Erneuerbare Energien

Warum erneuerbarer Strom und Gasstrom zugleich wachsen

Mehr erneuerbarer Strom, mehr Gasstrom: Die Halbjahresbilanz 2026 zeigt, warum ein grünerer Anteil nicht weniger konventionelle Erzeugung bedeutet.

Von Wolfgang

10. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Warum erneuerbarer Strom und Gasstrom zugleich wachsen

Mehr erneuerbarer Strom, mehr Gasstrom: Die Halbjahresbilanz 2026 zeigt, warum ein grünerer Anteil nicht weniger konventionelle Erzeugung bedeutet.

Deutschland speiste im ersten Halbjahr 2026 mehr erneuerbaren Strom ein – und zugleich mehr Gasstrom. Die heimische Einspeisung wuchs deutlich, während der Importüberschuss fast verschwand. Die Bilanz zeigt, warum ein grünerer Strommix nicht automatisch weniger konventionelle Erzeugung bedeutet.

Erneuerbare Energien deckten einen größeren Anteil der deutschen Netzeinspeisung als im Vorjahreszeitraum. Dennoch lieferten auch Gaskraftwerke mehr Strom. Darin steckt kein Widerspruch: Ein Anteil beschreibt das Verhältnis zur Gesamtmenge. Ob eine andere Stromquelle tatsächlich weniger einspeist, lässt sich daran allein nicht ablesen. Im ersten Halbjahr 2026 wurde die gesamte erfasste Strommenge größer.

Nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts gelangten von Januar bis Juni 136,4 Milliarden Kilowattstunden erneuerbarer Strom ins öffentliche Netz, 6,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Einspeisung aus Gaskraftwerken stieg gleichzeitig um 6,4 Prozent auf 38,0 Milliarden Kilowattstunden. Auch die konventionelle Einspeisung insgesamt nahm zu: von 92,6 auf 94,2 Milliarden Kilowattstunden. Gas ist darin bereits enthalten.

Warum Anteil und Menge unterschiedliche Geschichten erzählen

Die gesamte inländische Netzeinspeisung wuchs von 220,7 auf 230,6 Milliarden Kilowattstunden. Erneuerbare Energien legten schneller zu und erhöhten deshalb ihren Anteil von 58,0 auf 59,1 Prozent. Die konventionellen Energieträger verloren dagegen Anteil, obwohl sie mehr Strom lieferten. Der Mix wurde also grüner, ohne dass die konventionelle Strommenge sank.

Bei der Photovoltaik lässt sich derselbe Zusammenhang aus der anderen Richtung beobachten. Sie speiste mit 41,0 Milliarden Kilowattstunden 3,5 Prozent mehr Strom ein. Ihr Anteil fiel trotzdem von 18,0 auf 17,8 Prozent, weil die gesamte Einspeisung stärker wuchs. Der kleinere Anteil steht hier also nicht für einen Rückgang der eingespeisten Solarstrommenge.

Windstrom nahm um 12,3 Prozent auf 67,7 Milliarden Kilowattstunden zu. Für diesen kräftigen Anstieg ist der Vergleichszeitraum entscheidend: Destatis führt ihn maßgeblich auf das außergewöhnlich windarme erste Quartal 2025 zurück. Langfristig betrachtet war die Windproduktion 2026 durchschnittlich. Die hohe Zuwachsrate beschreibt damit vor allem die Veränderung gegenüber einem schwachen Vorjahr, keinen Windrekord und für sich genommen auch keinen Nachweis der Wirkung des Anlagenzubaus.

Mehr heimische Einspeisung, fast kein Importüberschuss

Warum stand der deutlich höheren heimischen Einspeisung nur eine leicht gestiegene rechnerisch verfügbare Strommenge gegenüber? Den Zusammenhang macht der Außenhandel sichtbar. Im ersten Halbjahr 2025 überstiegen die Importe die Exporte noch um 8,3 Milliarden Kilowattstunden. Ein Jahr später betrug dieser Importüberschuss nur noch 0,6 Milliarden Kilowattstunden.

Infografik für das erste Halbjahr: 2025 ergeben 220,7 plus 8,3 insgesamt 229,0; 2026 ergeben 230,6 plus 0,6 insgesamt 231,2 Milliarden Kilowattstunden.
Inländische Netzeinspeisung plus Importüberschuss ergibt die rechnerisch verfügbare Menge. Vergleich der ersten Halbjahre 2025 und 2026; Quelle: Destatis, 2026 vorläufig, ohne Eigenverbrauch – durch KI erzeugt

Die inländische Einspeisung nahm um 9,9 Milliarden Kilowattstunden zu, während der Importüberschuss um 7,7 Milliarden schrumpfte. Zusammen ergibt das einen deutlich kleineren Zuwachs: Die nach dieser Bilanz verfügbare Strommenge stieg von 229,0 auf 231,2 Milliarden Kilowattstunden, also um rund ein Prozent. Mehr heimische Einspeisung bedeutete hier nicht, dass entsprechend mehr Strom verfügbar war.

Diese verfügbare Menge ist allerdings kein Maß für den Endverbrauch, unter anderem wegen der Netzverluste. Zudem erfasst die Statistik nur Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Direkt verbrauchter privater Solarstrom und industrieller Eigenverbrauch fehlen. Die Zahlen beschreiben damit einen klar abgegrenzten Teil der Stromversorgung, nicht sämtliche Erzeugung in Deutschland.

Der fast ausgeglichene Handelssaldo bedeutet auch nicht, dass kaum noch Strom über die Grenzen floss. Deutschland importierte weiterhin 34,5 und exportierte 33,9 Milliarden Kilowattstunden. Beide Handelsrichtungen blieben erheblich; klein war lediglich ihre Differenz. Von Stromautarkie kann deshalb keine Rede sein. Ebenso wenig zeigt der Saldo, welche zusätzlichen Kilowattstunden aus Gas oder Wind exportiert wurden.

Was sich daraus über Gas und Kohle sagen lässt

Die Mengenbilanz erklärt, wie erneuerbarer Strom und Gasstrom gleichzeitig zunehmen konnten. Warum einzelne Gaskraftwerke häufiger oder stärker eingesetzt wurden, beantwortet sie nicht. Laut Bundesnetzagentur können Importe wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn Strom im Ausland günstiger angeboten wird. Ein kleinerer Importüberschuss allein belegt daher weder eine bessere Versorgungssicherheit noch eine niedrigere Haushaltsrechnung.

Auch der leichte Rückgang bei der Kohle änderte nichts am Anstieg der konventionellen Gesamtmenge: Die Kohleeinspeisung sank um 0,5 Prozent auf 49,4 Milliarden Kilowattstunden. Davon zu unterscheiden ist, warum Kohlekraftwerke nach dem Marktaustritt in der Netzreserve bleiben können. Wie viel Strom Kraftwerke erzeugen, ob sie am Markt teilnehmen und wann sie endgültig stillgelegt werden, sind unterschiedliche Fragen.

Eine CO₂-Bilanz lässt sich aus diesen Mengen allein nicht ableiten. Für die Bewertung der Einspeisung ist dagegen eine Unterscheidung entscheidend: Der erneuerbare Anteil stieg, die konventionelle Menge aber ebenfalls. Wer wissen will, ob konventionelle Erzeugung tatsächlich zurückgeht, muss ihre absoluten Kilowattstunden betrachten – nicht nur ihren schrumpfenden Anteil.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.