Erneuerbare Energien

Batteriespeicher machen teuren Strom billiger – und billigen teurer

Speicher dämpfen teure Börsenstunden und heben günstige an. Der neue Fraunhofer-Simulator erklärt den Mechanismus – und seine Grenzen für die Stromrechnung.

Von Wolfgang

02. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Generische Batteriecontaineranlage vor einem Solarpark zwischen warmem und kühlem Licht.

Ein Batteriespeicher kauft Strom, wenn er günstig ist, und verkauft ihn später teurer. Sobald viele Speicher das tun, verändern sie jedoch die Preise, von denen sie leben: Die günstigen Stunden werden teurer, die teuren billiger. Ein neuer Preissimulator des Fraunhofer ISE, veröffentlicht am 1. Oktober, macht diesen Zusammenhang mit vergangenen Strombörsenauktionen sichtbar. Sein Nutzen liegt darin, Preisglättung verständlich zu machen – eine pauschale Senkung der Stromrechnung lässt sich daraus nicht ablesen.

Die Batterie wechselt die Seite

Am Strommarkt zählt nicht nur, wie viel Energie vorhanden ist, sondern auch, wann sie angeboten oder nachgefragt wird. Die Bundesnetzagentur erklärt die Börsenpreisbildung als Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Wird ein teureres Kraftwerk noch gebraucht, kann dessen Angebot den Preis mitbestimmen. Zusätzliche Nachfrage oder zusätzliches Angebot verändert diese Situation.

Eine ladende Batterie steht auf der Käuferseite. Bei reichlichem Solarstrom nimmt sie zusätzliche Energie ab und kann den Preis dadurch anheben. Beim Entladen wechselt sie auf die Verkäuferseite: Sie liefert Strom, wenn andere ihn brauchen, und kann eine Preisspitze drücken. Das ist der interessante Tausch. Der Speicher produziert keine neue Energie; er bringt vorhandene Energie zu einem anderen Zeitpunkt auf den Markt.

Beim Laden erhöht eine Batterie die Nachfrage, beim Entladen das Angebot. Der simulierte mittlere Tagespreisabstand 2025 sinkt von 130 auf 78 beziehungsweise 53 Euro pro Megawattstunde mit 5 beziehungsweise 20 Gigawatt zusätzlicher Day-Ahead-Leistung.
Preisglättung wirkt in beide Richtungen. Zahlen: Modell für 2025, zwei Stunden Speicherdauer, mit Kraftwerks-Blockgeboten und ohne Reaktion des Auslandshandels. Grafik: TechZeitGeist; Grundlage: Fraunhofer ISE, Auswertung vom 21. September 2026.

Weniger Abstand heißt nicht überall billiger

In der veröffentlichten Auswertung für 2025 beträgt der mittlere Abstand zwischen teuerster und billigster Viertelstunde eines Tages rund 130 Euro pro Megawattstunde. Mit zusätzlicher Batterieleistung von 5 Gigawatt am Day-Ahead-Markt sinkt er rechnerisch auf 78 Euro, mit 20 Gigawatt auf 53 Euro. Die Rechnung gilt für Deutschland und Luxemburg, zwei Stunden Speicherdauer und ein Szenario, das mehrstündige Kraftwerksgebote neu bewertet, aber den Auslandshandel nicht auf die Preisänderungen reagieren lässt.

Auch die Tageszeiten zeigen den Unterschied: Mit 5 Gigawatt steigt der durchschnittliche Preis zwischen 12 und 14 Uhr von rund 48 auf 58 Euro pro Megawattstunde. Zwischen 18 und 20 Uhr sinkt er von rund 130 auf 117 Euro. Beide Bewegungen gehören zur selben Speicherwirkung. Wer gerade mittags Strom kauft, sieht in diesem Vergleich einen höheren Preis; wer abends kauft, einen niedrigeren. Der kleinere Tagesabstand ist deshalb keine Aussage darüber, um wie viel der Jahresdurchschnitt oder ein bestimmter Haushaltstarif sinkt.

Installierte Leistung ist nicht gleich Handelsleistung

Die große Zahl auf einem Batteriepark sagt noch nicht, mit welcher Leistung er in dieser Auktion handelt. Der ISEA Battery Revenue Index der RWTH Aachen betrachtet verschiedene Vermarktungswege und deren Kombination: Speicher können neben Börsenhandel auch Leistungen zur Netzregelung anbieten. Diese Einordnung bestätigt nicht die Fraunhofer-Zahlen, zeigt aber, warum der einzelne Markt nur einen Ausschnitt erfasst.

Die Methodik des Simulators trennt daher Flottenleistung und Anteil am Day-Ahead-Markt, also dem Handel für den Folgetag. Entscheidend ist deren Produkt. Ein eigenes Rechenbeispiel: Werden von 5 Gigawatt nur 20 Prozent dort eingesetzt, wirken in dieser Modellstufe 1 Gigawatt. Die oben genannten 5 und 20 Gigawatt sind als Leistung in diesem Marktvergleich zu lesen; sie lassen sich nicht ohne die Marktaufteilung auf einen künftigen Anlagenbestand übertragen.

Was die Rückrechnung voraussetzt

Der Simulator kennt die Auktionen einer ganzen Woche im Voraus. Reale Betreiber müssen dagegen mit Prognosen planen. Außerdem setzt das Modell einen Wirkungsgrad von 86 Prozent und feste Alterungskosten an. Die Batterie gibt also weniger Energie zurück, als sie aufgenommen hat. Andere Marktteilnehmer ändern ihre Gebote nicht grundsätzlich; Blockgebote und, in entsprechenden Szenarien, der Austausch mit Nachbarländern werden gesondert berücksichtigt. Ein dauerhaft veränderter Kraftwerkspark entsteht in dieser Rückrechnung nicht.

Damit lässt sich untersuchen, wie zusätzliche Speicher die damaligen Gebote und Preise verändert hätten. Ob ein konkreter Netzengpass verschwindet, welche Emissionen vermieden werden oder ob ein Projekt wirtschaftlich läuft, beantwortet das Werkzeug nicht. Die Entwicklung wurde nach Angaben des ISE von mehreren Speicher- und Energieunternehmen sowie dem Bundesverband Neue Energiewirtschaft finanziell unterstützt.

Der Weg zur Stromrechnung bleibt ein eigener

Für Haushalte kommt noch ein weiterer Schritt hinzu. Laut SMARD kaufen Lieferanten Strom auch über längerfristige Verträge. Eine einzelne günstige Viertelstunde schlägt dadurch nicht unmittelbar auf jeden Tarif durch. Zur Beschaffung kommen Vertrieb und Marge, Netzentgelte, Messkosten, Steuern und Umlagen. Bei dynamischen Tarifen ist die Verbindung zum Day-Ahead-Preis direkter, die weiteren Bestandteile bleiben trotzdem relevant.

Die sinnvolle Erwartung an Speicher lautet daher: Energie aus günstigen Zeiten kann teure Zeiten entlasten. Dass dabei günstiger Strom etwas teurer wird, ist kein Widerspruch, sondern die andere Hälfte dieses Mechanismus. Wer die Wirkung beurteilen will, muss beide Seiten und den Zeitpunkt des Verbrauchs zusammen betrachten.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.