Wer ein Sparkonto hat, hört bei sinkenden Zinsen meist eine einfache Botschaft: Das Geld bringt weniger. Für Banken könnte das ebenfalls nach schlechteren Zeiten klingen. Doch Zinsen haben in ihrer Rechnung zwei Seiten. Sie erhalten Zinsen auf Kredite und Wertpapiere, zahlen aber auch Zinsen auf Einlagen und andere Finanzierung. Wenn die zweite Seite schneller schrumpft als die erste, kann der Abstand wachsen. Genau das hilft, die neue Bundesbank-Auswertung für 2025 zu verstehen: Die operativen Erträge deutscher Kreditinstitute stiegen trotz der fortgesetzten Leitzinssenkungen auf einen Höchststand.
Zwei Seiten derselben Zinsrechnung
Die Bundesbank beziffert die operativen Erträge für 2025 auf 172,5 Milliarden Euro, 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Zinsüberschuss – vereinfacht: Zinserträge abzüglich Zinsaufwendungen, ergänzt um weitere laufende Erträge – stieg auf 109,9 Milliarden Euro. Das ist keine Aussage darüber, dass jeder Kredit teurer wurde. Im Gegenteil: Die Zinserträge im engeren Sinne gingen um 19,0 Prozent zurück. Nur sanken die Zinsaufwendungen noch stärker, um 26,3 Prozent. Die Bankenseite der Rechnung wurde dadurch günstiger, während Erträge aus länger laufenden Geschäften nicht im gleichen Tempo wegbrachen.
Warum laufen diese beiden Größen nicht gleich schnell? Ein Wohnungsbaukredit kann für Jahre einen festen Zinssatz haben; die Konditionen vieler Einlagen lassen sich schneller anpassen. Die Bundesbank nennt kürzere Zinsbindungsfristen auf der Passivseite und insgesamt gesunkene Einlagenzinsen als wesentliche Erklärung. Das ist ein Mechanismus der Bestände, keine Behauptung, dass jede einzelne Bank oder jedes Konto denselben Verlauf hatte. Auch die beiden Prozentwerte darf man nicht schlicht voneinander abziehen: Sie beziehen sich auf unterschiedlich große Bruttobeträge.
Das Geschäft besteht nicht nur aus Zinsen
Eine zweite Säule wird im Alltag leicht übersehen. Der Provisionsüberschuss stieg laut Bundesbank-Bericht um 6,4 Prozent auf 43,6 Milliarden Euro. Dazu zählen unter anderem Erträge aus Zahlungsverkehr und Wertpapiergeschäften nach den zugehörigen Provisionsaufwendungen. Bei den operativen Erträgen war das Wachstum zudem breiter als ein einzelner spektakulärer Abschluss: 900 von 1.171 betrachteten Instituten hielten oder steigerten ihr Vorjahresniveau. Zugleich entfiel fast die Hälfte des gesamten Zuwachses auf eine einzige Großbank. Beides gehört zur Geschichte – die Breite und der Ausreißer.
Hohe Erträge sind noch kein Gewinnversprechen
Operative Erträge sind nicht gleich Gewinn. Von ihnen gehen etwa Verwaltungskosten und Aufwendungen für Kreditrisiken ab. Die Bundesbank beschreibt höhere Verwaltungsaufwendungen und bei einem Großteil der Institute gestiegenen Netto-Bewertungsaufwand. Ein einzelnes großes Institut wirkte bei diesem Bewertungsaufwand gegenläufig, sodass die Summe des Bankensystems die Belastung kleiner erscheinen lässt. Wer allein auf eine Gesamtzahl blickt, übersieht also Unterschiede zwischen Häusern und Geschäftsmodellen.
Die Erkenntnis für Sparer ist deshalb keine Formel für den eigenen Zins und auch keine Garantie für künftige Bankgewinne. Sie ist eine bessere Lesart der nächsten Bankbilanz: Entscheidend ist nicht, ob „die Zinsen“ steigen oder fallen. Entscheidend ist, wie schnell Einnahmen und Finanzierungskosten auf die Bewegung reagieren – und welche Provisionen und Risiken daneben stehen.
Quellen
- Deutsche Bundesbank: Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2025, Monatsbericht September 2026, Aufsatz vom 16. September 2026.
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