Deutschland fährt im Binnenpersonenverkehr überwiegend Auto. Ein neuer EU-Bericht macht das für das Datenjahr 2023 greifbar: Busse, Bahn sowie Tram und Metro kamen zusammen auf 16,2 Prozent der Personenkilometer. Im EU-Durchschnitt waren es 18,0 Prozent. Die Differenz beträgt 1,8 Prozentpunkte – sie beschreibt jedoch weder eine Rangliste noch den Alltag auf einer einzelnen Pendelstrecke.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Die Europäische Kommission stellte ihren neuen Verkehrs- und Tourismusbericht am 22. Juli 2026 vor; die hier betrachteten Verkehrsanteile beziehen sich auf 2023.
- Im deutschen Binnenpersonenverkehr entfielen 2023 nach Personenkilometern 83,8 Prozent auf Pkw, 4,9 Prozent auf Busse und Coaches, 9,8 Prozent auf die Bahn sowie 1,5 Prozent auf Tram und Metro.
- Die offen ausgewiesene Addition der drei Bus- und Schienenkategorien ergibt 16,2 Prozent für Deutschland. Für die EU-27 sind es 18,0 Prozent.
- Hohe absolute Bahnleistungen widersprechen diesem Vergleich nicht: Eurostat meldet für Deutschland 2024 109,1 Milliarden Bahn-Personenkilometer. Das ist eine andere Kennzahl und ein anderes Jahr.

Was an dem Bericht neu ist
Die Generaldirektion Mobilität und Verkehr der Europäischen Kommission hat am 22. Juli 2026 einen neuen Bericht zu Verkehr und Tourismus in der Europäischen Union vorgestellt. Er bündelt Kennzahlen für die EU und Länderblätter für die Mitgliedstaaten. Das Deutschland-Blatt enthält unter anderem eine Grafik zum Modal Split des Binnenpersonenverkehrs.
Der Anlass ist aktuell, die darin gezeigte Verkehrsstruktur nicht: Die ausgewählten Anteile stammen aus dem Jahr 2023. Das klingt nach einer kleinen Unterscheidung, ist für die Einordnung aber zentral. Sonst wirkt eine neue Veröffentlichung schnell wie eine Messung des Verkehrs von 2026.
Wie die 16,2 Prozent entstehen
Die Grafik weist die Verkehrsmittel getrennt aus. Für Deutschland stehen dort 83,8 Prozent Pkw, 4,9 Prozent Busse und Coaches, 9,8 Prozent Bahn sowie 1,5 Prozent Tram und Metro. Für die EU-27 nennt dieselbe Darstellung 82,0, 8,2, 8,4 und 1,4 Prozent.
Modal Split im Binnenpersonenverkehr 2023
| Verkehrsmittel | Deutschland | EU-27 | Messbasis |
|---|---|---|---|
| Pkw | 83,8 % | 82,0 % | Personenkilometer im Binnenpersonenverkehr |
| Busse und Coaches | 4,9 % | 8,2 % | Personenkilometer im Binnenpersonenverkehr |
| Bahn | 9,8 % | 8,4 % | Personenkilometer im Binnenpersonenverkehr |
| Tram und Metro | 1,5 % | 1,4 % | Personenkilometer im Binnenpersonenverkehr |
Die Summe von 16,2 Prozent ist keine im Bericht eigens betitelte Gesamtkennzahl. Sie ist eine transparente redaktionelle Rechnung aus drei Kategorien, die in der Grafik getrennt stehen. Genau diese Offenheit ist wichtig: Gemeint sind Busse und Coaches, Bahn sowie Tram und Metro – nicht ein pauschaler Anteil von „ÖPNV“ in jeder denkbaren Definition.
Die Rechnung im Vergleich
Deutschland: 4,9 + 9,8 + 1,5 = 16,2 Prozent
EU-27: 8,2 + 8,4 + 1,4 = 18,0 Prozent
Der Abstand beträgt 1,8 Prozentpunkte. Er ist kein Beleg dafür, warum sich die Werte unterscheiden.

Warum die Messgröße entscheidend ist
Ein Personenkilometer entsteht, wenn eine Person über einen Kilometer befördert wird. Lange Wege erhalten dadurch mehr Gewicht als kurze. Wer 100 Kilometer mit dem Zug fährt, erzeugt mehr Bahn-Personenkilometer als jemand, der zwei Kilometer mit der Tram zurücklegt. Die Kennzahl zeigt also, welchen Anteil Verkehrsmittel an der gesamten zurückgelegten Verkehrsleistung haben.
Sie zählt nicht die Zahl der Fahrten, der Fahrgäste oder der Wege. Sie sagt auch nichts darüber, ob eine Verbindung vor Ort häufig fährt, pünktlich ist oder zu einem bestimmten Arbeitsplatz passt. Für solche Fragen bräuchte es andere Daten.
Weshalb viel Bahnverkehr kein Widerspruch ist
Auf den ersten Blick wirkt der Befund überraschend. Eurostat beziffert Deutschlands Bahnleistung für 2024 auf 109,1 Milliarden Personenkilometer und nennt Deutschland damit neben Frankreich als größten Beitrag zur gesamten Bahnleistung in der EU. Das widerspricht dem 2023er Vergleich aber nicht.
109,1 Milliarden Personenkilometer sind ein absoluter Wert für die Bahn in einem anderen Jahr. Die 9,8 Prozent im Länderblatt beschreiben dagegen den Anteil der Bahn an allen Personenkilometern des deutschen Binnenpersonenverkehrs 2023. Eine große absolute Bahnleistung kann daher neben einem großen Pkw-Anteil bestehen. Der Nenner macht den Unterschied.
Was die Zahlen nicht erklären
Der Bericht zeigt eine Struktur, keine Ursachen. Aus dem Abstand von 1,8 Prozentpunkten lässt sich nicht ableiten, ob Preise, Pünktlichkeit, Siedlungsformen, Infrastruktur, das Deutschlandticket oder politische Entscheidungen den Ausschlag geben. Auch eine EU-Rangfolge lässt sich aus der vorliegenden Grafik nicht ablesen.
Ebenso wenig lässt sich daraus eine individuelle Aussage machen. Für Reisende und Pendler bleibt entscheidend, welche Verbindung in ihrer Region tatsächlich verfügbar ist. Der aggregierte Vergleich beschreibt das Verkehrsaufkommen des Systems, nicht die Qualität einer konkreten Fahrt von Tür zu Tür.

Warum der Vergleich trotzdem nützlich ist
Der Wert legt den Maßstab offen, statt mit einer großen Erzählung über Verkehrspolitik zu beginnen. Deutschlands Pkw-Anteil lag 2023 mit 83,8 Prozent über dem EU-27-Wert von 82,0 Prozent. Gleichzeitig war der kombinierte Anteil von Bus, Bahn, Tram und Metro niedriger. Das ist eine präzise Beschreibung der Verkehrsleistung, keine Bewertung des Landes.
Für die öffentliche Debatte ist genau diese Trennung hilfreich. Wer über Angebotsausbau, Tarife oder Infrastruktur sprechen will, braucht anschließend ergänzende Daten und konkrete regionale Analysen. Der Modal Split allein kann diese Fragen nicht beantworten.
Was heißt das für Reisende und Pendler?
Der neue Bericht liefert keinen Fahrplan und keine Empfehlung für den nächsten Arbeitsweg. Er hilft aber dabei, zwei häufig vermischte Beobachtungen auseinanderzuhalten: Deutschland hat viel Bahnverkehr in absoluten Zahlen, und der Pkw prägt die gesamte Verkehrsleistung im Binnenverkehr weiterhin stark.
Für die Praxis heißt das nicht, dass jede Region dieselbe Lage erlebt. In Ballungsräumen, auf langen Relationen und auf dem Land können sich Angebot und Nutzung deutlich unterscheiden. Der EU-Vergleich sollte deshalb als Überblick gelesen werden – nicht als Urteil über die eigene Strecke.
FAQ zum EU-Vergleich
Sind die 16,2 Prozent ein Wert für 2026?
Nein. Die Kommission stellte den Bericht 2026 vor. Die hier betrachtete Modal-Split-Grafik bezieht sich auf den Binnenpersonenverkehr im Jahr 2023.
Ist Deutschland damit Schlusslicht in der EU?
Nein. Die geprüfte Grafik erlaubt den Vergleich Deutschlands mit dem EU-27-Durchschnitt, aber keine Rangfolge aller Mitgliedstaaten.
Warum werden Bus, Bahn, Tram und Metro zusammengezählt?
Die Kategorien stehen in der Grafik getrennt. Die Summe wird hier offen berechnet, um den vergleichbaren Anteil dieser drei Bus- und Schienenkategorien sichtbar zu machen.
Quellen und weiterführende Informationen
- European Commission, DG MOVE: New EU Transport and Tourism report highlights key trends and developments (22. Juli 2026)
- European Commission / Publications Office: Transport and tourism in the European Union: Current trends and issues (Freigabe 16. Juli 2026, DOI 10.2832/7133601)
- Statistisches Bundesamt: Transport Europe
- Eurostat: EU rail passengers made 8.7 billion trips in 2024 (14. Mai 2026)
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-24