Finanzen

Wie Staatsanleihen eine Bank in die Krise ziehen können

Staatsanleihen sind für Banken wichtig. Ein neuer Modellvergleich zeigt, wann ein großer Heimatstaat-Bestand zum Risiko wird und weshalb Streuung helfen kann.

Von Wolfgang

25. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Wie Staatsanleihen eine Bank in die Krise ziehen können

Staatsanleihen gelten als sichere und leicht verkäufliche Anlagen. Für eine Bank kann gerade das zur Falle werden, wenn sie sehr viele Anleihen ihres eigenen Landes hält. Gerät dieser Staat unter Druck, sinkt der Wert der Papiere und damit womöglich auch der finanzielle Puffer der Bank. Eine neue Bundesbank-Analyse zeigt in Stressszenarien: Die Menge allein ist nicht der entscheidende Punkt. Es kommt darauf an, wie stark eine Bank auf einen Staat setzt.

Warum eine Anleihe ihren Wert verliert

Eine Staatsanleihe ist ein Kredit an den Staat. Verlangen Anleger plötzlich einen höheren Risikoaufschlag für neue Anleihen, verlieren ältere Papiere mit niedrigeren Zinsen an Marktwert. Hält eine Bank viele davon, kann der Schock ihre Bilanz treffen. Ein einzelner Staat kann so zum gemeinsamen Risiko für viele Banken seines Landes werden. Müssen Banken daraufhin ihre Kreditvergabe einschränken, erreicht der Schock auch Unternehmen und Haushalte. Eine Bankenrettung könnte umgekehrt den Staatshaushalt belasten. Diese mögliche Rückkopplung beschreibt die Bundesbank als Staaten-Banken-Verflechtung.

Der Weg in eine solche Lage beginnt oft unspektakulär. Heimische Staatsanleihen sind vertraut, liquide und für Banken regulatorisch begünstigt. Forderungen an Eurostaaten können unter den beschriebenen Voraussetzungen ein Risikogewicht von null Prozent erhalten und von Großkreditgrenzen ausgenommen sein. Null Prozent ist dabei eine aufsichtsrechtliche Behandlung, keine Aussage, dass der Marktwert niemals fallen kann. Die Bundesbank betont zugleich: Diese Regeln erklären die Vorliebe für heimische Papiere nicht allein. Kenntnisse des Heimatmarkts, Rendite und politische Einflüsse spielen ebenfalls mit.

Mehrere unbeschriftete Papierstapel werden auf einem Tisch verteilt
KI-generiertes Symbolbild: Ein einzelner großer Bestand und mehrere kleinere Bestände veranschaulichen Konzentration und Streuung; keine echten Wertpapiere.

Was die Streuung im Stresstest verändert

Für ihre Modellrechnung setzt die Bundesbank 79 große Banken im Euroraum, darunter 16 deutsche Institute, einem kräftigen Anstieg der Risikoaufschläge aus. Dann vergleicht sie die Verluste bei den vorhandenen Staatsanleihebeständen mit hypothetisch breiter gestreuten Portfolios. Im länderspezifischen Szenario sinkt die harte Kernkapitalquote der betrachteten deutschen Banken im Durchschnitt um 0,8 Prozentpunkte. Bei einer der angenommenen Streuungsvarianten wären es 0,3 Prozentpunkte. Die Quote misst, wie viel besonders belastbares Eigenkapital eine Bank im Verhältnis zu ihren Risiken hat. Der Unterschied entsteht im Modell, weil der Schock bei einem breiter verteilten Portfolio weniger Anleihen derselben Herkunft zugleich trifft. Die Modellmethodik nennt aber auch ihre Grenze: Bilanzierung, Bewertung und Absicherung können den tatsächlichen Effekt auf das Eigenkapital verändern. Die Zahlen sind keine Verlustprognose für eine bestimmte Bank.

Ein wichtiger Gegenbefund kommt von der Europäischen Zentralbank. In vielen Euroländern ist der Anteil heimischer Papiere an den Staatsanleiheportfolios zuletzt gesunken. Die Liquiditätspuffer der Banken sind hoch. Das macht die simulierte Gefahr nicht gegenstandslos, beschreibt aber den gegenwärtigen Zustand anders als ein Bild von Banken, die bereits flächendeckend in einer Staatsanleihenkrise stecken. Gleichzeitig wachsen die Staatsanleihebestände in den Liquiditätspuffern: Die Banken gewinnen handelbare Reserven und tragen dafür mehr Bewertungsrisiko.

Warum die naheliegende Regel eine schwierige Entscheidung ist

Die Bundesbank stellt zwei mögliche Regeln zur Diskussion: Ab einer hohen Forderung gegenüber einem einzelnen Staat könnte eine Bank mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Oder eine feste Grenze könnte solche Bestände deckeln. Beides würde die Anreize zur Streuung verändern. Doch Staatsanleihen dienen Banken auch als schnell verfügbare Reserven und als Sicherheiten für Geschäfte. Eine abrupte Umlenkung der Nachfrage könnte die Finanzierung einzelner Staaten verteuern. Deshalb hängt die Wirkung solcher Vorschläge von Schwellenwerten und Übergangsfristen ab; beschlossen sind sie damit nicht.

Die überraschende Einsicht des Vergleichs ist also kein Alarm über jede Staatsanleihe. Ein Wertpapier kann für sich nützlich und liquide sein, während eine einseitige Sammlung derselben Papiere die Bank verwundbar macht. Wie groß das Risiko im Ernstfall wäre, lässt sich aus dem Stresstest nicht für einzelne Institute oder Sparguthaben ablesen. Aber er zeigt, weshalb Bankenstabilität auch eine Frage der Verteilung ist.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.