Ein Rechenzentrum spart Kühlwasser. Trotzdem kann sein Betrieb an einem anderen Fluss mehr Wasser beanspruchen. Der Umweg führt über den Strom: Braucht die neue Kühlung mehr elektrische Leistung, müssen auch Kraftwerke mehr liefern. Eine neue Modellstudie aus Michigan zeigt, dass dabei beides möglich ist: weniger Wasserverbrauch insgesamt und eine größere Belastung fern vom Servergebäude.
Das verändert die Frage hinter den Wassersparversprechen der KI-Branche. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Liter am Rechenzentrum fehlen. Man muss auch wissen, wo die übrigen Liter gebraucht werden. Dieser Blick hat sich über mehrere Jahre entwickelt: von der getrennten Bilanz für Kühlung und Stromerzeugung bis zur Untersuchung einzelner Einzugsgebiete.
Die Kühlung hat zwei Enden
Am Chip beginnt die Aufgabe: Wärme muss weg, damit der Rechner zuverlässig arbeitet. Ein geschlossener Flüssigkeitskreislauf kann sie aufnehmen und weitertransportieren. Doch damit ist sie noch nicht aus dem Gebäude verschwunden. Erst eine weitere Kühlstufe gibt sie an die Umgebung ab.
Verdunstet dort Wasser, hilft der Phasenwechsel beim Abführen der Wärme. Dieses Wasser muss ersetzt werden. Eine trockene, mechanische Kühlung vermeidet diesen Verlust, kann dafür aber mehr Strom benötigen. Der Bericht des Lawrence Berkeley National Laboratory von 2024 beschreibt genau diesen Tausch. Welche Lösung günstig abschneidet, hängt von Technik und Betriebsbedingungen ab.
Ein Kreislauf auf der Chipseite verrät deshalb noch nicht, wie die Wärme draußen abgegeben wird. Das Wort „Flüssigkühlung“ beschreibt einen Teil der Anlage. Für die Wasserbilanz braucht man den ganzen Weg.

Das Versprechen endet am Gebäude
Microsoft stellte im Dezember 2024 ein Rechenzentrumsdesign vor, bei dem Kühlwasser im geschlossenen Kreislauf zirkuliert und nicht verdunstet. Wasser für Toiletten und Küchen bleibt davon unberührt. Das Unternehmen erklärte zugleich, dass der Ersatz von Verdunstung durch mechanische Kühlung den Stromaufwand erhöht. Wärmere Kühltemperaturen direkt am Chip sollen diesen Mehrbedarf begrenzen.
Beides gehört zusammen: Das Design kann vor Ort Wasser sparen und zugleich eine neue Aufgabe für die Stromversorgung schaffen. Aus der Beschreibung folgt noch keine vollständige Umweltbilanz eines tatsächlich betriebenen Standorts.
Die Fachdebatte ist älter als dieses Versprechen. Schon David Mytton unterschied 2021 in einer Fachveröffentlichung zwischen direktem Kühlwasser und indirektem Wasserbedarf der Stromerzeugung. Auch die übliche Wassereffizienzkennzahl WUE hat eine begrenzte Perspektive: Sie setzt den Wasserbedarf am Standort ins Verhältnis zum Strombedarf der IT. Eine niedrige Zahl erzählt, wie sparsam die Anlage dort mit Wasser umgeht. Was für ihren Strom passiert, steht außerhalb dieser Rechnung.
Weniger insgesamt, mehr anderswo
Garrett Alston, Nancy Love und Rabab Haider verknüpfen in ihrem Preprint vom 21. September 2026 Kühlung, zusätzlichen Kraftwerkseinsatz und Wasserverfügbarkeit in Michigan. Entscheidend ist die Reaktion auf neue Last statt des durchschnittlichen Strommixes.
Beim hypothetischen Vergleich wasser- und luftgekühlter Kältemaschinen mit gleicher IT-Leistung von 200 Megawatt sank der Gesamtwasserverbrauch um rund 44 Prozent. Der indirekte Verbrauch stieg zugleich um rund 32 Prozent.
Die Einsparung ist real innerhalb der Modellrechnung. Ein Teil der Belastung liegt jedoch bei Kraftwerken in anderen Einzugsgebieten.
Ein Liter hat eine Adresse
Ein Liter an einem trockenen Standort und ein Liter in einer wasserreichen Region sind dieselbe Menge, aber nicht dieselbe Beanspruchung. Auch der Zeitpunkt zählt. Der LBNL-Bericht macht deutlich, dass die indirekte Wasserbilanz stark von der Stromerzeugung abhängt. Eine Jahreszahl für das Gebäude kann diese Unterschiede nicht erklären.
Für einen Standortvergleich folgt daraus eine einfache Erweiterung: Zur Frage „Wie viel spart die Anlage?“ gehört die Frage „Welche Versorgung ermöglicht diese Ersparnis?“ Erst gemeinsam zeigen sie, ob die Entlastung auch dort ankommt, wo Wasser knapp ist.
Der Preprint nutzt LBNL-Kühlkennwerte, ein vereinfachtes Vier-Regionen-Netz und Daten verschiedener Jahre. Er ist keine begutachtete Anlagenmessung; seine Prozentwerte sind keine Deutschlandprognose.
Der Perspektivwechsel bleibt dennoch verständlich: Die Grenze einer nachhaltigen Kühlung verläuft nicht an der Grundstücksmauer. Wer Wasser am Servergebäude spart, verbessert einen wichtigen Teil des Systems. Ob auch die Umgebung gewinnt, entscheidet sich entlang der Stromleitung weiter.
Quellen
- David Mytton: Data centre water consumption, Fachartikel vom 15. Februar 2021 in npj Clean Water; verlinkte Autorenfassung.
- Arman Shehabi et al., LBNL: 2024 United States Data Center Energy Usage Report, Dezember 2024, insbesondere S. 45.
- Steve Solomon, Microsoft: Sustainable by design: Next-generation datacenters consume zero water for cooling, 9. Dezember 2024.
- Garrett Alston, Nancy Love, Rabab Haider: Data Center Cooling Choices Shift Water Impacts Across the Grid, Preprint v1 vom 21. September 2026, Tabelle 2 und Abschnitt 5.2.
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.