Wer gerade einen neuen Stromvertrag braucht, sieht oft höhere Angebote als noch vor wenigen Monaten. Nach Daten des Vergleichsportals Verivox lagen Strompreise für Neukunden im März 2026 bei rund 28 Cent pro Kilowattstunde, während Grundversorgung und viele ältere Verträge deutlich darüber liegen können. Für dich ist das wichtig, wenn du umziehst, in der Grundversorgung gelandet bist oder dein Vertrag ausläuft. Der Punkt ist: Trotz des Strompreis Anstieg 2026 kann sich ein Wechsel weiter lohnen, wenn du auf Preisgarantie, Vertragsstruktur und den tatsächlichen Jahrespreis achtest.
Das Wichtigste in Kürze
- Verivox nennt für März 2026 einen durchschnittlichen Neukundenpreis von etwa 28 Cent pro Kilowattstunde bei Tarifen mit 12 Monaten Preisgarantie und eingerechneten Boni.
- Besonders teuer bleibt oft die Grundversorgung. Im von Verivox veröffentlichten Beispiel für 4.000 Kilowattstunden lag der Abstand bei gut 513 Euro pro Jahr.
- Ein Wechsel lohnt sich vor allem für Umziehende, Haushalte in der Grundversorgung und Kunden mit auslaufenden Altverträgen. Weniger attraktiv sind Tarife, die ihren Vorteil fast nur aus Boni ziehen.
Einleitung
Wenn du gerade einen neuen Stromvertrag brauchst, ist der Schock oft nicht die Rechnung selbst, sondern der erste Blick in den Tarifvergleich. Viele Haushalte kommen aus günstigen Altverträgen, ziehen um oder landen nach einem Auszug erst einmal in der Grundversorgung. Genau dann zeigt sich, wie stark sich Neuverträge, Bestandskundenpreise und Standardtarife auseinanderentwickelt haben.
Der aktuelle Aufhänger sind neue Daten eines Vergleichsportals. Sie zeigen keine politische Entscheidung und auch keine neue Marktregel, sondern eine Momentaufnahme des Endkundengeschäfts. Für Verbraucher ist das trotzdem relevant, weil genau diese Angebote im Alltag zählen. Wer jetzt wechseln muss, will wissen, ob sich der Aufwand noch rechnet, warum die Preise gerade wieder anziehen und worauf es in den nächsten Monaten ankommt. Darum geht es hier: um die Mechanik hinter dem Anstieg, um die Unterschiede zwischen Kundengruppen und um die Frage, wie du trotz teurerer Neuverträge langfristig Stromkosten drücken kannst.
Was bei Strompreise Neukunden gerade zu sehen ist
Verivox gibt für den 25. März 2026 einen durchschnittlichen Strompreis für Neukunden von rund 28 Cent pro Kilowattstunde an. Die Zahl bezieht sich auf den jeweils günstigsten Tarif pro Postleitzahl für einen Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Eingerechnet sind Boni, vorausgesetzt der Tarif enthält eine Preisgarantie von 12 Monaten.
Das ist wichtig, weil diese Zahl nicht den gesamten Strommarkt beschreibt, sondern den Markt für neue Abschlüsse. Bestandskunden können in älteren Verträgen günstiger oder teurer liegen. Noch deutlicher ist oft der Abstand zur Grundversorgung. Dort landen viele Haushalte automatisch, etwa nach einem Umzug oder wenn ein alter Vertrag endet und noch kein neuer aktiv ist.
Ein konkretes Verivox-Beispiel macht den Unterschied greifbar. Für einen Haushalt in Würzburg mit 4.000 Kilowattstunden pro Jahr nennt das Portal 1.031,44 Euro für den günstigsten Tarif und 1.544,73 Euro in der Grundversorgung. Die Differenz liegt bei 513,29 Euro. Das heißt nicht, dass jeder Haushalt genau so viel spart. Es zeigt aber ziemlich klar, warum ein Wechsel selbst bei steigenden Neukundenpreisen oft noch sinnvoll ist.
Warum Neuverträge teurer wirken als viele erwarten
Strompreise entstehen aus mehreren Bausteinen. Die Bundesnetzagentur nennt als zentrale Bestandteile Beschaffung, Vertrieb, Netzentgelte sowie Steuern, Abgaben und Umlagen. Für dich heißt das: Ein höherer Tarif muss nicht nur am eigentlichen Strom liegen. Schon Änderungen bei Netzkosten oder beim Einkauf der Energie schlagen durch.
Verivox beschreibt die Rechnung ähnlich und weist darauf hin, dass Tarife aus Arbeitspreis und Grundpreis bestehen. Gerade das wird oft übersehen. Ein vermeintlich günstiger Tarif pro Kilowattstunde kann für kleine Haushalte unattraktiv sein, wenn der feste Grundpreis hoch ist. Umgekehrt lohnt sich ein niedriger Arbeitspreis besonders bei höherem Verbrauch.
Warum steigen Neukundenpreise gerade jetzt wieder spürbar an, obwohl es 2025 und 2026 auch Entlastung bei Netzentgelten gab? Ein Teil der Antwort liegt in der Beschaffung. Anbieter kaufen Strom nicht alle zum gleichen Zeitpunkt ein. Wer vorsichtiger einkauft oder Risiken stärker absichert, kalkuliert anders als ein Anbieter, der kurzfristig aggressive Tarife in den Markt drückt. Dazu kommt Unsicherheit im Wettbewerb. Manche Portale zeigen stark rabattierte Angebote mit Boni, andere Tarife sind konservativer kalkuliert. Das macht den Markt unruhig und für Verbraucher schwerer lesbar.
Die Bundesregierung hatte für 2026 auf niedrigere Netzentgelte verwiesen, gestützt durch Bundesmittel. Das bremst den Preisdruck zwar, löst ihn aber nicht komplett auf. Denn Netzentgelte sind nur ein Teil der Rechnung. Wenn Beschaffung und Vertrieb teurer werden oder Anbieter weniger offensiv um Neukunden werben, steigen die Endpreise im Neuabschluss trotz einzelner Entlastungen.
Für wen sich Stromanbieter wechseln noch lohnt
Am meisten profitieren meist drei Gruppen. Erstens Haushalte in der Grundversorgung. Dort ist der Preis häufig am höchsten, weil der Tarif als Auffanglösung gedacht ist und nicht als Sparmodell. Zweitens Umziehende, die kurzfristig neu abschließen müssen. Drittens Kunden, deren alter Vertrag ausläuft und die danach stillschweigend in einen teureren Folgetarif rutschen könnten.
Weniger eindeutig ist die Lage für Haushalte mit noch laufendem Altvertrag und gutem Preis. Wenn dein Tarif bereits günstig ist und eine breite Preisgarantie enthält, musst du nicht aus Prinzip wechseln. Dann lohnt eher ein Vergleich einige Wochen vor Vertragsende. Der Zeitpunkt ist wichtig, weil viele Anbieter langfristige Bindung mit mäßigem Preis kombinieren, während günstige Kurzläufer stärker schwanken können.
Entscheidend ist nicht nur der beworbene Kilowattstundenpreis. Du solltest auf den Gesamtpreis im ersten Vertragsjahr schauen, auf die Höhe des Grundpreises und auf die Art der Preisgarantie. Verivox unterscheidet zwischen umfassenderen Preisgarantien und Varianten, die nur einzelne Preisbestandteile absichern. Das ist keine Kleinigkeit. Wenn sich Steuern, Umlagen oder bestimmte Netzbestandteile ändern, kann der Endpreis trotz Garantie steigen.
Eine einfache Faustregel hilft. Ein Wechsel ist meist attraktiv, wenn du aus der Grundversorgung kommst, dein alter Vertrag deutlich über dem aktuellen Markt liegt oder der neue Tarif ohne überzogene Boni auch im zweiten Jahr vernünftig aussieht. Skeptisch solltest du werden, wenn ein Angebot fast nur über Einmalbonus billig wirkt oder wenn die Vertragsbedingungen unübersichtlich sind. Dann sparst du vielleicht im ersten Jahr, zahlst aber danach drauf.
Wie sich die Lage weiterentwickeln könnte
Für die kommenden Monate sind zwei Richtungen plausibel. Das erste Szenario ist eine Stabilisierung. Dafür spricht, dass Entlastungen bei den Netzentgelten bereits wirken und der Strommarkt nicht mehr in der Ausnahmelage früherer Krisenjahre steckt. Wenn Anbieter ihre Beschaffungskosten besser planen können und der Wettbewerb um Neukunden wieder schärfer wird, könnten sich Neuverträge auf dem aktuellen Niveau einpendeln oder leicht nachgeben.
Das zweite Szenario sind neue Preisschwankungen. Die Strombeschaffung bleibt anfällig für Marktbewegungen, und regionale Unterschiede bei Netzkosten bleiben ein Thema. Das betrifft vor allem Neukunden, weil neue Angebote schneller auf veränderte Kalkulationen reagieren als ältere Verträge mit Preisbindung. Bestandskunden merken Änderungen oft erst später.
Für dich folgt daraus keine hektische, aber eine klare Strategie. Wenn du jetzt einen Vertrag brauchst, ist Warten nur dann sinnvoll, wenn du bereits in einem günstigen und sicheren Tarif sitzt. In der Grundversorgung oder in einem teuren Ersatzmodell ist der Spielraum meist sofort da. Gute Verträge erkennt man nicht daran, dass sie spektakulär billig wirken, sondern daran, dass Preis, Laufzeit und Garantie zusammenpassen.
Langfristig senken drei Dinge die Stromkosten am zuverlässigsten: ein sauber getimter Vergleich vor Vertragsende, eine realistische Preisgarantie und der Blick auf den Gesamtpreis statt auf die Werbezahl. Das klingt fast banal. Im Strommarkt macht genau dieser nüchterne Blick aber oft den Unterschied zwischen einem fairen Vertrag und einem, der nur auf dem ersten Bildschirm gut aussieht.
Fazit
Steigende Neukundenpreise bedeuten nicht automatisch, dass sich ein Anbieterwechsel nicht mehr lohnt. Im Gegenteil. Gerade wer in der Grundversorgung steckt, umzieht oder vor einem neuen Abschluss steht, kann trotz des Strompreis Anstieg 2026 oft noch spürbar sparen. Wichtig ist nur, die richtige Vergleichsfrage zu stellen. Nicht: Ist der neue Vertrag teurer als noch vor Monaten? Sondern: Ist er günstiger und verlässlicher als das, was ich ohne Wechsel zahlen würde?
Der Markt bleibt unübersichtlich, weil Neuverträge, Bestandskundenpreise und Grundversorgung nach eigenen Regeln laufen. Dazu kommen Boni, unterschiedliche Preisgarantien und regionale Netzkosten. Wer das ignoriert, sieht nur eine große Zahl und entscheidet aus dem Bauch. Wer genauer hinschaut, findet oft noch vernünftige Tarife. Der Wechsel lohnt sich also nicht immer, aber in sehr vielen typischen Alltagssituationen weiterhin klar.
Wenn dein Vertrag bald endet oder du gerade umziehst, lohnt ein nüchterner Tarifcheck mehr als jede Bauchentscheidung.