Erneuerbare Energien

Montenegro plant 150 MW Solar – beim Speicher ist noch vieles offen

Montenegro plant 150 MW Solar mit Masdar und EPCG. Warum der Pumpspeicher über 400 MW und das 2-GW-Ziel noch keine fertigen Projekte sind.

Von Wolfgang

29. Juli 20266 Min. Lesezeit

Montenegro plant 150 MW Solar – beim Speicher ist noch vieles offen

Montenegro plant 150 MW Solar mit Masdar und EPCG. Warum der Pumpspeicher über 400 MW und das 2-GW-Ziel noch keine fertigen Projekte sind.

150 MW Solar sollen in Montenegro in die gemeinsame Projektentwicklung gehen. Daneben steht ein deutlich größer wirkender Speicherwert: Mehr als 400 MW Pumpspeicherleistung. Doch diese Zahl beschreibt bislang nur einen Prüfrahmen. Auch das oft genannte Ziel von bis zu 2 GW ist keine Bauentscheidung, sondern die langfristige Ambition eines Joint Ventures von Masdar und dem staatlichen Versorger EPCG.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Für die Solarprojekte Štedim und Krupac wurden Joint Development Agreements vereinbart. Masdar beziffert sie mit 115 MW und 35 MW.
  • Mehr als 400 MW Pumpspeicher stehen nicht für ein konkretes Kraftwerk, sondern für einen Rahmen zur gemeinsamen Prüfung möglicher Projekte.
  • Bis zu 2 GW sind das langfristige, technologieübergreifende Ziel des 50:50-Joint-Ventures – nicht die Leistung der jetzt vereinbarten Vorhaben.
  • Die Stromverbindung zwischen Montenegro und Italien ist ein Infrastrukturkontext, aber kein Exportvertrag und keine Aussage über deutsche Strompreise.

Drei Vereinbarungen, drei Reifegrade

Die entscheidende Veränderung liegt nicht in einer einzelnen großen Zahl, sondern darin, dass die Partner ihre Arbeit in drei deutlich unterschiedliche Pakete aufteilen. Zwei benannte Solarprojekte sollen gemeinsam entwickelt werden. Für Pumpspeicher wollen Masdar und EPCG erst prüfen, welche Projekte überhaupt sinnvoll und machbar sein könnten. Darüber liegt die strategische Klammer einer Pipeline von bis zu 2 GW über mehrere Technologien.

Diese Trennung klingt formal, entscheidet aber darüber, was sich aus der Meldung ableiten lässt. Eine Projektentwicklungsvereinbarung bringt ein Vorhaben näher an konkrete Planungsschritte. Sie ersetzt weder Genehmigungen noch Finanzierung, Netzanschluss oder Baubeginn. Ein Prüfrahmen für Speicher liegt noch davor. Und eine langfristige Pipeline ist vor allem eine Richtung, in die ein Joint Venture arbeiten möchte.

Was für Štedim und Krupac vereinbart wurde

Masdar und EPCG haben am 28. Juli zwei Joint Development Agreements für die Solarprojekte Štedim und Krupac bekannt gegeben. Die Masdar-Mitteilung nennt für Štedim 115 MW und für Krupac 35 MW. Zusammen ergeben diese Angaben 150 MW.

Damit liegen seit der im April vereinbarten 50:50-Struktur erstmals konkret benannte Vorhaben vor. Das ist mehr als ein allgemeines Kooperationssignal: Die Projekte haben Namen, eine von Masdar veröffentlichte Leistungsangabe und einen vereinbarten Rahmen für die gemeinsame Entwicklung. Gerade bei großen Energieankündigungen ist das eine relevante Schwelle.

Die Schwelle ist aber nicht die Ziellinie. Öffentliche Angaben zu Genehmigungen, Flächenstatus, Netzanschluss, Finanzierung, Investitionsentscheidung oder einem Termin für die Inbetriebnahme liegen nicht vor. Wer aus den JDAs schon fertige Solarparks macht, überspringt mehrere Schritte, die für jedes Projekt entscheidend sind.

Infografik mit getrennten Ebenen für Solar-Projektentwicklung, Pumpspeicher-Prüfrahmen und langfristige Energiepipeline.
Solar, Speicherprüfung und langfristige Pipeline haben unterschiedliche Reifegrade – durch KI erzeugt

Warum der Pumpspeicher noch offen ist

Beim Speicherteil ist die Distanz zur Umsetzung noch größer. Das separate Framework for Action soll die gemeinsame Entwicklung von mehr als 400 MW Pumpspeicherleistung untersuchen. Es benennt damit einen Arbeitsauftrag, keine genehmigte Anlage.

Pumpspeicher können Strom dann aufnehmen, wenn viel Erzeugung im Netz ist, und ihn später wieder abgeben. Ob diese Rolle an einem konkreten Standort in Montenegro wirtschaftlich, technisch und genehmigungsrechtlich tragfähig ist, lässt sich aus der Vereinbarung jedoch nicht ablesen. Es fehlen unter anderem ein Standort, eine Speicherdauer, eine Energiemenge und eine Investitionsentscheidung.

Das ist kein Makel der Vereinbarung. Bei Pumpspeicherprojekten ist die frühe Prüfung besonders wichtig, weil Geografie, Wasserführung, Netzanbindung und Genehmigungen weit stärker über die Machbarkeit entscheiden als eine bloße Leistungszahl. Die Angabe „mehr als 400 MW“ verdient deshalb Aufmerksamkeit – aber nicht die Überschrift eines bereits beschlossenen Kraftwerks.

Was hinter dem 2-GW-Ziel steckt

Die bis zu 2 GW sind die strategische Größe des gemeinsamen Unternehmens. Sie beziehen sich nicht allein auf die beiden Solar-JDAs oder auf den Speicherrahmen vom 28. Juli. Masdar beschreibt eine technologieübergreifende Pipeline, zu der Solar, Wind, Wasserkraft, Pumpspeicher, Batterien und Hybridlösungen zählen können.

Für die öffentliche Debatte ist diese Unterscheidung nützlich: Eine Pipeline zeigt, wie groß die Ambition der Partner ist. Sie sagt noch nicht, wie viele Projekte genehmigt, finanziert oder gebaut werden. Der Fortschritt dieser Woche liegt deshalb bei den beiden Solarvorhaben und der klareren Arbeitsteilung – nicht in einer fertigen 2-GW-Ausbauentscheidung.

Warum 150 MW und 190 MWp nicht dasselbe sind

Eine montenegrinische Quelle, die die Angaben EPCG zuschreibt, nennt für Štedim 140 MWp und für Krupac 50 MWp, also 190 MWp. Masdar nennt 115 MW und 35 MW. Die Differenz lässt sich ohne technisches EPCG-Dokument nicht abschließend erklären.

Naheliegend ist ein Unterschied zwischen MW und MWp als Bezugsgrößen. Das ist jedoch keine Einladung zur Mischrechnung. Für die Einordnung bleiben die von Masdar genannten 115 MW für Štedim und 35 MW für Krupac maßgeblich. Die abweichende lokale Zahl ist ein Transparenzhinweis; sie sollte weder zu den 150 MW addiert noch als direkt gleichwertig behandelt werden.

Zahl Status Was sie nicht bedeutet
115 MW + 35 MW Solarprojekte in gemeinsamer Entwicklung laut Masdar Kein belegter Baubeginn, keine Finanzierung und kein Inbetriebnahmetermin
Mehr als 400 MW Prüfrahmen für mögliche Pumpspeicherprojekte Kein konkretes, genehmigtes Speicherkraftwerk und keine belegte Energiemenge
Bis zu 2 GW Langfristiges Ziel der gesamten Joint-Venture-Pipeline Keine jetzt vereinbarte oder installierte Leistung
Schnittgrafik eines Pumpspeichers mit oberem und unterem Becken, Rohrleitung und markierten offenen Projektfragen.
Das Prinzip eines Pumpspeichers erklärt noch keinen konkreten Standort – durch KI erzeugt

Die Verbindung nach Italien: Infrastruktur, kein Versprechen

Für Europa bekommt die Meldung durch die vorhandene Unterseeverbindung zwischen Montenegro und Italien einen nachvollziehbaren Kontext. Der montenegrinische Übertragungsnetzbetreiber CGES beschreibt diese Verbindung als Energiebrücke zwischen dem Balkan und Italien. Sie macht grenzüberschreitenden Stromhandel grundsätzlich denkbar.

Mehr lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Unterlagen nicht ableiten. Die Verbindung belegt weder reservierte Übertragungskapazität noch Lieferverträge, Exportmengen oder eine Wirkung auf deutsche Preise und Versorgung. Der europäische Bezug liegt hier in der Infrastruktur und in der Frage, wie erneuerbare Erzeugung, Speicher und grenzüberschreitende Netze künftig zusammenspielen könnten.

Die Einordnung: Das Paket wird konkreter, aber nicht fertig

Die Meldung ist substanzieller als eine allgemeine Absichtserklärung, weil zwei Solarprojekte in eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung übergehen. Gleichzeitig wäre es falsch, die drei Ebenen zusammenzuziehen: Der Speicher ist noch ein Prüfauftrag, die 2-GW-Zahl eine Langfristperspektive.

Für die weitere Beobachtung sind daher weniger neue Superlative wichtig als vier konkrete Fragen: Werden Standorte, Genehmigungen und Netzanschlüsse für Štedim und Krupac öffentlich? Wird aus dem Pumpspeicherrahmen ein benanntes Projekt? Kommt eine technische Erklärung zur MW-/MWp-Differenz? Und welche Teile der 2-GW-Pipeline erhalten später eine belastbare Investitionsentscheidung?

Erst an diesen Punkten zeigt sich, ob aus der jetzt sauber getrennten Projektentwicklung eine neue Erzeugungs- und Speicherlandschaft wird. Bis dahin ist die belastbare Nachricht schlicht: Zwei Solarvorhaben gehen den nächsten Schritt, während Speicher und Pipeline weiter offen bleiben.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-29