Technik

Quanteninterferenz: Wie sich zwei Wege gegenseitig auslöschen

Ein Oxford-Experiment bildet den Aharonov-Bohm-Effekt mit Ionen nach. Es macht anschaulich, warum bei Quantenbewegung die Phase über das Ergebnis entscheidet.

Von Wolfgang

10. Okt. 20266 Min. Lesezeit

Konzeptionelle Illustration zum Thema Quanteninterferenz: Wie sich zwei Wege gegenseitig auslöschen

Zwei mögliche Wege können die Bewegung eines Quantensystems verstärken oder unterdrücken. Das klingt zunächst widersprüchlich: Mehr Möglichkeiten scheinen im Alltag eher zu mehr Bewegung zu führen. In der Quantenphysik zählt jedoch auch, wie die Beiträge der Wege zusammenkommen. Ihre Phase entscheidet darüber, ob sie sich addieren oder gegenseitig auslöschen.

Ein Experiment der University of Oxford macht diesen Zusammenhang in einem kontrollierten Quantensimulator sichtbar. Die Universität stellte es am 25. September vor; im aktuellen Nachrichtenradar wurde die Arbeit erneut aufgegriffen. Forschende bildeten den Aharonov-Bohm-Effekt in einem System aus gefangenen Ionen nach. Dabei konnten sie die Bewegung zwischen zwei Bereichen durch ein simuliertes Feld beeinflussen. University of Oxford

Das entscheidende Detail ist die Phase

Für einen ersten Zugang hilft das Bild zweier Wasserwellen. Treffen zwei Wellenberge zusammen, entsteht eine stärkere Auslenkung. Trifft ein Wellenberg auf ein Wellental, können sich die Auslenkungen aufheben. Die Phase beschreibt, an welcher Stelle ihres Schwingungsverlaufs die jeweilige Welle angekommen ist.

In der Quantenphysik werden mögliche Ergebnisse über sogenannte Amplituden beschrieben. Sie besitzen neben einer Größe eine Phase. Beiträge verschiedener Wege werden zunächst als Amplituden zusammengeführt. Erst aus der resultierenden Amplitude ergibt sich die Wahrscheinlichkeit des beobachteten Ergebnisses. Diese Reihenfolge ist für das Verständnis entscheidend. Feynman-Vorlesungen zur Quanteninterferenz

Ein eigenes Zahlenbeispiel zeigt den Unterschied. Zwei gleich große Beiträge können gemeinsam in dieselbe Richtung zeigen. Ihre Summe wird dann größer. Zeigt der zweite Beitrag genau entgegengesetzt, wird die Summe null. Die einzelnen Möglichkeiten sind in beiden Fällen vorhanden; verändert hat sich ihre Beziehung zueinander.

Würde man stattdessen die Wahrscheinlichkeiten zweier gewöhnlicher Alternativen addieren, könnte sich nichts auf diese Weise auslöschen. Zwei positive Zahlen ergeben wieder eine positive Zahl. Quanteninterferenz entsteht gerade dadurch, dass vor diesem Schritt die Phasen der Amplituden berücksichtigt werden.

Ein Feld verändert die Beziehung zwischen den Wegen

Der Aharonov-Bohm-Effekt verbindet diese Interferenz mit einem eingeschlossenen magnetischen Fluss. Zwei Wege um einen Bereich können eine unterschiedliche Phase aufnehmen. Beim Zusammenführen der Beiträge verändert sich dann das Ergebnis. Der Effekt lenkt den Blick auf das gesamte Arrangement aus Wegen und Feld.

Im Oxford-Simulator wurde dafür kein gewöhnlicher kleiner Wanderweg gebaut. Zwei Schwingungsfreiheitsgrade repräsentierten Materie, zwei Qubits das Feld. Die inneren Zustände der Ionen und ihre Schwingungen übernahmen unterschiedliche Rollen. So konnten die Forschenden die Bestandteile des Modells getrennt steuern und ihr Zusammenwirken beobachten. Beschreibung des Experiments

Die anschauliche Frage lautet: Wie verändert sich der Übergang zwischen den beiden Materiebereichen, wenn der simulierte Fluss verändert wird? Ohne diesen Fluss konnte das System zwischen ihnen tunneln. Bei einer passenden Einstellung führte destruktive Interferenz dazu, dass der Übergang unterdrückt wurde.

Prinzipbild konstruktiver und destruktiver Quanteninterferenz
Gleiche Phase verstärkt, Gegenphase kann Beiträge auslöschen. Prinzipbild, keine gemessenen Teilchenbahnen. (Quelle: KI generiert)

Warum ein ruhiges Ergebnis viel erzählen kann

In einem alltäglichen Versuch würde man bei ausbleibender Bewegung zunächst nach einer blockierten Verbindung suchen. Vielleicht ist eine Tür verschlossen oder der Antrieb abgeschaltet. Bei Interferenz kann die Verbindung weiterhin vorhanden sein. Entscheidend ist, dass die Beiträge zum Übergang sich gegenseitig aufheben.

Ein Gedankenexperiment hilft dabei. Wir betrachten zwei gleichwertige Wege zwischen einem Anfang und einem Ziel. Zunächst stellen wir ihre Phasen so ein, dass sie sich unterstützen. Anschließend ändern wir nur die Beziehung der Phasen. Das Ziel erhält dann weniger oder gar keinen resultierenden Beitrag, obwohl die beiden Wege im Modell bestehen bleiben.

Diese Erklärung setzt voraus, dass die relevanten Beiträge zusammenhängend überlagert werden können. Wird die Beziehung zwischen ihnen zerstört, verändert sich auch die Interferenz. Für einen kontrollierten Versuch müssen daher sowohl die Operationen als auch die Zustände ausreichend genau vorbereitet werden. Der Aufbau eines Quantensimulators ist zugleich die Arbeit an diesen Beziehungen.

Das ruhige Ergebnis beantwortet somit eine aktive Frage: Welche Wechselwirkung lässt die Beiträge zum Übergang verschwinden? Durch Variation einer Einstellung lässt sich untersuchen, wie sich der Transport verändert. Bewegung und unterdrückte Bewegung gehören zu demselben Versuch und helfen, den Mechanismus zu verstehen.

Zwei unterschiedliche Arten, Quanteninformation darzustellen

Ein Qubit wird oft als das Grundelement eines Quantencomputers erklärt. Es beschreibt ein System mit zwei ausgewählten Basiszuständen. Ein Oszillator besitzt eine andere Struktur: Seine möglichen Anregungen bilden eine ganze Folge. Im Oxford-Aufbau wurden diese unterschiedlichen Eigenschaften passend zu den Rollen im physikalischen Modell genutzt.

Man kann das mit zwei Arten von Darstellung vergleichen. Manche Informationen lassen sich gut über wenige diskrete Möglichkeiten beschreiben. Andere besitzen eine reichere Abstufung. Ein Simulator muss entscheiden, welche Darstellung zu welchem Bestandteil seiner Frage passt. Diese Zuordnung wirkt sich darauf aus, welche Operationen benötigt werden.

Der Begriff „hybrid“ meint hier die Kombination unterschiedlicher quantenmechanischer Freiheitsgrade. Bei anderen Projekten beschreibt dasselbe Wort die Verbindung eines klassischen Rechners mit einem Quantenprozessor. Für das Verständnis einer Nachricht lohnt sich deshalb die Frage, welche Bestandteile konkret kombiniert werden.

Was passiert, wenn die Beiträge ungleich groß sind?

Die vollständige Auslöschung im einfachen Bild setzt gleich große, entgegengesetzte Beiträge voraus. Ein eigenes Gedankenbeispiel zeigt die Bedeutung: Ein Beitrag besitzt die Größe drei, der andere die Größe zwei. Zeigen sie entgegengesetzt, bleibt ein Rest von eins. Die Phase allein legt das Ergebnis also nicht fest; auch die Größe der Beiträge gehört dazu.

Dieses Beispiel hilft beim Lesen eines Interferenzbilds. Eine dunklere Zielregion kann eine Unterdrückung darstellen, ohne dass jeder Beitrag exakt verschwindet. Für die Auswertung eines Versuchs zählt daher, wie die Bedingungen eingestellt wurden und welche Größe tatsächlich gemessen wird. Das anschauliche Prinzip und die konkrete Messung liegen auf unterschiedlichen Ebenen.

Auch die Zahl der Wiederholungen erfüllt eine eigene Aufgabe. Ein einzelnes Ergebnis zeigt, was in diesem Lauf beobachtet wurde. Eine Serie von gleich vorbereiteten Läufen erlaubt es, Häufigkeiten zu vergleichen. Wird dann eine Einstellung verändert und derselbe Ablauf wiederholt, kann man die Unterschiede geordnet untersuchen.

Die Erklärung über zwei Wege ist somit ein Einstieg in eine präzisere Frage: Welche Amplituden tragen zum Ergebnis bei, und wie verändert eine Operation ihre Beziehung? Wer diese Frage stellt, kann auch kompliziertere Experimente besser lesen. Der Blick geht vom scheinbaren Weg eines einzelnen Teilchens zu den kontrollierten Zuständen und den daraus beobachtbaren Ergebnissen.

Was ein Simulator an einer physikalischen Frage sichtbar macht

Ein Simulator übersetzt ausgewählte Beziehungen eines Modells in ein kontrollierbares System. Seine Stärke liegt darin, dass wichtige Einstellungen gezielt verändert werden können. Man betrachtet anschließend, ob das beobachtete Verhalten der untersuchten Beziehung entspricht. Bei diesem Experiment steht die Verbindung von Phase und Transport im Mittelpunkt.

Die Arbeit ist deshalb interessant, weil sie eine oft abstrakt erklärte Eigenschaft in einen nachvollziehbaren Ablauf übersetzt: Zustände vorbereiten, Feld einstellen, Entwicklung zulassen und den Übergang messen. Der Wechsel einer Einstellung verändert die Beziehung zwischen den Wegen und dadurch die beobachtete Bewegung.

Für technologieinteressierte Leser ergibt sich daraus ein nützlicher Blick auf Quantenrechner. Die Zahl der Qubits ist eine wichtige Eigenschaft eines Geräts. Ebenso interessant ist aber, welche physikalischen Beziehungen es abbilden kann und wie sich diese untersuchen lassen. Unterschiedliche Darstellungen öffnen unterschiedliche Wege zur gleichen Frage.

Der Aharonov-Bohm-Versuch liefert dafür ein besonders klares Beispiel. Wer nur nach der Stärke eines Antriebs fragt, übersieht die Beziehung zwischen den Möglichkeiten. In der Quantenbewegung entscheidet diese Beziehung mit: Zwei Wege können gemeinsam gerade dafür sorgen, dass der Übergang verschwindet.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.