In Boxberg ist aus einer Projektankündigung eine Baustelle geworden. LEAG Clean Power, HyperStrong und Siemens Energy haben am 31. August den symbolischen ersten Spatenstich für einen Batteriespeicher gesetzt, der mit 400 Megawatt Anschlussleistung und 1.600 Megawattstunden Kapazität zu den großen Vorhaben dieser Art in Deutschland gehört. Strom speichert die Anlage allerdings noch nicht. Gerade deshalb ist der Baustart interessanter als die übliche Größenangabe.
Der Standort zeigt, worum es bei solchen Projekten geht: Auf einer sanierten, rund sechs Hektar großen Fläche des früheren Kraftwerksstandorts soll ein Vier-Stunden-Speicher entstehen. Er soll Wind- und Solarstrom aufnehmen, wenn viel davon verfügbar ist, und ihn später wieder abgeben. Ob daraus tatsächlich ein verlässlicher Baustein für das Netz wird, entscheidet sich aber erst nach Bau, Anschluss, Abnahme und Betrieb.

Vom Vertrag zur Bauphase
LEAG hatte den Liefer- und EPC-Vertrag mit HyperStrong bereits im November 2025 vorgestellt. Der Spatenstich vom 31. August 2026 ist deshalb kein neues Projekt auf dem Papier, sondern ein nachweisbarer Fortschritt: Die Bauphase hat begonnen. HyperStrong soll das Batteriesystem mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen liefern, elektrisch integrieren und schlüsselfertig errichten. Siemens Energy baut parallel eine gasisolierte Schaltanlage auf der 380-Kilovolt-Ebene.
Damit sind die Rollen klarer als bei vielen Speicherankündigungen. Die Batterie ist nur ein Teil der Anlage. Die Schaltanlage soll die Verbindung zum Übertragungsnetz von 50Hertz herstellen. Diese Verbindung ist geplant, aber weder fertiggestellt noch technisch abgenommen. Auch ein später sichtbarer Netzanschluss wäre noch kein Beleg dafür, dass der Speicher die erforderliche Kapazität für Laden und Einspeisen tatsächlich nutzen kann.
400 MW und 1.600 MWh beschreiben unterschiedliche Dinge
Die beiden Zahlen werden bei Batteriespeichern oft in einen Topf geworfen. 400 MW beschreiben die geplante Leistung: also wie stark die Anlage laden oder entladen kann. 1.600 MWh bezeichnen den Energieinhalt. Teilt man 1.600 MWh durch 400 MW, ergeben sich rechnerisch vier Stunden bei voller Nennleistung.
Das macht die Größenordnung verständlich, ist aber keine Laufzeitgarantie. In der Praxis beeinflussen Ladezustand, Reserven, Wirkungsgrad, Alterung, Netzrestriktionen und die gewählte Fahrweise, wie lange und mit welcher Leistung ein Speicher arbeitet. LEAG nennt einen Vergleich von rund 640.000 Haushalten für vier Stunden. Das ist eine Unternehmensrechnung zur Dimension, keine Zusage einer realen Ausfallversorgung.

Der Netzanschluss ist eine eigene technische Stufe
Großspeicher haben eine Besonderheit: Sie beziehen Strom und speisen ihn wieder ein. Deshalb reicht es nicht, eine Leitung bis zum Gelände zu bauen. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass für beide Richtungen Kapazität benötigt wird; ein physischer Anschluss bedeutet nicht automatisch, dass die gewünschte Kapazität zugeteilt ist.
Für Boxberg ist die geplante 380-kV-Schaltanlage deshalb mehr als Infrastruktur am Rand des Projekts. Sie ist der Übergang zwischen Batterie und Übertragungsnetz. Erst wenn Batterie, Schaltanlage, Schutztechnik und Anschluss gemeinsam getestet sind, lässt sich beurteilen, welche Leistung unter realen Bedingungen bereitsteht. Öffentliche Angaben zu einer Abnahme, zu Anschlusskapazitäten oder zu einer Präqualifikation für Netzdienste liegen für Boxberg bislang nicht vor.
Warum der Speicher trotzdem in die richtige Systemfrage trifft
Der Bedarf an flexiblen Anlagen wächst mit Wind- und Solarstrom. Fraunhofer ISE beziffert den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromlast im ersten Halbjahr 2026 auf 58,5 Prozent und nennt eine auf 29,3 GWh gestiegene Batteriespeicherkapazität. Solche bundesweiten Werte erklären den Rahmen, nicht den Nutzen einer einzelnen Anlage in der Lausitz. Sie zeigen aber, warum vier Stunden Verschiebung zwischen Erzeugung und Verbrauch wirtschaftlich und technisch interessant sein können.
Auch der gemeinsame Systemstabilitätsbericht der Übertragungsnetzbetreiber macht deutlich, dass es bei großen Batterien nicht nur um Energiemengen geht. Künftig werden systemstützende und netzbildende Eigenschaften wichtiger. Ob die GigaBattery Boxberg diese Anforderungen in welcher Form erfüllt, lässt sich aus dem Baustart nicht ableiten. Die geplante Unterstützung von Netzstabilität und der Integration erneuerbarer Energien bleibt daher eine Projektfunktion, keine gemessene Wirkung.

Der Terminplan ist noch kein Betriebsnachweis
LEAG nennt für die GigaBatteries eine erwartete Inbetriebnahme zwischen Ende 2027 und Anfang 2028. Bis dahin liegen mehrere getrennte Schritte vor dem Projekt: die Fertigstellung des Batteriesystems und der 380-kV-Anlage, Tests und Schutzprüfungen, die Inbetriebnahme sowie gegebenenfalls die Präqualifikation für bestimmte Netzdienste.
Dann beginnt erst die Frage, die für das Stromsystem zählt: Wie verfügbar ist die Anlage, wann lädt sie, wann entlädt sie und welche Dienste erbringt sie tatsächlich? Der Boxberger Spatenstich ist ein belastbarer Fortschritt, weil aus der Planung Bau geworden ist. Ein nachgewiesener Strompuffer für Wind und Sonne ist er erst, wenn diese technische Kette im Betrieb sichtbar wird.
Quellen und weiterführende Informationen
- LEAG: Spatenstich für GigaBattery Boxberg 400, 31. August 2026 – Baustart, Projektumfang und Partner.
- HyperStrong: Groundbreaking of GigaBattery Boxberg 400, 31. August 2026 – Liefer- und Integrationsumfang.
- ESS News: LEAG starts building 1.6 GWh battery storage system, 1. September 2026 – unabhängige Fachbestätigung.
- LEAG: GigaBatteries – Vier-Stunden-Konzept und erwarteter Inbetriebnahmezeitraum.
- Bundesnetzagentur: Stromspeicher – Anschlusskapazität für Bezug und Einspeisung.
- Fraunhofer ISE: Electricity generation in the first half of 2026 – deutscher Systemkontext.
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-09-02.