang aufgenommen. Der Standort zeigt, wie Zellform, Montage und Fahrzeugbau bei der Neuen Klasse zusammenrücken.

Von Wolfgang

16. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Ein offener schematischer Elektroauto-Batteriepack mit großen Rundzellen in einer modernen Fertigungshalle.

Die neue Batterie eines Elektroautos entsteht nicht in einem einzigen Arbeitsschritt. Einzelne Zellen müssen elektrisch verbunden, gekühlt, mechanisch gehalten und zuverlässig überwacht werden. BMW bringt diese Aufgaben nun an einem weiteren Standort zusammen: In Shenyang läuft nach Unternehmensangaben vom 15. Oktober die Serienmontage der Gen6-Hochvoltbatterien. Die Packs sollen die künftig vor Ort gebauten Modelle der Neuen Klasse versorgen.

Für die industrielle Umsetzung ist die Nähe zum Fahrzeugwerk entscheidend. Eine fertige Hochvoltbatterie ist groß, schwer und ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Ihre Produktion muss zum Takt und zur Ausführung der Fahrzeuge passen. Wenn beide Werke nahe beieinander liegen, lässt sich diese Abstimmung räumlich enger organisieren. BMW setzt dafür auf ein weltweites Netz regionaler Batteriemontagen.

Zwei Batterieaufbauten: Zellen in Modulen und Zellen direkt im Gehäuse.
Schematische Darstellung: Zwei Batterieaufbauten: Zellen in Modulen und Zellen direkt im Gehäuse. (Quelle: KI generiert)

Die Modulebene fällt weg

Im neuen Aufbau sitzen Rundzellen direkt im Batteriegehäuse. Das als Cell-to-Pack bezeichnete Prinzip spart die bisherige Zwischenstufe aus separaten Modulen. Man kann sich den Unterschied wie bei einer Schublade vorstellen: Werden kleine Gegenstände erst in mehrere stabile Kästen gelegt und diese anschließend eingeräumt, kostet jede zusätzliche Wand Platz. Werden die Gegenstände unmittelbar in der Schublade gehalten, lässt sich der Innenraum anders aufteilen.

Bei einer Batterie übernimmt dieser Aufbau allerdings mehr als eine Ordnungsaufgabe. Die Zellen brauchen elektrische Verbindungen und definierte Wärmewege. Ihre Halterung muss auch unter Bewegung funktionieren. Mit dem Wegfall einer Bauebene wandern Aufgaben deshalb in das Zusammenspiel von Zellverbund, Gehäuse und Kühlung. Die Konstruktion eines Packs verändert sich stärker, als es die neue Zellform allein erkennen lässt.

BMW hatte die Rundzellen der sechsten Generation bereits 2022 beschrieben: mit 46 Millimetern Durchmesser und zwei Höhen von 95 beziehungsweise 120 Millimetern. Diese historische Ankündigung hilft, den heutigen Schritt einzuordnen. Neu ist jetzt der weitere Serienstandort, an dem aus der entwickelten Technik wiederholbar fertige Hochvoltbatterien werden.

Jede Verbindung gehört zur Batterie

In Shenyang folgt auf die Prüfung der angelieferten Zellen ein mehrstufiger Montageablauf. Zellen und Kühler werden zu Verbünden zusammengefügt, Kontaktflächen vorbereitet und elektrische Verbindungen geschweißt. Danach werden die Bauteile mechanisch fixiert und das Gehäuse geschlossen. Eine zentrale Steuereinheit und die abschließende Prüfung vervollständigen den Pack.

Gerade die vielen Kontaktstellen machen deutlich, warum ein Batteriewerk mehr benötigt als eine schnelle Montagelinie. Strom muss durch die vorgesehenen Verbindungen fließen, Wärme über die vorgesehenen Wege abgeführt werden. Ein Fehler an einer Verbindung betrifft damit eine Funktion des Gesamtsystems. Die Fertigung muss solche Abweichungen erkennen und einem Bauteil zuordnen können.

Hier greifen Produktion und Software ineinander. Das Batteriemanagement beobachtet später unter anderem Betriebszustände des Speichers. Die Qualitätssicherung prüft zuvor, ob der hergestellte Aufbau seinen Anforderungen entspricht. Beide Aufgaben ergänzen sich: Laufende Überwachung im Auto und Kontrolle bei der Herstellung beantworten unterschiedliche Fragen.

Für eine einzelne Zelle ist die unmittelbare Umgebung besonders wichtig. Wo ihre Wärme entsteht und wie der Kühler sie abführt, muss zur vorgesehenen Belastung passen. Ein mechanisch dichter Aufbau und eine gute Kühlung sind deshalb gemeinsam zu entwickeln. Das erklärt, warum sich die Konstruktion nicht auf die Frage reduzieren lässt, wie viele Zellen ohne Zwischenwände in ein Gehäuse passen.

Eine Zellzahl ist noch keine Fahrstrecke

BMW verbindet die Gen6-Technik mit Leistungsversprechen gegenüber der vorherigen Generation. Für Autofahrer ist dabei die Ebene des Vergleichs wichtig. Eine höhere Energiedichte der Zelle beschreibt zunächst, wie viel Energie in einem bestimmten Zellvolumen Platz findet. Die Reichweite eines Autos hängt zusätzlich davon ab, wie viel davon das Fahrzeug mitnimmt und wie viel Energie es beim Fahren benötigt.

Auch die Ladezeit entsteht im Zusammenspiel von Batterie, Temperaturführung und Ladequelle. Deshalb lässt sich eine Verbesserung an der Zelle nicht unverändert auf jede Fahrt oder jeden Ladevorgang übertragen. Der konkrete Fahrzeugvergleich bleibt die sinnvollere Größe für eine Kaufentscheidung.

Mit Shenyang erweitert BMW die Fertigung einer bereits entwickelten Architektur. Der Schritt ist für den Hochlauf wichtig, weil eine Batterieidee erst über beherrschte Montageprozesse in vielen Fahrzeugen ankommt. Die neue Zellform und die vielen unscheinbaren Verbindungen müssen dafür dieselbe Geschichte erzählen: aus einem technischen Entwurf ein verlässlich herstellbares Bauteil machen.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.