Der Offshore-Windpark Coastal Virginia ist zu rund 71 Prozent fertiggestellt und soll ab 2026 Strom liefern. Doch was bedeutet das konkret für deine Stromrechnung? Laut Dominion Energy liegt das aktuelle Projektbudget bei etwa 11,5 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig spricht das Unternehmen von einer durchschnittlichen Entlastung von rund 0,57 US-Dollar pro Monat für typische Haushalte. Dieser Artikel ordnet die Zahlen ein und zeigt, welche Auswirkungen auf Strompreise in den USA und auf die Versorgungssicherheit realistisch sind.
Einleitung
Strompreise in den USA schwanken seit Jahren, und viele Haushalte fragen sich, ob neue Großprojekte die Rechnung weiter nach oben treiben. Der Offshore-Windpark Coastal Virginia gilt als eines der größten Energieprojekte an der US-Ostküste. Wenn ein Projekt dieser Größenordnung in Bau ist, geht es am Ende immer um drei Fragen: Wie viel kostet es, wann geht es ans Netz und was bedeutet das für meine monatliche Stromrechnung?
Laut einer Investorenpräsentation von Dominion Energy vom 30. Januar 2026 ist das Projekt zu etwa 71 Prozent abgeschlossen. Die Gesamtleistung soll 2.600 Megawatt betragen. Gleichzeitig wurde das Budget auf rund 11,5 Milliarden US-Dollar aktualisiert. Trotz dieser Summe spricht Dominion von einer leichten Entlastung für typische Haushalte. Ob das plausibel ist und welche Risiken noch im Raum stehen, schauen wir uns Schritt für Schritt an.
Baufortschritt, Leistung und Zeitplan
Der Offshore-Windpark Coastal Virginia besteht aus 176 Windturbinen des Typs Siemens Gamesa mit jeweils 14,7 Megawatt Leistung. Zusammen ergibt das eine installierte Kapazität von 2.600 Megawatt. Nach Angaben des Projektträgers sollen damit jährlich rund 9,5 Millionen Megawattstunden Strom erzeugt werden.
Laut Dominion Energy ist das Projekt seit Januar 2026 zu rund 71 Prozent fertiggestellt, die vollständige Inbetriebnahme wird für Anfang 2027 erwartet.
Erste Stromlieferungen wurden für das erste Quartal 2026 angekündigt. Die vollständige Fertigstellung verschob sich jedoch in das Jahr 2027. Hintergrund waren unter anderem eine behördliche Unterbrechung durch die US-Behörde BOEM im Dezember 2025 sowie juristische Auseinandersetzungen, die erst im Januar 2026 per einstweiliger Verfügung teilweise geklärt wurden.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Installierte Leistung | Gesamtleistung aller 176 Turbinen | 2.600 MW |
| Geplante Jahresproduktion | Erwartete Strommenge pro Jahr | ca. 9,5 Mio. MWh |
| Projektbudget | Aktualisierte Gesamtkosten | ca. 11,5 Mrd. USD |
Rein technisch betrachtet handelt es sich um ein Projekt, das in der Größenordnung eines großen konventionellen Kraftwerks liegt. Der Unterschied ist, dass die Energie auf See produziert wird und damit andere Bau- und Wetterrisiken mit sich bringt.
Projektkosten und Effekt auf die Stromrechnung
Die zentrale Frage lautet: Steigen durch den Offshore-Windpark Coastal Virginia die Strompreise? Laut Dominion Energy liegt das aktuelle Kapitalbudget bei rund 11,5 Milliarden US-Dollar. Ende 2025 waren davon etwa 9,3 Milliarden US-Dollar investiert, rund 2,2 Milliarden standen noch aus.
Für einen typischen Haushalt mit einem Verbrauch von 1.000 Kilowattstunden pro Monat gibt Dominion in der Präsentation vom 30. Januar 2026 eine durchschnittliche monatliche Entlastung von etwa 0,57 US-Dollar über die Projektlaufzeit an. In einer früheren Mitteilung aus Februar 2025 war noch von einer Mehrbelastung von 0,43 US-Dollar pro Monat die Rede.
Der Unterschied erklärt sich laut Unternehmen durch Kostenaufteilungen zwischen Investoren und Stromkunden sowie durch Erlöse aus sogenannten Renewable Energy Credits. Diese Zertifikate werden für erneuerbaren Strom ausgestellt und können am Markt verkauft werden. Ihr Wert fließt in die Kalkulation ein.
Entscheidend ist: Die Zahlen beruhen auf Annahmen zu Baukosten, Finanzierung und Erlösen. Sollten sich diese Parameter deutlich ändern, kann sich auch der Effekt auf die Stromrechnung verschieben.
Wie viele Haushalte profitieren wirklich?
Dominion gibt an, dass der Windpark Strom für bis zu 660.000 Haushalte liefern kann. Diese Zahl basiert auf einer erwarteten Jahresproduktion von rund 9,5 Millionen Megawattstunden.
Teilt man diese Strommenge durch den Verbrauch eines durchschnittlichen Haushalts, ergibt sich eine Größenordnung, die mit dieser Angabe übereinstimmt. Grundlage ist dabei ein typischer Verbrauch von rund 1.000 Kilowattstunden pro Monat.
Wichtig ist, dass diese Zahl eine rechnerische Größe ist. Der Strom aus dem Offshore-Windpark wird ins Netz eingespeist und dort verteilt. Es gibt also keine direkte Leitung vom Windpark zu einem bestimmten Haushalt. Dennoch erhöht jede zusätzliche Stromquelle die verfügbare Menge im Netz.
Für die Auswirkungen auf Strompreise in den USA ist daher weniger entscheidend, welcher einzelne Haushalt beliefert wird, sondern wie sich Angebot, Nachfrage und Erzeugungskosten insgesamt entwickeln.
Versorgungssicherheit und verbleibende Risiken
Ein Projekt dieser Größe beeinflusst auch die Versorgungssicherheit. 2.600 Megawatt installierte Leistung bedeuten, dass bei guten Windbedingungen große Mengen Strom ins Netz fließen. Das reduziert die Abhängigkeit von Gas- oder Kohlekraftwerken.
Allerdings hängt die tatsächliche Stromproduktion vom Wind ab. Die kalkulierte Jahresmenge von 9,5 Millionen Megawattstunden entspricht einem angenommenen Kapazitätsfaktor von rund 41 Prozent. Fällt der Wind schwächer aus oder kommt es zu längeren Wartungsphasen, sinkt die erzeugte Strommenge entsprechend.
Hinzu kommen politische und regulatorische Risiken. Die zeitweise Unterbrechung durch die Bundesbehörde BOEM im Dezember 2025 zeigt, dass auch genehmigte Projekte noch juristischen Prüfungen unterliegen können. Zudem können Zölle auf Stahl oder Komponenten die Restkosten erhöhen.
Laut Dominion lag die verbleibende Kostenreserve Anfang 2026 bei rund 155 Millionen US-Dollar. Das ist im Verhältnis zum Gesamtbudget kein großer Puffer. Größere zusätzliche Belastungen müssten neu bewertet werden.
Fazit
Der Offshore-Windpark Coastal Virginia ist zu rund 71 Prozent gebaut und soll Anfang 2027 vollständig in Betrieb sein. Mit 2.600 Megawatt Leistung und einer geplanten Jahresproduktion von etwa 9,5 Millionen Megawattstunden gehört er zu den größten Offshore-Projekten in den USA. Das aktuelle Budget liegt bei rund 11,5 Milliarden US-Dollar.
Für typische Haushalte wird laut Dominion derzeit eine leichte monatliche Entlastung von etwa 0,57 US-Dollar kalkuliert. Diese Zahl hängt jedoch von mehreren Annahmen ab, darunter Baukosten, Marktpreise für Zertifikate und regulatorische Entscheidungen. Die Versorgungssicherheit dürfte durch zusätzliche erneuerbare Kapazitäten steigen, bleibt aber wetterabhängig.
Wenn dich solche Großprojekte interessieren, diskutiere mit: Sind minimale Preisvorteile genug, um Milliardeninvestitionen zu rechtfertigen?