Technik

Pflanzenkohlefilter soll Regenwasser aus Fahrsilos nutzbar machen

NitroChar soll belastetes Regenwasser aus Fahrsilos filtern und erneut nutzbar machen. Im Herbst 2026 steht der betriebliche Prototyptest an.

Von Wolfgang

07. Sep. 20264 Min. Lesezeit

KI-Illustration eines geöffneten Fahrsilos mit abgedeckter Silage, Regen und einer kleinen Pfütze auf der befestigten Fläche.

Regenwasser aus geöffneten Fahrsilos kann Pflanzensäfte und organische Rückstände aufnehmen. Für Betriebe bedeutet das zusätzlichen Lager- und Transportaufwand. Fraunhofer IEM und Moderne Industrietechnik entwickeln einen nachrüstbaren Pflanzenkohlefilter, der die erneute Nutzung erleichtern soll. Im Herbst 2026 soll ein Prototyp auf einem landwirtschaftlichen Betrieb erprobt werden.

Ein Fahrsilo konserviert pflanzliche Biomasse über Monate. Aus dem verdichteten und abgedeckten Material wird Silage, die als Tierfutter oder als Substrat für Biogasanlagen dient. Sobald das Silo geöffnet ist, kann Regen mit Pflanzensäften und organischen Rückständen in Kontakt kommen. Das dadurch belastete Wasser muss aufgefangen werden und darf nicht unbehandelt in Oberflächengewässer gelangen.

Für den Betrieb entsteht damit eine zusätzliche Aufgabe: Auch das Wasser braucht Platz und muss weiterbehandelt oder ausgebracht werden. Wie viel davon anfällt, hängt unter anderem von der Entwässerung ab. Sauberes Niederschlagswasser und Wasser, das über verschmutzte Bereiche abläuft, sind unterschiedlich zu behandeln. Ihre Trennung bestimmt mit, welche Mengen ein Betrieb sammeln muss.

Ein kürzerer Weg vom Silo zur Wassernutzung

Die Landwirtschaftskammer NRW beschreibt im aktuellen Fraunhofer-Bericht einen aufwendigen Praxisweg: Betriebe lagern das belastete Wasser, vermengen es mit Gülle und bringen es auf Feldern aus. Damit beansprucht auch der Regen Lagerraum und verursacht Transport- und Ausbringungsarbeit. Der Umgang mit ihm endet also längst nicht am Ablauf des Fahrsilos.

Hier setzt das Projekt NitroChar an. Fraunhofer IEM und das Unternehmen Moderne Industrietechnik entwickeln ein einfaches, robustes Filtersystem, das sich an bestehenden Fahrsiloanlagen nachrüsten lassen soll. Die Idee dahinter ist gut nachvollziehbar: Lässt sich das aufgefangene Wasser so behandeln, dass es vor Ort wieder verwendbar ist, könnte ein Teil des bisherigen Aufwands entfallen.

Wasserwiederverwendung wird damit nicht neu erfunden. Ein Beratungsblatt der Landwirtschaftskammer beschreibt bereits getrennte Entwässerungsströme und eine biologische Nachbehandlung durch Verregnung auf Dauergrünland, die eine wasserrechtliche Erlaubnis erfordert. NitroChar soll einen weiteren Weg eröffnen. Entscheidend für die Betriebe wäre dabei, wie gut sich der Filter in ihre vorhandenen Anlagen und Arbeitsabläufe einfügt.

Was aktivierte Pflanzenkohle übernehmen soll

Im Zentrum des Filters steht aktivierte Pflanzenkohle. Ihre poröse Struktur soll helfen, organische Schadstoffe aus dem Wasser zu entfernen. Welche Reinigungsleistung das System unter wechselnden Bedingungen erreicht, ist bislang nicht veröffentlicht.

Als mögliche Verwendung des behandelten Wassers nennt Fraunhofer die Bewässerung von Grünflächen. Statt das Wasser über Lagerung und Güllemischung auf die Felder zu bringen, wäre dann ein kürzerer Ablauf denkbar: auffangen, filtern und für einen geeigneten Zweck erneut einsetzen. Der Nutzen läge nicht nur im wiederverwendeten Wasser, sondern auch in weniger Arbeit für dessen Lagerung, Transport und Ausbringung.

Ob dieser Weg möglich ist, hängt allerdings von zwei Dingen ab: Das Wasser muss nach der Behandlung für die vorgesehene Nutzung geeignet sein, und diese Nutzung muss erlaubt sein. Aus der Projektbeschreibung folgt daher keine pauschale Bewässerungserlaubnis. Um Trinkwassergewinnung geht es ebenfalls nicht. Der Ansatz zeigt vielmehr, weshalb Wasserwiederverwendung immer zum jeweiligen Zweck passen muss – eine Frage, die auch im Zusammenhang mit der Wasserknappheit in Europa wichtig ist.

Was der Praxistest noch klären muss

In seinem Update vom 2. September 2026 berichtet Fraunhofer von startenden ersten Feldversuchen. Zugleich kündigt das Institut an, einen Prototyp im Herbst 2026 testweise auf einem landwirtschaftlichen Betrieb einzusetzen. Landwirtschaftskammer NRW und NaRoTec sollen den Zugang zur Praxis und Rückmeldungen von Landwirten unterstützen. Ergebnisse eines abgeschlossenen betrieblichen Prototyptests liegen in diesem Bericht noch nicht vor.

Die Mitteilung der Entwickler beschreibt somit den Ansatz und den nächsten Erprobungsschritt, keine unabhängig geprüften Ergebnisse. Angaben zu Reinigungsquote, Durchsatz, Wartungsintervallen und Betriebskosten fehlen bislang. Gerade diese Größen werden aber mitentscheiden, ob der Filter den Arbeitsalltag tatsächlich erleichtert. Eine einfachere Wassernutzung und Einsparungen sind vorerst Entwicklungsziele, keine nachgewiesenen Vorteile.

Das Projekt läuft seit Mai 2024 und ist bis Juni 2027 angesetzt. Neben der Reinigung betrachten die Entwickler auch Lebensdauer, Wiederverwendung und Recycling der Komponenten; eine positive Ökobilanz ist damit noch nicht belegt. Für die Betriebe muss sich im Praxiseinsatz vor allem zeigen, ob aus dem zusätzlichen Behandlungsschritt unterm Strich eine Entlastung wird: weniger belastetes Wasser lagern und bewegen, mehr davon sinnvoll vor Ort nutzen.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.