Erneuerbare Energien

Mangan-Batterien für längere Strompausen: Was Certain Energy jetzt beweisen muss

Certain Energy erhält £10 Millionen für Mangan-Flow-Batterien. Was die Finanzierung belegt – und welche Daten ein MWh-System noch liefern muss.

Von Wolfgang

27. Aug. 20265 Min. Lesezeit

Mangan-Batterien für längere Strompausen: Was Certain Energy jetzt beweisen muss

Certain Energy erhält £10 Millionen für Mangan-Flow-Batterien. Was die Finanzierung belegt – und welche Daten ein MWh-System noch liefern muss.

Wenn Wind- und Solarstrom über viele Stunden knapp werden, helfen Batterien nur dann, wenn sie nicht nach kurzer Zeit leer sind. Genau dort setzt Certain Energy an: Das britische Unternehmen will mit einer Mangan-Flow-Batterie Strom länger speichern als typische Kurzzeitsysteme. Die neue Finanzierung zeigt, dass Investoren den nächsten Schritt finanzieren. Sie zeigt noch nicht, ob daraus ein zuverlässiger Großspeicher für das Netz wird.

Certain Energy, zuvor unter dem Namen RFC Power bekannt, hat am 26. August eine Series-A-Finanzierung über 10 Millionen Pfund abgeschlossen. Die British Business Bank beteiligt sich nach eigener Mitteilung mit 3,5 Millionen Pfund; weitere Investoren sind Centrica, Ceres Power und C3H. Mit dem Geld will das Imperial-College-Spinout die Kommerzialisierung vorantreiben, die Forschung in Großbritannien ausbauen, eine Lieferkette vorbereiten und ein netzgekoppeltes System im MWh-Maßstab in Indien entwickeln.

Das ist ein konkreter Fortschritt für das Unternehmen. Ein fertig gebautes Projekt ist es nicht. Für die geplante Anlage nennen die bisher veröffentlichten Informationen weder Standort und Betreiber noch Leistung, Speicherdauer, Zeitplan oder ein Messkonzept. Die entscheidende Frage beginnt deshalb erst nach der Finanzierungsrunde: Funktioniert die Chemie auch als vollständige Anlage unter wechselnden Netzbedingungen?

Warum Flow-Batterien länger speichern können

Bei einer Flow-Batterie liegt der Elektrolyt nicht allein in den Zellen, sondern in externen Tanks. Pumpen führen die Flüssigkeit durch Zellstacks, in denen elektrische und chemische Energie ineinander umgewandelt werden. Die Zellstacks bestimmen vor allem, wie viel Leistung das System gleichzeitig liefern kann. Größere Tanks und mehr Elektrolyt erhöhen dagegen die Energiemenge und damit grundsätzlich die mögliche Entladedauer.

Das unterscheidet solche Systeme von vielen kompakten Batterien, bei denen Leistung und Kapazität enger gekoppelt sind. Für einen Speicher, der Überschüsse aus Wind oder Sonne bis in eine längere Flaute verschieben soll, ist diese Trennung interessant. Sie löst aber kein wirtschaftliches Problem von selbst. Tanks, Pumpen, Membranen, Leistungselektronik und Steuerung gehören ebenso zur Anlage wie die Elektrochemie.

Prozessgrafik zeigt Wind- und Solarstrom, Elektrolyt-Tanks, Pumpen, Zellstacks, Leistungselektronik und Strom ins Netz
Bei Flow-Batterien bestimmen Zellstacks vor allem die Leistung, während größere Tanks die mögliche Speicherdauer erhöhen. – durch KI erzeugt

Die Mangan-Flow-Batterie zwischen Labor und Anlage

Certain Energy beschreibt seine Technologie als Mangan-Flow-Batterie. Nach Angaben des Unternehmens sollen größere Elektrolyt-Tanks die Speicherdauer von Stunden auf Tage erweitern. Es nennt außerdem mehr als 75 Prozent Rundtrip-Wirkungsgrad, eine auf 20 Jahre ausgelegte Elektrolyt-Lebensdauer und mögliche Grenzkosten von etwa einem Zehntel vergleichbarer Vanadium-Flow-Batterien.

Diese Zahlen sind Herstellerangaben. Die aktuellen Mitteilungen von Certain Energy, der British Business Bank, Imperial College London und Ceres Power bestätigen Finanzierung, Herkunft und Entwicklungspläne. Sie enthalten jedoch keinen unabhängigen Test einer kompletten MWh-Anlage und keinen nachvollziehbaren Kostenvergleich unter gleichen Betriebsbedingungen.

Es gibt eine fachliche Vorgeschichte, die den Ansatz plausibel macht, aber nicht den Produktnachweis ersetzt. Eine peer-reviewte Arbeit zu einer verwandten Wasserstoff/Mangan-Flow-Konfiguration berichtete 2018 unter Laborbedingungen Wirkungsgrade von bis zu 82 Prozent und untersuchte 160 Zyklen. Die Forschenden beschrieben zugleich Probleme wie Mangan-Crossover, Mn(III)-Disproportionierung, mögliche MnO2-Ausfällung und die Notwendigkeit, den Elektrolyten nachzuregeln. Das sind keine Werte des aktuellen Certain-Energy-Systems. Sie zeigen aber, wo die Skalierung anspruchsvoll wird.

Entscheidend sind die Betriebsdaten

In einer Netzanlage müssen nicht nur die Zellen funktionieren. Pumpen verbrauchen Hilfsenergie, Membranen altern, Flüssigkeiten müssen über viele Zyklen stabil bleiben und die Steuerung muss auf schwankende Lasten reagieren. Dazu kommen Wartung, Sicherheit, Ersatzteile, Netzanschluss und ein Erlösmodell. Gerade bei Langzeitspeichern können diese Punkte darüber entscheiden, ob eine im Labor überzeugende Chemie im Betrieb wirtschaftlich wird.

Die britische Energiepolitik behandelt solche Speicher als relevante Ergänzung für ein Stromsystem mit mehr Wind und Sonne. Die Regierung hat jüngst eine Challenge für Technologien mit mehr als 100 Stunden Speicherdauer gestartet. Auch Deutschland und die EU stehen vor der Frage, wie sich Strom über längere Zeit verschieben lässt, wenn Erzeugung, Nachfrage und Netzkapazität auseinanderfallen. Daraus folgt aber keine deutsche Einsatzentscheidung für Certain Energy. Dafür fehlen bisher sowohl reale Betriebsdaten als auch Informationen zu Genehmigung, Marktregeln und Lieferkette.

Evidenzgrafik stellt Series-A-Finanzierung und getrennte Laborwerte offenen Nachweisen für den MWh-Anlagenbetrieb gegenüber
Certain Energy hat Finanzierung und Entwicklungsziel dokumentiert; unabhängige Daten aus einem MWh-System stehen noch aus. – durch KI erzeugt

Was Certain Energy als Nächstes zeigen müsste

Ein belastbarer administrativer Fortschritt wäre eine Projektvereinbarung für Indien mit Standort, Betreiber, Zeitplan und Lieferumfang. Technisch wichtiger wären anschließend veröffentlichte Daten aus dem Demonstrator: Leistung und Kapazität, definierte Entladedauer, Wirkungsgrad einschließlich Hilfsenergie, Verfügbarkeit, Wartungsaufwand, Degradation und Verhalten des Elektrolyten über viele Zyklen.

Die Series A macht aus Certain Energy einen besser finanzierten Kandidaten für Langzeitspeicherung. Mehr lässt sich aus der Runde noch nicht ableiten. Ob Mangan-Flow-Batterien in dieser Form eine wirtschaftliche Rolle im Netz spielen können, entscheidet sich erst an einer Anlage, die nicht nur Strom speichert, sondern über längere Zeit verlässlich arbeitet.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-27.