In Quellendorf muss die zentrale Wärmepumpe Wärme nicht genau dann erzeugen, wenn die Häuser sie benötigen. Ein Speicher mit 500 Kubikmetern Wasser hält sie für später bereit. Das gibt dem Betreiber Spielraum, günstige Stromzeiten zu nutzen. Während der Bauabschnitt Mitte bereits versorgt wird, sind weitere Anschlüsse noch geplant.

Ein rund 17 Meter hoher Wasserbehälter verschafft Quellendorfs Wärmeversorgung Zeit. Er nimmt Wärme aus der zentralen Luftwärmepumpe auf und hält sie bereit, bis die angeschlossenen Gebäude sie brauchen. Erzeugung und Verbrauch müssen dadurch nicht unmittelbar zusammenfallen. Für den Betreiber GP JOULE eröffnet das die Möglichkeit, den Betrieb der Wärmepumpe nicht allein nach dem aktuellen Heizbedarf auszurichten, sondern auch nach den Strompreisen.
Wärme erzeugen, wenn der Strom günstig ist
Die Wärmepumpe nutzt Außenluft als Wärmequelle. Mithilfe von Strom hebt sie deren Umweltwärme auf das Temperaturniveau, das das Wärmenetz benötigt. Nach Angaben von GP JOULE hat die Anlage über ein Megawatt thermische Leistung. Gemeint ist damit ihre Wärmeabgabe, nicht ihre elektrische Leistungsaufnahme. Das Wasser im großen Behälter dient als Speichermedium: Es bewahrt die bereits erzeugte Wärme für den späteren Bedarf auf.
Das Grundprinzip, Umweltwärme zentral für viele Gebäude nutzbar zu machen, findet sich auch bei der Meerwasser-Wärmepumpe für ein Quartier in Neustadt. Dort liefert das Meer die Wärme, in Quellendorf ist es die Außenluft. Welche Wärmequelle genutzt wird und wie die Wärme anschließend gespeichert wird, sind dabei zwei unterschiedliche Fragen.
Ohne Puffer müsste die Wärmeerzeugung dem momentanen Bedarf enger folgen. Mit ihm kann die Anlage Wärme gewissermaßen vorarbeiten: Sie läuft, bevor die Häuser diese Wärme abnehmen, und füllt den Speicher. Wird später mehr Wärme benötigt, steht der Vorrat zur Verfügung. Wie weit Erzeugung und Verbrauch zeitlich auseinanderliegen können, hängt vom Speicherzustand und von der Nachfrage im Netz ab.
Laut Projektleiter soll die Wärmepumpe bevorzugt dann laufen, wenn Strom günstig ist. Der Speicher schafft dafür den zeitlichen Spielraum. Eine günstige Stromphase lässt sich so zur Wärmeerzeugung nutzen, auch wenn der Heizbedarf erst später steigt. Das macht den Betrieb flexibler. Ob daraus tatsächlich niedrigere Kosten entstehen und ob diese bei den Kunden als günstigere Wärmepreise ankommen, ist mit den veröffentlichten Angaben nicht belegt.
Auch eine Überbrückungsdauer lässt sich aus der Behältergröße allein nicht ablesen. Die 500 Kubikmeter beschreiben das Wasservolumen, nicht die nutzbare Wärmemenge. Dafür müsste unter anderem bekannt sein, welcher Temperaturbereich im Speicher genutzt werden kann. Eine belastbare Angabe dazu, wie viele Stunden oder Tage der Vorrat in Quellendorf reicht, nennt der Betreiber nicht.
Die Wärmepumpe läuft, Gas bleibt zur Absicherung
Wärme bekommen erste Haushalte im Gebiet Neue Reihe schon seit Herbst 2025, anfangs auf Gasbasis. Seit Juni 2026 liefert die Großwärmepumpe Wärme. Die Feier am 3. September war somit die offizielle Einweihung, nicht der Beginn der Versorgung. Auf der aktuellen Projektseite meldet der Betreiber inzwischen Regelbetrieb nach abgeschlossener Test- und Optimierungsphase.
Für die Wärmepumpe gibt GP JOULE einen Bezug von 100 Prozent Ökostrom an. Das beschreibt ihren Stromverbrauch, aber nicht die gesamte Jahreswärme des Netzes. Ein gasbasierter Spitzenlastkessel bleibt verfügbar, um hohe Wärmenachfrage und Wartungszeiten abzusichern. Welchen Anteil er tatsächlich an der Wärmelieferung hat, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Gasfrei ist das Versorgungskonzept daher nicht.
Welche Gebäude schon Wärme bekommen
Für die Haushalte entscheidet neben dem Betrieb der Heizzentrale vor allem der Leitungsbau darüber, wann sie Wärme beziehen können. Der Bauabschnitt Mitte ist laut Betreibermeldung vom 3. September in Betrieb. Das erste Teilstück im Norden soll im September ans Netz gehen; zum Stand 7. September ist dieser Schritt noch nicht als vollzogen bestätigt.
Im Süden ist der Baustart im Bereich Neuer Weg/Siedlung für Ende 2026 geplant. Dort steht also zunächst der Leitungsbau an. Dass die zentrale Wärmepumpe bereits läuft, bedeutet noch nicht, dass jede Adresse angeschlossen werden kann. Für Interessierte ist deshalb der Ausbau in ihrer Straße ebenso wichtig wie die Technik in der Heizzentrale.
Den Weg zum Anschluss beschreibt der Betreiber mit Beratung und Prüfung sowie einer Hausbegehung. Danach folgen die Hausanschlussleitung und eine Übergabestation, über die die Wärme ins Gebäude gelangt. Eigentümer beziehen dann Wärme aus dem Netz; die Übergabestation verbindet den Netzanschluss mit der Wärmeversorgung des Hauses. Ob und wann das für eine konkrete Adresse möglich ist, muss mit dem Betreiber geklärt werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- GP JOULE: Quellendorf setzt auf zukunftsfähige Wärmeversorgung – technische Angaben, Betriebskonzept und Ausbauplanung vom 3. September 2026.
- Projektseite: Nahwärme im Südlichen Anhalt – Regelbetrieb, Strombezug und Anschlussablauf; undatierter Seitenstand vom 7. September 2026.
- Mitteldeutsche Zeitung: Heizzentrale in Quellendorf offiziell in Betrieb genommen – Bestätigung der öffentlichen Einweihung.
- GP JOULE: Nahwärmeversorgung in Quellendorf gestartet – Beginn der Wärmelieferung im Herbst 2025.
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