
Die jungen Bäume standen nicht in ordentlichen Reihen. Von Hand gepflanzt, verteilten sie sich so auf der Fläche, dass der ursprüngliche Pflegeplan schwierig wurde: zwischen ihnen mähen und die schneller wachsenden Pflanzen kurz halten. Also kehrten die Jugendlichen in ihren Wald zurück. Unter Anleitung des kommunalen Umweltbetriebs traten sie hohes Gras rund um die Setzlinge gezielt nieder. Der Hiddenhausener Schulklimawald brauchte nach der Pflanzaktion weitere Arbeit – und bot gerade dadurch neuen Unterrichtsstoff.
Am Schweichelner Waldrand entsteht seit Ende Januar und Anfang Februar 2024 ein Wald der Olof-Palme-Gesamtschule. Nach aktuellen Projektangaben wurden dort mehr als 5.000 Bäume und Sträucher gepflanzt, neben einer bereits zuvor angelegten Streuobstwiese. Wie daraus ein längerfristiger Lernort wird, zeigt sich beim Wiederkommen: Jugendliche pflegen die jungen Pflanzen, beobachten ihre Entwicklung und gehen in Biologie-Facharbeiten eigenen Fragen nach. Dafür braucht die Schule Partner, die Fläche und Fachwissen beisteuern.
Was den Schulwald über den Pflanztag hinaus trägt
Den finanziellen Anstoß gab ein Sponsorenlauf. Damit aus dem gesammelten Geld ein Schulwald werden konnte, brauchte es jedoch etwas, das keine Klasse allein bereitstellen kann: verfügbare Fläche. Rat und Verwaltung der Gemeinde Hiddenhausen stellten dafür ein Grundstück am Waldrand zur Verfügung. So bekam das Vorhaben einen festen Ort außerhalb des Schulgeländes, an den Schülerinnen und Schüler über Jahre zurückkehren können.
Fachliche Begleitung kam unter anderem von Wald und Holz NRW. Bei der Planung wurden Untergrund und Lage des leicht abschüssigen Geländes betrachtet. Danach legten die Beteiligten fest, wo Eichenmischwald und wo Buchenmischwald entstehen sollten. Farbige Kennzeichnungen halfen bei der Pflanzung, die Setzlinge den vorgesehenen Parzellen zuzuordnen. Das gemeinsame Anpacken folgte damit einer räumlichen Planung: Nicht jeder Baum sollte einfach dort stehen, wo gerade Platz war.
Geld, Fläche und Fachwissen erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Der Sponsorenlauf ermöglicht den Start, das Grundstück schafft die Voraussetzung für Kontinuität, die fachliche Beratung richtet die Pflanzung am Standort aus. Auch bei der anschließenden Pflege ist die Gemeinde beteiligt. Ihre Unterstützung reicht damit über die Bereitstellung des Bodens hinaus und hilft der Schule, die Arbeit am jungen Bestand fortzuführen.
Wenn die Pflege anders läuft als geplant
Der kommunale Bericht „Waldwuchs statt Wildwuchs“ beschreibt, warum das zunächst vorgesehene Mähen einer gezielteren Arbeit zwischen den unregelmäßig stehenden Jungbäumen wich. Im Sommer 2024 kamen dafür erstmals etwa 40 bis 50 Schülerinnen und Schüler mit kräftigem Schuhwerk und Handschuhen zurück. Weitere Einsätze folgten im Spätherbst, vor Ostern 2025 und am 11. Juni 2025. Aus der gemeinsamen Pflanzung wurde eine wiederkehrende Aufgabe.
Mitarbeitende des Umweltbetriebs erklärten den Jugendlichen, wie sie die hoch gewachsenen Beikräuter rund um die jungen Bäume niederdrücken sollten. Es ging nicht darum, die gesamte Bodenvegetation zu entfernen. Die gezielte Pflege musste zu den tatsächlich gepflanzten Bäumen und ihrer Verteilung im Gelände passen. Gerade daran wird anschaulich, weshalb eine fachlich geplante Pflanzung auch danach Aufmerksamkeit braucht: Wie sich die Fläche bearbeiten lässt, entscheidet sich zwischen den wachsenden Pflanzen.
Für die Schule bedeutet das organisatorisch einen Unterschied. Ein Pflanztag lässt sich als einzelne Veranstaltung planen; Pflege verlangt weitere Termine und Menschen, die wissen, was zu tun ist. Zugleich erleben die Jugendlichen, wie ein ursprünglicher Plan an die Bedingungen vor Ort angepasst wird. Die unregelmäßige Pflanzung blieb nicht nur ein Hindernis für das Mähen, sondern wurde zum Anlass, eine andere Arbeitsweise kennenzulernen und unter Anleitung umzusetzen.
Am 11. Juni 2025 kam ein weiterer eigener Beitrag hinzu: Schülerinnen und Schüler stellten am Wald und der angrenzenden Streuobstwiese ein selbst entworfenes und gebautes Namensschild auf. Es trägt die Inschrift „NATUR – DENK – MAL!“. Neben der Arbeit an den Pflanzen gehört damit auch die Gestaltung des Ortes zu dem, was Jugendliche im Projekt bereits übernommen haben.

Zwei Facharbeiten machen den Wald zum Forschungsgegenstand
Über die praktische Arbeit hinaus wird der Bestand bereits für eigene biologische Untersuchungen genutzt. Der kommunale Bericht von 2025 dokumentiert zwei Facharbeiten im Leistungskurs zum Einfluss von Mykorrhiza auf das Wachstum von Weißtanne und Eberesche. Das Bodenpilz-Thema wurde damit an Pflanzen des Projekts bearbeitet. Die Jugendlichen halfen also nicht nur bei Anlage und Pflege, sondern machten den wachsenden Bestand zum Gegenstand einer fachlichen Frage.
Die Ergebnisse, Messwerte und Versuchsdesigns dieser Arbeiten sind in den herangezogenen Quellen nicht veröffentlicht. Deshalb lässt sich daraus weder eine nachgewiesene Pilzwirkung noch ein messbarer Lernzuwachs ableiten. Belegt ist aber der Schritt von der Pflege zur eigenständigen Untersuchung: Der Wald ist nicht nur als Freiluftklassenzimmer vorgesehen, sondern wird bereits für fachliche Arbeit in der Oberstufe genutzt.
Damit erhält die praktische Begegnung mit den Pflanzen eine andere Richtung. Bei der Pflege steht die Frage im Vordergrund, welche Arbeit der junge Bestand benötigt. In den Facharbeiten wird nach einem möglichen Einfluss auf sein Wachstum gefragt. Für einen anderen Zugang zur Naturbeobachtung zeigt unser Beitrag, wie Kinder mit Flora Incognita mehr als Pflanzennamen entdecken können. Pflanzenbestimmung kann eigene Fragen anregen; eine Wachstumsuntersuchung ersetzt sie nicht.
Warum Klimaanpassung beim Standort beginnt
Auch die Planung der Mischbestände liefert Unterrichtsstoff. Warum sollten an der einen Stelle Eichen und an einer anderen Buchen wachsen? Eine möglichst lange Artenliste ist noch keine Antwort auf die Frage, welcher Wald an einem Ort bestehen kann. Die forstliche Empfehlung des Landes Nordrhein-Westfalen verbindet geeignete Artenmischungen mit den örtlichen Boden- und Klimabedingungen. Dabei soll auch berücksichtigt werden, wie sich diese Bedingungen im Klimawandel verändern.
Die Betrachtung von Untergrund und Lage in Hiddenhausen folgt diesem standortbezogenen Ansatz. Baumarten sind keine beliebig austauschbaren Bausteine: Ihre Auswahl muss zu den Bedingungen passen, unter denen sie anwachsen und künftig bestehen sollen. Für andere Schulen ist deshalb weniger eine bestimmte Artenliste übertragbar als die Vorgehensweise, zuerst die verfügbare Fläche fachlich beurteilen zu lassen. Eine auf Anpassung ausgerichtete Planung beweist allerdings noch nicht, dass der junge Wald bereits klimaresilient ist.
Das Projekt verbindet zudem Ziele des Klimaschutzes mit denen der Anpassung. Kohlenstoff zu speichern ist etwas anderes, als Wasser zurückzuhalten oder einen Bestand gegenüber Klimastress zu stabilisieren. Die Projektquellen liefern dafür keine lokalen Wirkungsgrößen. Auch eine junge Aufforstung lässt sich nicht mit einem alten Waldboden und dessen gewachsenen Eigenschaften gleichsetzen. Im Unterricht können diese Unterschiede helfen, aus dem Begriff „Klimawald“ konkrete, untersuchbare Fragen zu machen.
Beim Thema Kühlung stellt sich wiederum eine andere räumliche Frage: Ein Wald am Ortsrand ist nicht dasselbe wie ein schattiger Schulhof. Für den Hitzeschutz im Stadtraum erläutert unser Beitrag zu OASITY und dem Vergleich von Bäumen und Entsiegelung einen anderen Anwendungsfall ortsbezogener Planung.
Was für eine dauerhafte Nutzung noch ansteht
Öffentliche Anerkennung hat das Projekt inzwischen erhalten: Die Schule gewann den Communitypreis des Blauen Kompass bereits im Juni 2026. Die Preisverleihung ist für den 17. September 2026 in Berlin angekündigt. Im Schulalltag geht es nun darum, die begonnene Nutzung weiter auszubauen und im Unterricht zu verankern.
Der Tatenbank-Eintrag beim Umweltbundesamt nennt Facharbeiten und Pflege als bereits erfolgt. Ein weiterentwickeltes Curriculum sowie zusätzliche Kurs- und Kooperationsformate beschreibt er dagegen als geplant. Der Wald muss also nicht auf einen vollständig überarbeiteten Lehrplan warten, um Lernort zu sein. Die weitere curriculare Arbeit kann auf konkreten Erfahrungen aufbauen: auf der angepassten Pflege ebenso wie auf den beiden Biologie-Untersuchungen. Die anstehende Aufgabe ist, solchen Arbeiten einen verlässlichen Platz für aufeinanderfolgende Jahrgänge zu geben.
Quellen und weiterführende Informationen
- HIER – Das Magazin der Gemeinde Hiddenhausen: Waldwuchs statt Wildwuchs – Bericht über Pflegeeinsätze und Biologie-Facharbeiten, 2025.
- Umweltbundesamt, Tatenbank: OPG-Klimawald und Streuobstwiese – Projektangaben des Maßnahmenträgers zu Umsetzung und Weiterentwicklung.
- Eine Schule macht Wald – Bericht der Neuen Westfälischen, nachveröffentlicht von der Schule, zu Standortplanung und Pflanzorganisation.
- Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW: Waldbau – Empfehlungen zu standortgerechten Mischbeständen.
- Zentrum KlimaAnpassung: Community-Preis 2026 – Auszeichnung und angekündigte Preisverleihung.
- Umweltbundesamt: Newsletter Klimafolgen und Anpassung Nr. 103 – Einordnung des Projekts und des Communitypreises.
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.