Automobil

Warum E-Autos teurer wirken, obwohl vergleichbare Modelle günstiger wurden

Der Angebotsmedian für E-Autos stieg, vergleichbare Modelle wurden laut ICCT und Fraunhofer ISI real aber günstiger. Der Grund liegt im Modellmix.

Von Wolfgang

24. Juli 20266 Min. Lesezeit

Warum E-Autos teurer wirken, obwohl vergleichbare Modelle günstiger wurden

Der Angebotsmedian für E-Autos stieg, vergleichbare Modelle wurden laut ICCT und Fraunhofer ISI real aber günstiger. Der Grund liegt im Modellmix.

Ein Blick in aktuelle Preislisten zeigt vor allem größere und teurere Elektroautos. Das kann den Eindruck erwecken, der Markt entferne sich von bezahlbarer Mobilität. Eine neue Auswertung von ICCT und Fraunhofer ISI zeigt jedoch ein anderes Bild: Vergleichbare E-Auto-Modelle wurden zwischen 2020 und 2025 inflationsbereinigt rund 18 Prozent günstiger. Der sichtbare Preisanstieg und der reale Preisrückgang widersprechen sich nicht – sie beschreiben zwei unterschiedliche Vergleiche.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Der nominale Median der angebotenen E-Auto-Modelle stieg laut Studie von rund 37.000 Euro im Jahr 2020 auf 53.000 Euro 2025.
  • Vergleichbare Modelle wurden im merkmalskontrollierten, inflationsbereinigten Vergleich rund 18 Prozent günstiger.
  • Der Unterschied entsteht vor allem durch den Modellmix: Das Angebot wuchs stark in mittleren und größeren Segmenten.
  • Für kleine, preisorientierte Fahrzeuge bleibt die Auswahl dünner. Und ein Listenpreis ist noch keine persönliche Kostenrechnung.

Zwei Vergleiche, zwei Antworten

Beim ersten Blick auf das Angebot wirkt der Befund eindeutig: Der Median der in der Studie erfassten E-Auto-Modelle lag 2020 bei rund 37.000 Euro und 2025 bei rund 53.000 Euro. Das ist ein nominaler Anstieg. Er sagt aber zunächst nur, welche Fahrzeuge im jeweiligen Jahr in der Modellliste stehen. Er beantwortet nicht die Frage, ob ein vergleichbares Fahrzeug teurer oder günstiger geworden ist.

Genau dort setzt die Untersuchung an. Die Forschenden verfolgen wiederkehrende Modelle über die Zeit und berücksichtigen dabei unter anderem Masse, Leistung, Batteriekapazität und elektrische Reichweite. Anschließend rechnen sie die Preise um die Inflation bereinigt. In diesem Modellvergleich lagen die Preise für Batterieelektroautos rund 18 Prozent niedriger. Das ist kein Rabattversprechen für jedes einzelne Fahrzeug. Es ist ein Befund über vergleichbare Modelle im Datensatz.

Beide Aussagen können deshalb gleichzeitig stimmen. Der Warenkorb im Angebot wurde teurer, während ähnliche Fahrzeuge real günstiger wurden. Wer diese Ebenen vermischt, erhält eine scheinbar klare, aber falsche Marktgeschichte.

Warum der Angebotsmedian steigt

Der wichtigste Grund liegt im Modellmix. Nach der Studiendefinition wuchs das Angebot elektrischer Modelle von 38 im Jahr 2020 auf 159 im Jahr 2025. Gleichzeitig verlagerte sich ein großer Teil des Angebots in mittlere Segmente. 116 der 159 E-Auto-Modelle, also 73 Prozent, entfielen 2025 auf die drei mittleren Segmente.

Das verändert den Median auch dann, wenn einzelne Modellreihen günstiger werden. Wenn mehr SUVs, Limousinen oder größere Familienfahrzeuge zur Auswahl stehen, verschiebt sich die Mitte der Modellliste nach oben. Der Median ist damit ein guter Sensor für die Struktur des Angebots, aber kein Ersatz für einen Vergleich ähnlicher Fahrzeuge.

Redaktionelle Grafik trennt eine vielfältige Reihe unterschiedlich großer Elektroautos von einem Vergleich zweier gleichartiger kompakter Elektroautos.
Der Angebotsmix und der Vergleich ähnlicher Modelle beantworten zwei verschiedene Preisfragen – durch KI erzeugt

Was die 18 Prozent messen – und was nicht

Die Auswertung stützt sich auf 135.418 Rohbeobachtungen beziehungsweise mehr als 100.000 Kombinationen aus Marke, Modell, Antrieb und Spezifikationen im ADAC-Datensatz. Betrachtet wurde der Zeitraum von Januar 2020 bis zu einem Teil des Septembers 2025. Das Jahr 2025 ist also kein vollständiges Kalenderjahr.

Erfasst wurden Hersteller-Listenpreise einschließlich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Nicht enthalten sind individuelle Händlerrabatte, Leasingraten, Gebrauchtpreise oder der spätere Wertverlust. Auch die Modelle wurden nicht nach Absatz gewichtet. Ein selten verkauftes Fahrzeug zählt im Modellvergleich daher genauso wie ein Volumenmodell.

Die Methode macht den Befund belastbar, grenzt seine Reichweite aber zugleich ein. Die Studie zeigt eine Veränderung im Produktangebot und bei vergleichbaren Listenpreisen. Sie kann nicht beantworten, welches Angebot eine einzelne Familie in einer bestimmten Stadt erhält oder ob ein Leasingvertrag günstiger ausfällt.

Mehr Auswahl heißt nicht automatisch mehr kleine Auswahl

Der Markt ist breiter geworden, aber nicht gleichmäßig. Im Mini- und Kleinwagensegment zählte die Studie 2025 19 elektrische Modelle gegenüber 35 Verbrenner-Modellen. Gerade für Haushalte, die ein kompaktes und preislich überschaubares Auto suchen, bleibt das relevant.

Die aktuelle ADAC-Übersicht zu Elektro-Kleinwagen hilft bei der Orientierung im heutigen Angebot. Sie ersetzt aber nicht die historische Modellzählung der Studie: Varianten, Batteriegrößen und lokale Verfügbarkeit folgen einer anderen Logik. Ein größeres Angebot insgesamt sagt also noch nichts darüber aus, wie leicht sich ein passendes kleines Auto finden lässt.

Zwei Erwachsene betrachten auf einer Wohnstraße einen kompakten elektrischen Hatchback und ein größeres elektrisches Familienfahrzeug neben einem Ladepunkt.
Bei kleinen E-Autos zählen verfügbare Modelle, Platzbedarf und die eigene Nutzung zusammen – durch KI erzeugt

Sinkende Batteriekosten kommen nur teilweise im Listenpreis an

Der ICCT-Report verweist auf global gesunkene Batteriepackpreise von nominal rund 21 bis 24 Prozent zwischen 2020 und 2025. Diese Veränderung wurde laut Bericht nicht vollständig in die Listenpreise weitergegeben. Das erklärt den Abstand zwischen technischem Fortschritt und dem Preis auf der Liste.

Eine Prognose für weitere Preisrückgänge lässt sich daraus nicht ableiten. Hersteller kalkulieren nicht nur Batteriezellen, sondern auch Entwicklung, Ausstattung, Produktion und Positionierung ihrer Modelle. Für die Einordnung reicht ein nüchterner Schluss: Sinkende Kosten im Hintergrund sind ein Faktor, aber keine Preisgarantie an der Preistafel.

Was Kaufinteressierte daraus ableiten können

Für die Kaufentscheidung korrigiert der 18-Prozent-Wert vor allem den ersten Eindruck. Der Markt hat sich bei vergleichbaren Modellen real nach unten bewegt, auch wenn Preislisten durch größere Segmente teurer wirken. Daraus folgt nicht, dass jedes Angebot attraktiv ist.

Wer Modelle vergleicht, sollte zuerst Segment und Ausstattung sauber nebeneinanderlegen. Danach kommen der tatsächliche Angebotspreis oder die Leasingkonditionen. Danach gehören Strom, Versicherung, Wartung und Wertverlust in die Rechnung. Der ADAC trennt diese Kostenbausteine ebenfalls vom reinen Kaufpreis. Ohne konkrete Annahmen bleibt eine pauschale Gesamtkostenrechnung spekulativ.

Meine Einschätzung: Der Befund zeigt einen reiferen Markt, löst die Kleinwagenfrage aber nicht. Vergleichbare E-Autos sind real günstiger geworden. Ob das im Alltag ankommt, entscheidet sich jedoch weiterhin beim passenden Segment, beim konkreten Angebot und bei den laufenden Kosten.

Checkliste für den Vergleich

  • Vergleiche Fahrzeuge derselben Größenklasse und mit ähnlicher Ausstattung.
  • Trenne Listenpreis und tatsächliches Angebot.
  • Prüfe, ob Kauf oder Leasing zur eigenen Nutzung passt.
  • Betrachte Strom, Versicherung, Wartung und Wertverlust getrennt vom Fahrzeugpreis.
  • Bei Kleinwagen: Verfügbarkeit und Varianten genau prüfen.

FAQ

Sind E-Autos jetzt pauschal 18 Prozent billiger?

Nein. Die 18 Prozent beziehen sich auf einen inflationsbereinigten, merkmalskontrollierten Vergleich vergleichbarer Modelle im untersuchten Datensatz. Der nominale Median des Angebots stieg zugleich.

Warum wirkt das Angebot trotzdem teurer?

Weil seit 2020 deutlich mehr Modelle in mittleren und größeren Segmenten angeboten werden. Diese Verschiebung hebt die Mitte der Modellliste an.

Sagt der Befund etwas über meine Gesamtkosten?

Nein. Die Studie wertet Hersteller-Listenpreise aus. Rabatte, Leasing, Strom, Versicherung, Wartung, Gebrauchtpreis und Wertverlust sind davon getrennt zu prüfen.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-24