Im zweiten Quartal 2026 stand im deutschen Stromsystem beides nebeneinander: so viel Solarstrom wie noch nie in einem Quartal – und einzelne sehr teure Viertelstunden am Abend. Das widerspricht sich nicht. Es zeigt, dass für den Strommarkt nicht nur die Menge zählt, sondern auch die Uhrzeit.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Die SMARD-Auswertung der Bundesnetzagentur weist für das zweite Quartal 2026 31,8 TWh Photovoltaik-Einspeisung aus – einen Quartalsrekord.
- Windenergie an Land lag zugleich 12,0 Prozent unter dem Vorjahresquartal.
- Der Day-Ahead-Durchschnitt betrug 95,21 Euro/MWh; im Vergleichsquartal waren es 69,73 Euro/MWh. Eine Prozentangabe bleibt wegen widersprüchlicher Angaben auf der Primärseite bewusst außen vor.
- Die Spitze von 747,10 Euro/MWh betrifft eine einzige 15-Minuten-Periode am 24. Juni 2026, nicht den Strompreis von Haushalten oder den Quartalsdurchschnitt.

Mittags reichlich Strom, abends eine andere Lage
Eine Quartalsbilanz glättet den Tagesverlauf. Solaranlagen liefern ihren größten Beitrag in den hellen Stunden. Sobald die Sonne sinkt, fällt diese Erzeugung schnell weg. Der Strombedarf endet damit aber nicht. Dann muss der verbleibende Bedarf aus Wind, anderen Kraftwerken, Speichern, flexibler Nachfrage oder dem Handel gedeckt werden.
Genau darin liegt die Spannung des zweiten Quartals: Der Solarrekord beschreibt eine große Energiemenge über drei Monate. Eine teure Viertelstunde beschreibt dagegen eine eng begrenzte Marktsituation. Beides beantwortet unterschiedliche Fragen und lässt sich deshalb nicht gegeneinander ausspielen.
Solarrekord, weniger Wind, höherer Day-Ahead-Durchschnitt
Der am 3. August veröffentlichte SMARD-Bericht der Bundesnetzagentur nennt für das zweite Quartal 2026 31,8 TWh Photovoltaik-Einspeisung. Nach der Auswertung ist das ein Quartalsrekord. Gleichzeitig lag die Windenergie an Land 12,0 Prozent unter dem Vorjahresquartal.
Für den Day-Ahead-Großhandel weist SMARD im Quartal durchschnittlich 95,21 Euro/MWh aus; im Vergleichsquartal waren es 69,73 Euro/MWh. Bei der prozentualen Einordnung finden sich auf der Primärseite widersprüchliche Angaben. Deshalb bleiben hier die absoluten Werte maßgeblich.
Das Muster lässt sich so beschreiben, ohne eine einfache Ursache zu erfinden: Viel Solarstrom zur Mittagszeit und weniger Windenergie im Quartalsvergleich können zusammen auftreten. Was einzelne Preisphasen bestimmt, muss für jede konkrete Viertelstunde getrennt geprüft werden.

747,10 Euro/MWh waren keine Rechnung für den Haushalt
Am 24. Juni 2026 stach eine Day-Ahead-Periode besonders hervor: Für 15 Minuten wurden 747,10 Euro/MWh ausgewiesen. Die Zahl ist hoch, aber ihre Einordnung ist entscheidend. Sie steht weder für einen Tagespreis noch für den Monatsdurchschnitt und schon gar nicht für einen Tarif auf einer privaten Stromrechnung.
Day-Ahead-Preise entstehen im Großhandel für bestimmte Lieferzeiten. Ob und wie solche Marktpreise bei Haushalten oder Betrieben ankommen, hängt unter anderem von Vertrag, Beschaffung, Netzentgelten, Steuern und dem jeweiligen Tarifmodell ab. Aus einer einzelnen Marktviertelstunde lässt sich daher keine unmittelbare Belastung ableiten.
Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert für Deutschland vom 18. bis 28. Juni eine Hitzewelle. Das ordnet die Wetterlage zeitlich ein. Aus den DWD-Daten lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Hitze oder der Solarrekord diese konkrete Preisspitze verursacht hätten.
| Beobachtung | Was sie aussagt | Was daraus nicht folgt |
|---|---|---|
| 31,8 TWh Photovoltaik-Einspeisung | Solar lieferte im Quartal eine Rekordmenge. | Dass Solar in jeder Abendstunde verfügbar war. |
| 95,21 Euro/MWh Day-Ahead-Durchschnitt | Der Großhandelsdurchschnitt lag über dem Vergleichswert von 69,73 Euro/MWh. | Eine direkte Aussage über Haushalts- oder Standard-Gewerbetarife. |
| 747,10 Euro/MWh am 24. Juni | Eine einzelne 15-Minuten-Periode war außergewöhnlich teuer. | Dass dies der normale Strompreis des Tages oder Quartals war. |
Die Lücke zwischen Erzeugung und Bedarf wird zur Systemfrage
Der Bericht macht vor allem eine praktische Aufgabe sichtbar: Erzeugung und Verbrauch müssen zeitlich besser zusammenfinden. Speicher können Solarstrom in spätere Stunden verschieben. Flexible Verbraucher können Lasten verlagern, wenn das technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Netze und Handel gleichen regionale Unterschiede aus.
Das beantwortet nicht, welche einzelne Maßnahme diese Abendspitze verhindert hätte. Der Nutzen hängt von Standort, Netzsituation, Anlagenpark und Marktregeln ab. Der Ausbau erneuerbarer Erzeugung bleibt wichtig; für ein stabiles Tagesprofil braucht es zusätzlich Flexibilität.

Der naheliegende Einwand – und was er wirklich zeigt
Man könnte aus der teuren Viertelstunde folgern, dass der Solarrekord für hohe Preise steht. Gerade das geben die Daten nicht her. Solar erzeugt tagsüber viel Strom; die Abendspitze liegt in einem anderen Zeitfenster. Der Befund spricht nicht gegen Photovoltaik, sondern dafür, Mengenangaben und Zeitprofile auseinanderzuhalten.
Für die öffentliche Debatte ist das mehr als eine technische Fußnote. Wer nur auf Quartalsrekorde schaut, übersieht die Stunden, in denen Flexibilität gebraucht wird. Wer nur auf Spitzenpreise schaut, übersieht den Beitrag der Solarproduktion über das Quartal. Erst zusammen ergibt sich ein realistisches Bild des Stromsystems.
Was Haushalte und Betriebe daraus mitnehmen können
Für private Stromkundinnen und Stromkunden ist die erste Einordnung schlicht: Ein Day-Ahead-Wert ist kein Tarif. Wer einen festen Vertrag hat, sieht eine einzelne Viertelstunde nicht automatisch auf der Rechnung. Bei variablen Tarifen kann der Großhandel zeitlich stärker durchschlagen, doch auch dort gelten die Bedingungen des jeweiligen Produkts. Netzentgelte, Abgaben und die Beschaffung des Anbieters gehören weiterhin zur Rechnung.
Für Betriebe und kommunale Akteure führt der Befund eher zur Planungsfrage. Lasten lassen sich nicht beliebig verschieben. Manche Prozesse, Speicher oder Ladevorgänge können jedoch auf günstige Zeitfenster reagieren. Ob das sinnvoll ist, entscheidet nicht eine Quartalszahl, sondern der eigene Verbrauch, die technische Ausstattung und der Vertrag. Der neue SMARD-Datensatz liefert keinen fertigen Plan, aber einen guten Anlass, das Zeitprofil ernster zu nehmen.
Quellen und weiterführende Informationen
- SMARD / Bundesnetzagentur: Der Strommarkt im 2. Quartal 2026
- Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im Juni 2026
- Deutscher Wetterdienst: Hitzewelle trifft Deutschland im Juni 2026
- Fraunhofer ISE Energy-Charts: Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland
- pv magazine Deutschland / Montel: Hitzewelle sorgt für Rekord-Strompreise in Europa
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-05