Wirtschaft

Bund plant direkte Beteiligungen: Was sich für Rüstungs-Start-ups ändern soll

Die Bundesregierung plant direkte Beteiligungen an klar militärisch nutzbaren Start-ups. Was bereits beschlossen ist, wie Scale-up Direct und FOAK davon abweichen – und welche Regeln noch fehlen.

Von Wolfgang

23. Juli 20267 Min. Lesezeit

Bund plant direkte Beteiligungen: Was sich für Rüstungs-Start-ups ändern soll

Die Bundesregierung plant direkte Beteiligungen an klar militärisch nutzbaren Start-ups. Was bereits beschlossen ist, wie Scale-up Direct und FOAK davon abweichen – und welche Regeln noch fehlen.

Der Bund will künftig bei klar militärisch nutzbaren Start-ups und Scale-ups direkt einsteigen können. Beschlossen ist bisher die Strategie dahinter, nicht ein schon laufender Fonds: Volumen, Startdatum und Zugangsregeln für das neue Vehikel fehlen noch.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Das Bundeskabinett hat am 22. Juli 2026 die Startup- und Scaleup-Strategie beschlossen.
  • Geplant ist ein Bundesvehikel für direkte Beteiligungen an Unternehmen mit eindeutig militärisch nutzbaren Produkten oder Dienstleistungen.
  • Scale-up Direct der KfW Capital und die geplante FOAK-Finanzierung sind davon getrennte Kapitalwege.
  • Bis zu 300 Millionen Euro betreffen nur Beteiligungen an privaten FOAK-Fonds, nicht das neue Defence-Direktvehikel.
  • Für Gründer und Investoren bleibt vorerst offen, wann das neue Vehikel startet und nach welchen Kriterien es arbeitet.

Ein neuer Kapitalweg, aber noch kein offenes Programm

Mit der am 22. Juli beschlossenen Startup- und Scaleup-Strategie rückt die Bundesregierung Sicherheits- und Verteidigungstechnologie stärker in die Finanzierungspolitik. Das auffälligste Vorhaben: Der Bund will ein Vehikel für direkte Beteiligungen an Start-ups und Scale-ups schaffen, deren Produkte oder Dienstleistungen eindeutig militärisch nutzbar sind. Das Strategiepapier nennt ausdrücklich auch Produkte der Kriegswaffenkontrollliste.

Für betroffene Unternehmen ist das ein klares politisches Signal. Damit rückt die konkrete Ausgestaltung des Instruments in den Mittelpunkt der weiteren Debatte. Der Staat will bei der Wachstumsfinanzierung nicht nur über Fondsstrukturen oder Förderprogramme wirken, sondern in einem eng umschriebenen Segment direkt investieren können. Daraus folgt allerdings noch kein nutzbares Angebot. Das Papier veröffentlicht weder eine Fondsgröße noch einen Starttermin, Ticketgrößen, Auswahlregeln oder einen Antragsweg. Auch bereits vollzogene Beteiligungen sind nicht genannt.

Das ist mehr als eine formale Trennung. Ein Kabinettsbeschluss setzt die Richtung; verfügbares Kapital entsteht erst, wenn Zuständigkeiten, Verfahren und Budgets konkret ausgestaltet sind. Wer heute an einer Finanzierung arbeitet, kann das neue Defence-Vehikel deshalb noch nicht wie eine offene Finanzierungsrunde einplanen.

Drei Instrumente, drei unterschiedliche Funktionen

In der Strategie stehen mehrere Finanzierungsbausteine nebeneinander. Sie wirken auf den ersten Blick ähnlich, verfolgen aber unterschiedliche Mechaniken. Gerade die Summe von bis zu 300 Millionen Euro wird leicht falsch zugeordnet. Sie gehört nicht zum neuen Defence-Direktvehikel.

Instrument Mechanik Zielgruppe Gesichert Offen
Defence-Direktvehikel Direkte Bundesbeteiligungen Start-ups und Scale-ups mit eindeutig militärisch nutzbaren Produkten oder Dienstleistungen Das Vehikel soll geschaffen werden Volumen, Start, Kriterien, Tickets und Antragsweg
Scale-up Direct KfW Capital investiert als Co-Investor gemeinsam mit privaten Kapitalgebern aus ihrem Fondsportfolio Wachstumsstarke Start-ups und Scale-ups in Deutschland Eigenes Co-Investment-Instrument Einzelinvestments und konkrete Bedingungen im geprüften Strategietext
FOAK-Fondsbeteiligungen Beteiligungen des Bundes an privaten Fonds für Fremdkapital Neuartige industrielle First-of-a-Kind-Anlagen, -Produkte und -Prozesse Bis zu 300 Millionen Euro vorgesehen Ausgestaltung der einzelnen Fondsbeteiligungen

Außerhalb der Szene lässt sich der Unterschied schlicht fassen: Beim Defence-Vehikel geht es um einen geplanten direkten Einstieg des Bundes in eine eng abgegrenzte Unternehmensgruppe. Scale-up Direct soll privates Kapital über KfW Capital ergänzen. FOAK wiederum zielt auf Fremdkapital für industrielle Vorhaben, die erstmals in dieser Form umgesetzt werden sollen. Es handelt sich nicht um drei Namen für denselben Topf. Die Zuordnung entscheidet darüber, welche Form von Kapital ein Vorhaben überhaupt erreichen kann.

Grafik trennt das geplante Defence-Direktvehikel, Scale-up Direct und FOAK-Fondsbeteiligungen nach ihrer jeweiligen Finanzierungslogik.
Die Grafik ordnet direkte Beteiligungen, Co-Investments und FOAK-Fondsbeteiligungen ohne sie zu einem gemeinsamen Topf zu machen – durch KI erzeugt

Was beim Defence-Vehikel feststeht – und was fehlt

Der Begriff DefenceTech wird häufig weit verwendet. Für das neue Direktvehikel formuliert die Strategie den Kreis jedoch enger: Es geht um Unternehmen mit eindeutig militärisch nutzbaren Produkten oder Dienstleistungen. Daraus folgt nicht, dass jedes Dual-Use-, KI-, Cyber- oder Raumfahrt-Start-up automatisch in Betracht kommt.

Fest steht nach dem Strategiepapier, dass das Vehikel Teil der geplanten Verstetigung von Zukunftsfonds und Zukunftsfonds II sein soll. Die operative Seite bleibt offen. Weder der Umfang des Kapitals noch ein Termin für den Start sind veröffentlicht. Ebenso fehlen Angaben dazu, wer entscheidet, welche Nachweise Unternehmen erbringen müssen und ob sich Firmen direkt bewerben können.

Diese Lücken sind für junge Unternehmen zentral. Eine direkte Staatsbeteiligung kann Wachstumskapital erschließen, bringt aber regelmäßig zusätzliche Prüfungen und klare Regeln zur Verwendung öffentlicher Mittel mit sich. Ob das neue Vehikel genau diesen Bedarf trifft, lässt sich erst beurteilen, wenn die Umsetzung veröffentlicht wird.

Scale-up Direct, FOAK und Zukunftsfonds: Was daneben vorgesehen ist

Scale-up Direct hat einen anderen Ansatz. KfW Capital soll gemeinsam mit privaten Kapitalgebern aus ihrem Fondsportfolio direkt in wachstumsstarke Start-ups und Scale-ups in Deutschland investieren. Das Instrument zielt damit auf die Phase, in der Firmen bereits einen belastbaren Marktansatz haben, für größere Finanzierungsrunden aber zusätzliche Investoren brauchen.

Daneben will sich der Bund mit bis zu 300 Millionen Euro aus dem Zukunftsfonds an privaten Fonds beteiligen, die Fremdkapital für industrielle First-of-a-Kind-Vorhaben bereitstellen sollen. FOAK steht für Projekte, Anlagen, Produkte oder Prozesse, die neuartig sind und sich noch nicht als Standard finanzieren lassen. Die Zahl ist deshalb nicht auf das Defence-Vehikel übertragbar. Sie beschreibt einen anderen Finanzierungsschritt im industriellen Aufbau.

Der Zukunftsfonds selbst soll über 2030 hinaus fortgeführt werden. Zusätzliche Wagniskapitalmittel sollen insbesondere DeepTech, BioTech und DefenceTech adressieren. Das beschreibt einen strategischen Rahmen, aber keine Garantie, dass jedes Unternehmen aus diesen Feldern künftig direkt Bundeskapital erhält.

Beschlossen, geplant, bereits gültig: Der Zeitstatus macht den Unterschied

Diese Reihenfolge verhindert einen verbreiteten Kurzschluss in der Debatte. Die Strategie bündelt neue Pläne, bestehende Regeln und längerfristige Finanzierungsziele. So nennt das aktuelle BMWE-Papier den 1. Juli 2026 für die beschriebenen Vergaberegelungen. Sie sollen Start-ups den Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtern, wurden aber nicht erst am 22. Juli geschaffen.

Auch die europäische Dimension bleibt begrenzt. Das Papier erwähnt Zusammenarbeit mit europäischen Partnern und einen EIF-Praxistest bei Fondsinstrumenten für Sicherheit und Verteidigung. Daraus entsteht jedoch keine europaweit einheitliche Förderlinie. Für deutsche Unternehmen ist die unmittelbare Frage zunächst national: Wann werden die angekündigten Instrumente so konkret, dass sie in Finanzierungsentscheidungen eingeplant werden können?

Zeitachse markiert den Kabinettsbeschluss am 22. Juli 2026, offene Details zum Direktvehikel und seit 1. Juli 2026 geltende Vergaberegeln.
Die Zeitachse trennt Kabinettsbeschluss, geplante Umsetzung und bereits geltende Vergaberegeln – durch KI erzeugt

Die Branche begrüßt den Kurs, fordert aber Tempo

Der Startup-Verband bewertet den Beschluss als wichtigen Schritt und verweist auf die Notwendigkeit, aus der Strategie rasch praktische Angebote zu machen. Bitkom begrüßt den stärkeren Blick auf Scale-ups sowie Sicherheits- und Verteidigungs-Start-ups, fordert aber Meilensteine, Abstimmung mit den Ländern und ein Monitoring. Das sind Positionen von Interessenverbänden, keine beschlossenen Umsetzungsschritte der Regierung. Sie zeigen jedoch, an welchen Stellen die Branche den größten Zeitdruck sieht.

Ihre Kritik verweist auf den entscheidenden Test für die Strategie: Ob aus dem politischen Rahmen verlässliche Verfahren entstehen. Bei wachstumsstarken Technologieunternehmen entscheidet oft nicht allein, ob Kapital grundsätzlich vorgesehen ist, sondern ob ein Prozess planbar genug ist, um parallel zu privaten Finanzierungsrunden zu funktionieren.

Worauf Unternehmen jetzt achten sollten

Für Unternehmen mit eindeutig militärisch nutzbaren Produkten lohnt es sich, die Veröffentlichung konkreter Regeln zum neuen Direktvehikel zu verfolgen. Relevant sind vor allem Fondsvolumen, Startzeitpunkt, Kriterien, Ansprechpartner, mögliche Ticketgrößen und die Frage, ob ein direkter Zugang vorgesehen ist. Wer nicht in diese eng gefasste Zielgruppe fällt, sollte Scale-up Direct, Zukunftsfonds und andere Finanzierungswege getrennt bewerten.

Die Strategie setzt damit ein neues Zeichen für die Verbindung von Wachstumsfinanzierung und Sicherheitsindustrie. Ob daraus ein wirksamer Kapitalweg wird, hängt an den noch ausstehenden Details – nicht am Kabinettsbeschluss allein.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-23