Auf kirchlichem Grund bei Passow-Benthen stehen vier neue Windräder. Der Kirchenkreis Mecklenburg stellt dafür nicht nur die Fläche bereit: Zwei Anlagen trägt er über das Kirchliche EnergieWerk gemeinsam mit WEMAG. Der Windpark ist eingeweiht. Wie Gemeinden und Anwohner wirtschaftlich beteiligt werden sollen, ist bislang nur allgemein angekündigt.

Vom kirchlichen Grundstück zur eigenen Energieerzeugung
Zwischen Lübz und Goldberg im Landkreis Ludwigslust-Parchim verbindet der Windpark Passow-Benthen zwei Nutzungen kirchlichen Landes. Auf den Flächen wird nach Angaben des NDR weiterhin Landwirtschaft betrieben; hinzu kommen vier Windkraftanlagen. Bei zwei davon übernimmt der Kirchenkreis Mecklenburg gemeinsam mit dem Energieversorger WEMAG auch den Betrieb. Grundlage dafür ist eine Partnerschaft, die lange vor dem Bau der Windräder begonnen hat.
Am 6. Januar 2014 gründeten der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Mecklenburg und WEMAG das Kirchliche EnergieWerk, kurz KEW. Der Kirchenkreis hält 51 Prozent der Gesellschaft, WEMAG 49 Prozent. Diese Anteile beziehen sich auf das Unternehmen, nicht auf den gesamten Windpark: Das KEW betreibt zwei der vier Anlagen, die anderen beiden betreibt die WEMAG-Tochter mea Energieagentur Mecklenburg-Vorpommern GmbH.
Mit dem EnergieWerk schufen die Partner ein gemeinsames Unternehmen für konkrete Beiträge zur Energiewende im Kirchenkreis. Mehr als zwölf Jahre nach der Gründung ist Passow-Benthen nun nach WEMAG-Angaben ihr erstes gemeinsames Windkraftprojekt.
Die kirchliche Motivation reicht dabei über die Nutzung des Grundstücks hinaus. Pröpstin Britta Carstensen, Vorsitzende des Kirchenkreisrates, begründet das Vorhaben mit der Verantwortung für die Schöpfung sowie für heute und künftig lebende Menschen. Im kirchlichen Raum will sie einen veränderten Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen mitgestalten. Klimaschutzziele sollen durch konkrete Projekte verfolgt werden – Passow-Benthen steht für diesen praktischen Ansatz.
Vier Anlagen mit zusammen 28 Megawatt Nennleistung
Den Umfang des Projekts machen die technischen und finanziellen Angaben von WEMAG deutlich: Jedes Windrad hat sieben Megawatt Nennleistung, zusammen sind es rechnerisch 28 Megawatt. Die Nennleistung beschreibt die Leistung, für die die Anlagen ausgelegt sind; wie viel Strom sie tatsächlich erzeugen, hängt unter anderem vom Wind ab. Die Gesamtinvestition beziffert WEMAG auf 42,5 Millionen Euro.
Mit rund 245 Metern Gesamthöhe und einem Rotordurchmesser von 163 Metern sind die Anlagen große Bauwerke in der landwirtschaftlich genutzten Umgebung.
Auf dem Weg zur Fertigstellung waren nach Angaben von KEW-Geschäftsführer Torsten Hinrichs ein langer Winter und ein langwieriges Genehmigungsverfahren zu bewältigen. Dennoch könne der Park im geplanten Zeitrahmen in Betrieb gehen. Die feierliche Eröffnung fand am 4. September 2026 statt. Der NDR kündigte an diesem Tag den baldigen Netzanschluss an; eine bereits laufende Einspeisung bestätigen die vorliegenden Meldungen noch nicht.
Über die vier errichteten Windräder hinaus berichtete der NDR von zehn weiteren geplanten Anlagen, die auf eine Genehmigung warteten. Ob und wann sie gebaut werden, bleibt damit offen. Auch als Erweiterung des Parks Passow-Benthen sind sie in dem Bericht nicht ausgewiesen.
Was die Beteiligung für die Nachbarschaft bedeutet
Für Gemeinden und Anwohner stellt sich neben der Stromerzeugung eine weitere Frage: Wie können sie wirtschaftlich an dem Projekt teilhaben? Die Betreiber kündigen eine Beteiligung im gesetzlichen Rahmen an. Welche Angebote es geben soll und um welche Beträge es geht, nennen die gelesenen Projektmeldungen bislang nicht.
Entscheidend ist dabei die Form der Beteiligung. Zahlungen an eine Gemeinde können dem kommunalen Haushalt zugutekommen; Anteile an einem Bürgerenergieprojekt sind dagegen eine unternehmerische Beteiligung. Unsere Vertiefung zu unterschiedlichen Formen der Bürgerbeteiligung bei Windparks erklärt diese Unterschiede. Welches Modell in Passow-Benthen zu welchen Bedingungen angeboten wird, lässt sich aus der allgemeinen Ankündigung noch nicht ableiten. Für die Menschen vor Ort kommt es deshalb auf die konkrete Ausgestaltung an: Wer kann teilnehmen, welche Verpflichtungen sind damit verbunden und welcher finanzielle Nutzen ist vorgesehen?
Quellen und weiterführende Informationen
- WEMAG: Kirchliches Energiewerk eröffnet Windpark in Passow-Benthen
- dpa / DIE ZEIT: Kirchliches Energiewerk eröffnet ersten Windpark in Passow
- NDR: Kirchenkreis Mecklenburg – Erste eigene Windräder bei Lübz
- Kirchliches EnergieWerk: Unternehmen und Gesellschafterstruktur
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