
Wenn eine Straße ohnehin umgebaut wird, lässt sich mehr als der Asphalt erneuern: Die Planung kann auch Platz für Baumwurzeln schaffen und Regenwasser dorthin leiten, wo es gebraucht wird. Dafür müssen diese Anforderungen früh auf den Tisch – bevor die Flächen verteilt sind. Berlin will Klimaanpassung deshalb enger mit den Vorhaben von Bezirken, Leitungsbetrieben und anderen Beteiligten verbinden.
Am 8. September 2026 hat der Senat dafür den Projektauftrag nach dem Berliner Klimaanpassungsgesetz erteilt und einen ressortübergreifenden Aufbaustab eingerichtet. Er soll die Voraussetzungen dafür schaffen, Schatten, Grün und Starkregenvorsorge bei anstehenden Straßenumbauten systematischer einzuplanen. Beschlossen ist damit noch kein Bauprogramm für einzelne Straßen, sondern die Vorbereitung einer gemeinsamen Umsetzung.
Bäume und Regenwasser gehören früh in die Planung
Ein Straßenumbau bringt unterschiedliche Ansprüche auf engem Raum zusammen. Verkehrsflächen müssen funktionieren, Leitungsbetriebe ihre Infrastruktur sanieren oder erweitern. Bäume wiederum brauchen ausreichend Boden für ihre Wurzeln und Wasser. Werden diese Aufgaben getrennt geplant, müssen bereits getroffene Flächenentscheidungen später womöglich erneut verhandelt werden. Der neue Auftrag soll die Beteiligten deshalb früher zusammenbringen.
Dahinter steht eine konkrete gesetzliche Pflicht. Das seit 2025 geltende Berliner Klimaanpassungsgesetz verlangt ausdrücklich, Sanierungs-, Erweiterungs- und Neubaupläne der Leitungs- und Versorgungsunternehmen mit den Klimaanpassungszielen abzustimmen. Es geht also nicht allein darum, bei einem fertigen Straßenentwurf noch nach Platz für Grün zu suchen. Die Anforderungen sollen gemeinsam in die Planung einfließen.
Dafür müssen auch Zuständigkeiten geklärt sowie Personalbedarf, Investitionen und Kosten kalkuliert werden. Ein gemeinsames Ziel reicht nicht, wenn offenbleibt, wer die zusätzliche Arbeit übernimmt und welche Mittel dafür zur Verfügung stehen. Diese organisatorischen Fragen gehören zum Auftrag; ihre Klärung ist noch kein Nachweis einer gesicherten Finanzierung späterer Umbauten.
Die Abstimmung beginnt dabei nicht bei null. Bereits im Juni berichtete der Senat über vorbereitende Arbeiten am Projektauftrag. Der damalige Parlamentsbericht nennt außerdem laufende Jahresgespräche, in denen Landesressorts, Bezirke und Berliner Wasserbetriebe Straßenbauvorhaben aufeinander abstimmen. Auf dieser vorhandenen Zusammenarbeit soll die Umsetzung des Klimaanpassungsgesetzes aufbauen.
In Kreuzberg bekamen Bäume mehr Platz
Was sich durch einen solchen Umbau erreichen lässt und welche Abwägungen nötig sind, zeigt die Ruhlsdorfer Straße in Kreuzberg. Ihr Umbau war bereits vor dem Klimaanpassungsgesetz abgeschlossen und ist kein Ergebnis des Septemberauftrags. Nach dem Praxisbericht der Berliner Regenwasseragentur waren dort bei acht von 19 Bäumen die Wurzeln regelrecht mit dem Asphalt verwachsen.
Um die bestehenden Bäume zu erhalten, wurden ihre Baumscheiben vergrößert – die offenen Bodenflächen rund um die Stämme. Teilweise reichen sie nun in den bisherigen Straßenraum hinein. Die Flächen wurden mit Substrat aufgefüllt und mit Wildstauden bepflanzt. Der Baumbestand erhielt damit mehr Raum, statt Wurzeln und Belag weiter gegeneinander arbeiten zu lassen.
Die offenen Flächen helfen zugleich bei der Wasserversorgung: Regenwasser von Straße und Gehwegen wird in die großen Baumscheiben geleitet. Dort versickert es und kommt den Bäumen zugute. Kann der Boden bei extremen Niederschlägen nicht alles aufnehmen, fließt zusätzlich Wasser über die vorhandenen Gullys in die Kanalisation. Die Baumscheiben ergänzen hier also die bestehende Entwässerung; sie ersetzen sie nicht.
Dieser Platz musste allerdings anderen Nutzungen abgewonnen werden. Auf der etwa 120 Meter langen Straße entfielen laut Praxisbericht 37 Parkplätze. Das ist keine berlinweite Vorgabe, sondern eine örtliche Entscheidung. Sie macht aber deutlich, worum es bei der Planung geht: Mehr Boden für Bäume verändert die Aufteilung der Straße. Zugleich sollen nach dem Gesetz die erforderlichen Breiten von Fuß- und Radwegen sichergestellt werden.
Der Auftrag bereitet Umbauten vor, er ersetzt sie nicht
Für solche Flächenentscheidungen hilft es, verschiedene Möglichkeiten vor dem Bau zu vergleichen. Wie Kommunen Begrünung und Entsiegelung vor einem Umbau vergleichen können, erläutert unsere Vertiefung zu OASITY. Eine Verbindung dieses Ansatzes zum Berliner Auftrag ist nicht belegt. Berlin sieht perspektivisch einen Digitalen Zwilling Straße vor; als bereits verfügbares Planungswerkzeug wird er noch nicht beschrieben.
Für die Aufbauplanung nennt die Septembermeldung die kommenden 18 Monate. Anschließend sollen die Ergebnisse dem Senat zur Beschlussfassung und danach dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden. Diese Zeitspanne ist keine Baufrist und verspricht noch keine zusätzliche Abkühlung vor der Haustür. Für spätere Umbauten wird entscheidend sein, ob Zuständigkeiten, Personal und Finanzierung so geklärt werden, dass Bäume und Regenwasser tatsächlich Platz erhalten – bevor die Aufteilung einer Straße feststeht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Berliner Senat: Berlin macht sich fit für den Klimawandel, 8. September 2026
- Berliner Klimaanpassungsgesetz, insbesondere §§ 6, 22 und 23
- Berliner Senat: Vorbereitende Umsetzungsplanung zur Klimaanpassung
- Berliner Regenwasseragentur: Bäume gerettet, Gefahr gebannt – die Ruhlsdorfer Straße in Kreuzberg
- Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/3338 zur Umsetzungsplanung
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.