Technik

Eine Biobatterie nach dem Vorbild des Darms: Mehr Platz für Bakterien

Eine Forschungsgruppe formt die Elektrode einer Biobatterie wie winzige Darmzotten. Der Aufbau soll Bakterien zugleich viel Oberfläche und kurze Wege für ihre Versorgung bieten.

Von Wolfgang

16. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Makroansicht weicher hydrogelartiger fingerförmiger Elektroden in einer flachen Laborzelle mit Flüssigkeit.

Wer eine Batterie verbessern möchte, denkt meist an neue chemische Materialien. Ein Team der Binghamton University beginnt bei einer anderen Frage: Wie muss die Umgebung aussehen, damit lebende Bakterien darin gut arbeiten können? Die Gruppe hat eine weiche, räumlich strukturierte Elektrode entwickelt, deren Ausstülpungen an Darmzotten erinnern. Die Universität beschreibt den Ansatz am 15. Oktober.

Die Form ist keine bloße biologische Verzierung. Viele kleine Vorsprünge schaffen Oberfläche, ohne dass das gesamte Bauteil riesig werden muss. Gleichzeitig bleiben die Wege zwischen Umgebung und den darin angesiedelten Bakterien kurz. Genau dieses Zusammenspiel macht die Architektur für eine mikrobielle Stromquelle interessant.

Eine Stromquelle braucht Nachschub

In einer mikrobiellen Brennstoffzelle nutzen Bakterien chemische Energie aus ihrer Umgebung. Die elektrische Anordnung macht einen Teil dieses Vorgangs als Strom nutzbar. Anders als bei einer vorgeladenen Alltagsbatterie gehört die Versorgung der lebenden Zellen damit zur Betriebsaufgabe. Nährstoffe müssen ankommen, Stoffwechselprodukte wieder abgeführt werden.

Eine größere Oberfläche kann mehr Kontakt ermöglichen. Sie hilft aber nur, wenn die zusätzlichen Bereiche tatsächlich erreichbar bleiben. Ein dicht gewachsener Biofilm oder verstopfte Poren können die Versorgung behindern. Mehr Material im selben Volumen bedeutet dann nicht automatisch mehr nutzbare Aktivität.

Das lässt sich mit einem dicht bepflanzten Beet vergleichen. Eine zweite Schicht Pflanzen schafft wenig zusätzlichen Ertrag, wenn Wasser und Licht nur die erste erreichen. Bei der Biobatterie geht es statt um Sonnenlicht um Stofftransport und elektrische Kontaktmöglichkeiten. Der räumliche Aufbau soll diese Aufgaben zusammenbringen.

Flache und zottenförmige Elektrode mit eingezeichnetem Nährstofftransport.
Schematische Darstellung: Flache und zottenförmige Elektrode mit eingezeichnetem Nährstofftransport. (Quelle: KI generiert)

Weiches Hydrogel statt flacher Fläche

Das Binghamton-Team setzt auf ein flexibles Hydrogel mit fingerartigen Ausstülpungen und sporenbildenden Bakterien der Art Bacillus subtilis. Die Struktur bildet die Anode. Eine Membran trennt sie von der Gegenelektrode. Der Forschungsansatz verbindet damit ein lebendes System mit einer gezielt geformten elektrischen Umgebung.

Das Vorbild aus dem Darm liefert vor allem eine geometrische Idee: Viele kleine Vorsprünge vergrößern die verfügbare Grenzfläche. Die Forscher bauen damit kein vollständiges Stück Darm nach. Entscheidend ist, dass ein grundlegendes Versorgungsproblem durch die Form des Materials bearbeitet wird.

Für solche Bauteile zählt außerdem, wie sie sich in eine Anwendung einfügen lassen. Eine weiche Struktur kann sich anders an eine gekrümmte Oberfläche anpassen als eine starre Platte. Diese Anpassungsfähigkeit und die räumliche Oberfläche sind miteinander verbunden, stellen aber unterschiedliche Anforderungen an die Herstellung.

Auch der Abstand innerhalb einer Struktur verändert den Betrieb. Stoffe gelangen nicht überall gleichzeitig hin. Je länger ihr Weg zu einem aktiven Bereich ist, desto eher kann die dortige Versorgung hinter dem Bedarf zurückbleiben. Eine gegliederte Oberfläche schafft deshalb nicht nur zusätzliche Fläche; sie soll diese Fläche zugleich in erreichbare Nähe zur Umgebung bringen.

0,75 Volt erzählen nur einen Teil

Bei kontinuierlicher Nährstoffzufuhr hielt der Versuchsaufbau laut Universität etwa 0,75 Volt für mindestens 14 Stunden. Diese beiden Größen beschreiben Spannung und beobachtete Betriebsdauer unter den genannten Bedingungen. Wer daraus eine Stromversorgung beurteilen möchte, braucht zusätzlich den abgegebenen Strom und die angeschlossene Last.

Spannung allein ist ungefähr so aussagekräftig wie der Wasserdruck ohne die Information, wie viel Wasser durch eine Leitung fließt. Elektrische Leistung ergibt sich aus Spannung und Stromstärke. Eine kleine Spannung kann bei passendem Strom nützlich sein; eine gemessene Spannung verrät für sich genommen noch nicht, welche Geräte dauerhaft versorgt werden können.

Darum richtet sich der Forschungsblick auf kleine Verbraucher und mögliche Sensoranwendungen. Bei einem Sensor an einem schwer erreichbaren Ort kann schon eine bescheidene, kontinuierlich verfügbare Energiequelle interessant sein. Ihre Leistung muss dann zur Messaufgabe und zum Zeitplan des Geräts passen.

Als mögliche spätere Umgebung nennt die Gruppe Abwasserleitungen. Dort könnten organische Bestandteile als Nährstoffquelle dienen. Zugleich würde ein solcher Einsatz neue Aufgaben stellen: wechselnde Zusammensetzung, Ablagerungen und die langfristige Stabilität des lebenden Aufbaus. Der heutige Versuch führt zunächst vor, weshalb die Gestalt einer Elektrode bei dieser Arbeit ebenso wichtig werden kann wie ihr Material.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.