Solarstrom Deutschland hat 2025 eine neue Rolle im deutschen Strommix eingenommen: Photovoltaik lieferte deutlich mehr Strom ins öffentliche Netz als noch 2024 und übertraf in der öffentlichen Netzeinspeisung einzelne Kohlearten. Das ändert die Wettbewerbsbedingungen für Kohle und Gas, beeinflusst Preise und Netzplanung und macht Fragen zu Speichern und Netzausbau drängender. Dieser Text erklärt, warum Photovoltaik 2025 so stark wuchs, welche Messgrößen hinter den Vergleichen stehen und was das praktisch bedeutet.
Einleitung
Viele Menschen merken Stromtrends erst an der Rechnung oder wenn eine Baustelle neue Leitungen errichtet. Hinter den Zahlen von 2025 steht aber ein klares Muster: Solarstrom wuchs kräftig, sowohl durch neue Freiflächenanlagen als auch durch eine starke Zunahme dezentraler Dachanlagen. Das Ergebnis: Photovoltaik lieferte 2025 mehr Strom in das öffentliche Netz als einzelne Kohlearten wie Braunkohle. Solche Vergleiche klingen einfach, sind in der Praxis aber technisch und methodisch vielschichtig.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher, Netzbetreiber und politische Entscheidungsträger stellt sich deswegen nicht nur die Frage, wie viel Solarstrom erzeugt wird, sondern wie, wann und wo er ins Netz gelangt. Die folgenden Kapitel ordnen die Zahlen, erklären Begriffe wie Nettoeinspeisung und Eigenverbrauch und zeigen, welche Folgen der Solarboom für Gas und Kohle hat — sachlich, mit Blick auf Planung und Alltagsrelevanz.
Solarstrom in Deutschland: Grundlagen
Photovoltaik ist ein Erzeuger, der Strom direkt aus Sonnenlicht macht. Entscheidend für Vergleiche mit Kohle und Gas sind zwei Messgrößen: die installierte Leistung (GWp) und die tatsächlich erzeugte Energie über ein Jahr (TWh). Ende 2025 betrug die installierte PV‑Modulleistung in Deutschland rund 116,9 GWp; der Jahresertrag lag bei knapp unter 90 TWh, davon wurden etwa 71 TWh ins öffentliche Netz eingespeist, der Rest blieb Eigenverbrauch oder wurde vor Ort genutzt.
Die wichtigste Klarstellung: Ob „Solar überholt Kohle“ stimmt, hängt davon ab, ob man Netzeinspeisung, Gesamterzeugung oder Bruttostromverbrauch vergleicht.
Die Bundesnetzagentur errechnete für 2025 einen Anteil erneuerbarer Erzeugung an der realisierten Nettostromerzeugung von 58,8 %. Fraunhofer ISE meldet ähnliche Größenordnungen, formuliert seine Werte aber bezogen auf die öffentliche Netz‑Load, was zu leicht abweichenden Prozentzahlen führt. Solche methodischen Unterschiede sind keine Randinfo: sie bestimmen, ob eine Statistik als Erfolgsmeldung oder als Hinweis auf weitere Handlungsbedarfe gelesen wird.
Die Tabelle unten fasst drei zentrale Kennzahlen zusammen.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| PV‑Jahresertrag | Elektrische Energie aus Photovoltaik, gesamt 2025 | ≈ 87 TWh |
| Installierte PV‑Leistung | Modulleistung (DC) Ende 2025 | ≈ 116,9 GWp |
| Erneuerbarer Anteil (Netto) | Realisierten Nettostromerzeugung 2025 | ≈ 58,8 % |
Kurz gesagt: Die PV‑Kapazität und Produktion stiegen 2025 stark. Das löst beim Strommarkt Effekte aus, die im nächsten Kapitel sichtbar werden.
Wie Solar einspeist und wie Kohle/Gas reagieren
Solarstrom erzeugt Energie vor allem tagsüber und saisonal stärker im Sommer. Kohle‑ und Gaskraftwerke liefern dagegen bedarfsgerecht und sind steuerbar. Wenn an sonnigen Tagen viel PV in das Netz eingespeist wird, sinkt kurzfristig der Bedarf an Strom aus Kohle und Gas; das zeigt sich in geringeren Einsatzstunden für Kraftwerke und in niedrigeren Day‑Ahead‑Preisen an der Börse.
Aber die Frage „überholt“ ist mehrdimensional: Photovoltaik kann in Jahresbilanzen konventionelle Erzeugung ersetzen, sie kann jedoch nicht jederzeit die Systemdienstleistungen (z. B. Bereitstellung von Regelenergie oder Dunkelfähigkeit) übernehmen, die konventionelle Kraftwerke liefern. In der Praxis bedeutet das: Am hellen Mittagspeak schaltet sich oft Kohle zuerst zurück; in Spitzenzeiten ohne Sonne bleibt Gas häufiger in Bereitschaft, weil Gaskraftwerke flexibler starten und stoppen.
Für die Jahre 2024–2025 zeigen die Messdaten ein Muster: Braunkohle‑Erzeugung ging zurück und lag 2025 bei etwa 67,2 TWh, während die PV‑Netzeinspeisung klar anstieg. Gas blieb mit rund 60 TWh weiterhin relevant, vor allem als Lückenfüller bei Dunkelflauten. Deshalb ist die Formulierung, Solar habe „Kohle und Gas überholt“, nur mit Präzision haltbar: PV überholte Braunkohle in der öffentlichen Netzeinspeisung 2025; gegenüber der gesamten fossilen Erzeugung (inkl. Steinkohle, Gas) ergibt sich ein anderes Bild.
Chancen und Risiken für Versorgungssicherheit und Preise
Mehr Solarstrom reduziert im Jahresmittel die Brennstoffkosten des Stromsystems. Das drückt tendenziell die Strombörsenpreise an sonnigen Tagen und verringert die Laufzeiten konventioneller Kraftwerke, wodurch Emissionen sinken können. Für Verbraucher:innen bedeutet das nicht automatisch niedrigere Jahreskosten; Marktpreisauswirkungen, Netzentgelte und politische Umlagen spielen mit hinein.
Risiken ergeben sich hauptsächlich aus dem zeitlichen Muster der Erzeugung. Dunkelflauten — Phasen mit wenig Wind und wenig Sonne — bleiben Chancenmomente für Gas, da Gaskraftwerke schnell einspringen können. Ohne ausreichende Speicherkapazität und Netzausbau wächst die Notwendigkeit, fossile Kraftwerke länger vorzuhalten oder verstärkt auf Import‑ und Exportoptionen zu setzen.
Technische Lösungen sind bekannt: mehr netzgebundene und dezentrale Speicher, Lastflexibilisierung (z. B. Ladezeiten von Elektroautos), Ausbau von Wind in Regionen mit stabiler Produktion sowie bessere Fernsteuerung und Marktdesign für Kapazitätsdienstleistungen. Ökonomisch sind Investitionen in Speicher und Netze jedoch kapitalintensiv; die politische Frage bleibt, wer Kosten trägt und wie Anreize gesetzt werden.
Was jetzt planungsrelevant wird
Für Netzbetreiber und Behörden heißt der Solarboom: schneller Netzausbau, gezieltere Ortsplanung und Integration von Speichern. Fraunhofer‑Szenarien zeigen, dass bis 2030 deutlich mehr Batteriespeicher nötig sind als heute installiert; Bedarfsschätzungen liegen in Szenarien bei mehreren 100 GWh. Ohne diese Kapazitäten drohen Engpässe in Spitzenzeiten und eine stärkere Abhängigkeit von kurzfristigen Gasimporten.
Für die Politik geht es um drei Handlungsfelder: Tempo beim Zubau erneuerbarer Kapazitäten halten, Genehmigungsprozesse für Netze und Windenergie beschleunigen und Rahmenbedingungen schaffen, die Speicherbau und Lastmanagement wirtschaftlich machen. Für Unternehmen sind Investitionen in flexible Erzeugung, virtuelle Kraftwerksdienste und Nachfragesteuerung relevant.
Bei allen Planungen bleibt Transparenz über die Datenbasis zentral: Aussagen wie „Solar überholt Kohle“ sollten immer die Vergleichsgröße nennen (Netzeinspeisung vs. Bruttostrombrauch). Nur so lassen sich Szenarien, Kostenabschätzungen und Priorisierungen ohne Missverständnisse bewerten.
Fazit
Der Ausbau der Photovoltaik hat 2025 die Dynamik des deutschen Strommarkts verändert: Solarstrom lieferte in der öffentlichen Netzeinspeisung so viel wie einzelne Kohlearten und trug entscheidend zum erneuerbaren Anteil von rund 58–59 % bei. Das Ergebnis ist weder nur symbolisch noch automatisch systemstabil: Es schafft günstigere Stundenpreise, reduziert CO₂‑Emissionen im Jahresverlauf und erhöht zugleich die Bedeutung von Speichern, Netzanbindungen und flexiblen Marktmechanismen. Wer die Aussage „Solar überholt Kohle und Gas“ nutzt, sollte die Bezugsgröße nennen; präzise Formulierungen helfen bei Planung und politischer Debatte.
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