Erneuerbare Energien

Wenn E-Auto, Wärmepumpe und Speicher dem Netz helfen: Wer bekommt dafür Geld?

DataFleX bündelt E-Autos, Wärmepumpen und Speicher fürs Stromnetz. Warum die Vergütung zunächst an Aggregatoren geht und was für Haushalte offen ist.

Von Wolfgang

02. Aug. 20266 Min. Lesezeit

Wenn E-Auto, Wärmepumpe und Speicher dem Netz helfen: Wer bekommt dafür Geld?

DataFleX bündelt E-Autos, Wärmepumpen und Speicher fürs Stromnetz. Warum die Vergütung zunächst an Aggregatoren geht und was für Haushalte offen ist.

Ein E-Auto, eine Wärmepumpe oder ein Heimspeicher könnte dem Stromnetz künftig helfen, Engpässe besser zu überbrücken. Geld fließt in dem neuen Modell aber nicht automatisch an Haushalte. Zunächst vergütet der Netzbetreiber einen Aggregator, der viele kleine Geräte bündelt.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Die DataFleX-Partner haben am 30. Juli 2026 Unterlagen zum LeistungspreisPlus-Modell veröffentlicht.
  • Aggregatoren sollen flexible Geräte wie E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeicher zu Pools bündeln und dem Übertragungsnetz anbieten.
  • Bei einem Zuschlag erhält der Aggregator einen Leistungspreis; bei einem tatsächlichen Abruf kommt eine gesonderte Kompensation hinzu.
  • Ein buchbarer Haushaltstarif, eine garantierte Auszahlung oder Regeln zur Erlösweitergabe sind in den veröffentlichten Unterlagen nicht festgelegt.

Wer handelt mit dem Netz?

Wenn an einem sonnigen Mittag viel Strom ins Netz drückt oder an einem kalten Abend besonders viel Leistung gebraucht wird, können kleine flexible Geräte einen Unterschied machen. Ein Auto lädt dann etwas später, eine Wärmepumpe verschiebt einen Teil ihres Verbrauchs oder ein Speicher reagiert auf ein Signal. Genau solche Möglichkeiten will DataFleX für das Engpassmanagement im Stromnetz erschließen.

Das neue LeistungspreisPlus-Modell richtet sich dabei nicht unmittelbar an einzelne Haushalte. Dazwischen steht ein Aggregator: ein Unternehmen, das viele Geräte zu einem Flexibilitätspool zusammenfasst. Dieser Pool wird den Übertragungsnetzbetreibern angeboten. Für Besitzerinnen und Besitzer von Geräten ist diese Rollentrennung der entscheidende Punkt. Der Aggregator erhält zunächst die Vergütung; ob und zu welchen Bedingungen davon etwas weitergegeben wird, wäre später eine Frage des jeweiligen Vertrags.

Die Partner des Forschungs- und Pilotvorhabens DataFleX haben die Unterlagen zum Modell am 30. Juli veröffentlicht. Entwickelt wurde der Ansatz von TenneT Germany und TransnetBW für dezentrale Kleinstflexibilitäten im freiwilligen, marktbasierten Redispatch. Es geht also um einen Baustein für Netzengpässe, nicht um einen neuen Stromtarif.

Warum zwei Zahlungen vorgesehen sind

Das Gutachten von Consentec und Neon trennt zwei Fälle. Wird ein Flexibilitätspool bezuschlagt, erhält der Aggregator den von ihm gebotenen Leistungspreis. Diese Zahlung ist nicht davon abhängig, ob die Flexibilität später tatsächlich abgerufen wird. Kommt es zu einem Abruf, folgt zusätzlich eine Kompensation über einen regulierten Arbeitspreis auf Basis des ID1-Index.

Diese Begriffe klingen technischer, als sie für die Einordnung sein müssen. Der Leistungspreis vergütet die zugesagte Verfügbarkeit des Pools. Die zweite Komponente betrifft den tatsächlichen Abruf. Beides ist nicht mit dem Strompreis auf einer Haushaltsrechnung gleichzusetzen. Und beides sagt noch nichts darüber aus, welcher Betrag bei einem künftigen Vertrag bei einem Haushalt ankommen könnte.

Warum solche Flexibilität überhaupt gebraucht wird

Das Stromnetz muss jederzeit im Gleichgewicht bleiben. Engpässe entstehen dabei nicht nur, weil insgesamt zu wenig Energie vorhanden wäre. Sie können auch regional auftreten, wenn Erzeugung und Verbrauch nicht gut zusammenpassen oder Leitungen an ihre Grenzen kommen. Der bestehende Redispatch greift bislang vor allem kostenbasiert ein. LeistungspreisPlus erprobt einen freiwilligen, marktbasierten Zusatz für kleine flexible Anlagen.

Der Ansatz setzt also nicht voraus, dass ein einzelner Haushalt laufend auf Netzsignale reagiert. Gerade die Bündelung soll aus vielen kleinen Möglichkeiten einen verlässlich planbaren Pool machen. Ob die Beschaffung tatsächlich effizienter wird als bisher und wie sich unerwünschte Anreize vermeiden lassen, ist jedoch noch keine ausgemachte Sache. Diese Fragen sollen im Pilotbetrieb geprüft werden.

Redaktionelle Illustration verbindet abstrahierte Geräte für E-Auto, Wärmepumpe und Heimspeicher über einen zentralen Pool mit einem neutralen Stromnetz.
Viele kleine Geräte werden erst über einen Aggregator zu einem Flexibilitätspool für den Netzbetrieb – durch KI erzeugt

Was Haushalte daraus schon ableiten können

Die Nachricht ist vor allem ein Hinweis darauf, wie sich die Rolle flexibler Geräte verändern könnte. E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeicher werden nicht nur als Verbraucher oder Erzeuger betrachtet, sondern auch als steuerbare Lasten in einem größeren Pool. Daraus folgt noch kein Angebot, das man heute buchen kann.

Wer später einen entsprechenden Vertrag angeboten bekommt, sollte deshalb nicht allein auf einen möglichen Bonus schauen. Relevant wären vor allem die Regeln zur Erlösweitergabe und die konkrete Steuerung des eigenen Geräts. Auch Fragen zu Datenzugriff, Teilnahmevoraussetzungen, Widerspruchsmöglichkeiten und Haftung sind in den vorliegenden Unterlagen für Endkunden nicht abschließend beschrieben.

Diese Punkte gehören in einen späteren Vertrag

  • Wie wird eine Vergütung zwischen Aggregator und Gerätebesitzer aufgeteilt?
  • Welche Steuerungsrechte erhält der Anbieter und wann darf er sie nutzen?
  • Welche Daten sind für die Teilnahme erforderlich?
  • Unter welchen Bedingungen kann die Teilnahme beendet oder ausgesetzt werden?

Die offenen Fragen der Pilotierung

Das Gutachten bewertet das Design als für Aggregatoren grundsätzlich umsetzbar. Das Modell soll typische Anreize zum strategischen Verschieben von Mengen mindern. Zugleich bleiben wichtige Punkte offen: etwa die Effizienz des Modells, mögliche Überbeschaffung durch frühe Kapazitätsbeschaffung, geeignete Abrufstunden und verbleibende Fehlanreize. Genau dafür ist die Pilotierung da.

Auch der Projektkontext verlangt eine nüchterne Lesart. DataFleX ist ein Forschungs- und Demonstrationsprojekt, kein flächendeckend eingeführtes Endkundenprodukt. Die Projektförderung betrifft das Vorhaben selbst und ist keine Verbraucherprämie. Ebenso wäre es falsch, das Verschieben eines Ladevorgangs mit einer Rückspeisung aus dem Auto ins Netz gleichzusetzen.

Hände ordnen an einem Küchentisch neutrale, unlesbare Unterlagen neben Stift, analogem Timer und einem kleinen Heimspeicher-Modell; draußen ist eine unmarkierte Wallbox unscharf zu sehen.
Vor einer möglichen Teilnahme müssten Vergütung, Steuerung, Datenzugriff und Ausstieg verständlich geregelt sein – durch KI erzeugt

Meine Einordnung

Der interessante Teil an LeistungspreisPlus liegt nicht in einem versprochenen Haushaltsbonus, sondern in der sauberen Aufteilung der Rollen. Für das Stromnetz kann es sinnvoll sein, viele kleine Flexibilitäten verlässlich zu bündeln. Für Haushalte wird daraus erst dann ein überzeugendes Angebot, wenn die Weitergabe von Erlösen, die Steuerung und die Teilnahmebedingungen verständlich geregelt sind. Die Pilotierung muss zeigen, ob dieses Zusammenspiel nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich fair funktioniert.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-02