Mehr E-Autos auf der Straße, aber weiter Zweifel an Preis, Reichweite und Laden: Das ist kein Widerspruch. Eine neue britische Erhebung zeigt vor allem, wie leicht Kaufabsicht, wahrgenommene Hürden und tatsächliche Zulassungen verwechselt werden.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- 13 Prozent nannten ein rein batterieelektrisches Fahrzeug – allerdings nur unter 3.354 Menschen, die überhaupt einen künftigen Kauf, ein Leasing oder einen Ersatz von Auto oder Van planten.
- In dieser Gruppe stieg die BEV-Absicht von 10 Prozent im Herbst 2024 auf 13 Prozent im Herbst 2025.
- Reichweite, Ladepunkte und Kaufpreis sind häufig genannte Wahrnehmungen. Die Befragung beweist damit keine einzelne Ursache für eine Kaufentscheidung.
- Deutsche Neuzulassungen und britische Kaufabsichten messen Verschiedenes. Sie lassen sich nicht zu einer gemeinsamen Prozentzahl verrechnen.

E-Autos sind im Alltag sichtbarer geworden. Trotzdem bleibt die Entscheidung für viele Haushalte an Bedingungen geknüpft: Kann zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen werden? Reicht das Auto für die eigenen Wege? Und wie sieht der Preis nach Versicherung, Strom und Finanzierung aus? Wer diese Fragen ernst nimmt, muss sich nicht zwischen „der Markt wächst“ und „die Sorgen bleiben“ entscheiden. Beides kann gleichzeitig stimmen.
Genau an dieser Stelle hilft der neue Technology Tracker des britischen Verkehrsministeriums weiter – nicht als Kaufprognose für Deutschland, sondern als sauber begrenzter Blick auf Einstellungen. Die GOV.UK-Publikationsseite wurde am 30. Juli 2026 um Bericht und Daten der Autumn-Wave 2025 ergänzt. Befragt wurde jedoch schon vom 16. Oktober bis 27. November 2025. Das PDF trägt das Datum April 2026. Diese drei Zeitpunkte gehören auseinandergehalten.
Die 13 Prozent sind keine Quote für ganz Großbritannien
Der entscheidende Nenner steckt im Kleingedruckten. In der UK-weiten Querschnittserhebung gaben 67 Prozent der Befragten an, künftig ein Auto oder einen Van kaufen, leasen oder ersetzen zu wollen. Erst unter diesen 3.354 Personen fragte der Bericht nach der gewünschten Antriebsart für diesen möglichen nächsten Schritt.
Dort entfielen 36 Prozent auf Benzin, 27 Prozent auf Hybrid, 15 Prozent auf Diesel und 13 Prozent auf ein rein batterieelektrisches Fahrzeug. Daraus folgt nicht, dass 13 Prozent aller Britinnen und Briten bald ein E-Auto kaufen wollen. Es beschreibt eine Auswahl von Menschen mit einem möglichen Fahrzeugwechsel vor Augen – und ihre damals geäußerte Präferenz.

Drei Zahlen, drei Fragen
| Ebene | Was wird gemessen? | Was lässt sich daraus nicht ableiten? |
|---|---|---|
| Kaufabsicht | Welche Antriebsart Menschen für einen möglichen nächsten Wechsel nennen. | Wie viele Fahrzeuge tatsächlich zugelassen werden. |
| Wahrgenommene Hürden | Welche vorgegebenen Nachteile und Ladesorgen Befragte benennen. | Ob genau diese Punkte eine individuelle Kaufentscheidung verursachen. |
| Neuzulassungen | Welche Fahrzeuge tatsächlich registriert wurden. | Wie alle Haushalte über Reichweite, Preis oder Laden denken. |
Warum Reichweite, Laden und Preis trotzdem so präsent bleiben
Im DfT-Bericht nannten die Befragten bei einer vorgegebenen Mehrfachauswahl am häufigsten eine geringere Distanz pro Ladung (70 Prozent), zu wenige Ladepunkte (69 Prozent) und Kaufkosten (64 Prozent) als Nachteile eines BEV gegenüber Benzin oder Diesel. Bei öffentlichen Ladepunkten standen Warten während des Ladens (70 Prozent), mögliche Warteschlangen (68 Prozent) und die Ladedauer (67 Prozent) oben auf der Liste.
Das sind wichtige Befunde, aber keine technische Vermessung des Ladenetzes. Sie zeigen, welche Unsicherheiten Menschen mit E-Mobilität verbinden. Eine Person kann gute Erfahrungen an der eigenen Wallbox machen und trotzdem öffentliche Ladepunkte als unübersichtlich einschätzen. Umgekehrt kann ein dichtes Netz wenig helfen, wenn die eigene Wohnsituation keine verlässliche Lademöglichkeit zulässt.
Von 10 auf 13 Prozent: ein Signal, kein Markturteil
Unter den künftigen Kauf-, Leasing- oder Ersatzinteressierten stieg die Absicht für ein batterieelektrisches Fahrzeug von 10 Prozent im Herbst 2024 auf 13 Prozent im Herbst 2025. Der Bericht bewertet diesen Unterschied als statistisch signifikant. Gegenüber Spring 2025 war der Abstand dagegen nicht signifikant.
Das spricht für eine vorsichtige Lesart: Die Bereitschaft hat sich in dieser vergleichbaren Zeitspanne bewegt, aber die Erhebung ist kein Beleg für einen geradlinigen Durchmarsch. Zwischen Absicht und Zulassung liegen Angebot, Lieferzeiten, Gebrauchtwagenmarkt, Finanzierung, Förderregeln, Flottenkäufe und die Frage, ob Laden im täglichen Ablauf wirklich funktioniert.
Deutschland liefert eine andere, aber ebenso wichtige Ebene
Für Deutschland zeigt der KfW-Energiewendebarometer 2025 bei Haushalten ohne E-Auto ein ähnliches Muster von Bedenken: Kaufpreis nannten 59 Prozent als Hürde, Ladeinfrastruktur 51 Prozent, Reichweite 44 Prozent und Ladezeit 30 Prozent. Diese Werte sind nicht mit der britischen Erhebung gleichzusetzen. Land, Fragebogen und Befragtengruppe unterscheiden sich.
Die reale Marktbewegung sieht wiederum anders aus. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete für Januar bis Juni 2026 in Deutschland 368.006 BEV-Pkw-Neuzulassungen. Ihr Anteil am gesamten Pkw-Zulassungsvolumen lag bei 24,8 Prozent, 48,0 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Das widerlegt die britischen 13 Prozent nicht. Eine Zulassung ist eine Transaktion, keine Antwort auf eine Umfragefrage.
Der faire Gegenpunkt
Steigende Zulassungen bedeuten nicht, dass Preis- und Ladefragen verschwunden sind. Sie zeigen aber, dass skeptische Einstellungen nicht automatisch einen Stillstand auslösen. Gerade Flotten, Modellangebot, Lieferfähigkeit und konkrete Ladezugänge können die Marktdynamik verändern, während allgemeine Sorgen weiter bestehen.

Infrastruktur ist mehr als eine Zahl auf der Karte
Der European Alternative Fuels Observatory führt für die EU27 Infrastrukturindikatoren mit Referenzstand Juni 2026 und Update vom 15. Juli 2026. Das ist nützlich, um über öffentliche Ladeinfrastruktur zu sprechen. Es ersetzt aber keine Erfahrung vor Ort. Anzahl, Ladeleistung, Verlässlichkeit, Zugang, Bezahlung und die Frage, ob ein Ladepunkt auf der eigenen Route liegt, beschreiben unterschiedliche Dinge.
Darum wäre es falsch, aus einer Infrastrukturzahl direkt auf die Sorgen einer Befragung zu schließen. Für Kommunen und Anbieter liegt der praktische Auftrag eher darin, diese Lücke kleiner zu machen: Standorte verständlich erklären, Verfügbarkeit verlässlich anzeigen und die Kosten transparent machen.
Ein Prüfrahmen für die eigene Entscheidung
Eine nationale Umfrage kann die eigene Fahrzeugwahl nicht ersetzen. Hilfreicher sind vier konkrete Fragen:
- Fahrprofil: Welche Strecken, Pausen und saisonalen Ausnahmen bestimmen den Alltag tatsächlich?
- Ladezugang: Wo kann regelmäßig geladen werden – zuhause, bei der Arbeit oder auf wiederkehrenden Routen?
- Gesamtkosten: Welche Preise ergeben sich aus Anschaffung oder Leasing, Strom, Versicherung, Wartung und möglichem Restwert?
- Verlässlichkeit: Welche Ladeoption bleibt, wenn der vertraute Standort belegt ist oder ausfällt?
Für Kommunen und Anbieter gilt dieselbe Logik in größerem Maßstab. Nicht die größte Zahl auf einer Karte nimmt Unsicherheit, sondern ein Angebot, das Menschen in ihrer Wohn- und Reisesituation nachvollziehen können.
FAQ
Zeigen die 13 Prozent eine geringe E-Auto-Nachfrage in Großbritannien?
Nein. Sie zeigen eine geäußerte Präferenz innerhalb der Befragten, die einen künftigen Kauf, ein Leasing oder einen Ersatz planten. Sie sind weder eine Quote aller Erwachsenen noch eine Zulassungsprognose.
Beweist die Studie, dass Ladepunkte oder Reichweite den Kauf verhindern?
Nein. Die Werte stammen aus einer vorgegebenen Mehrfachauswahl zu wahrgenommenen Nachteilen und Sorgen. Die Querschnittsbefragung kann keine individuelle Kaufursache nachweisen.
Kann man die britischen Werte mit Deutschland vergleichen?
Nur als vorsichtigen Kontext. KfW und KBA liefern eigene deutsche Informationen zu Einstellungen und Neuzulassungen, messen aber andere Populationen und Größen.
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Quellen und weiterführende Informationen
- UK Department for Transport: Transport and transport technology: public attitudes tracker, Update vom 30.07.2026.
- DfT / Ipsos: DfT Technology Tracker: Autumn Wave 2025, insbesondere S. 5–7, 11, 19, 25 und 46.
- KfW Research: Growing demand for electric cars – German exports are also picking up, 05.08.2025.
- Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen von Personenkraftwagen im Jahresverlauf 2026 nach Marken und alternativen Antrieben, Januar bis Juni 2026.
- European Alternative Fuels Observatory: Infrastructure – European Union (EU27), Referenzstand Ladeinfrastruktur Juni 2026.
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-01