Vor Rügen hat sich etwas verändert, das in vielen Offshore-Meldungen hinter der großen MW-Zahl verschwindet: Windanker liefert erstmals Strom in das deutsche Übertragungsnetz. Der Weg dorthin führt nicht direkt vom Rotor an die Steckdose. Er verläuft über die Plattform Jasmund, eine lange Kabelverbindung und das Umspannwerk Stilow.
Am 31. August meldete 50Hertz nach Inbetriebnahmetests für Ostwind 3 die erste Einspeisung und erklärte, dass die Mehrheit der 21 Turbinen bereits einspeise. OffshoreWIND.biz berichtete darüber am 1. September unter Berufung auf 50Hertz. Das ist ein belastbarer Schritt über die Bauphase hinaus. Den Nachweis, dass der gesamte Park dauerhaft und mit seiner Nennleistung arbeitet, ersetzt diese erste beziehungsweise mehrheitliche Einspeisung jedoch nicht.

Die erste Einspeisung ist ein Test der ganzen Kette
Bei Windanker müssen mehrere Systeme zusammenspielen. Die Turbinen erzeugen Strom in der Ostsee; die Parkverkabelung führt ihn zu Jasmund. Die Offshore-Plattform bündelt ihn und transformiert ihn für den Weg an Land auf 220 Kilovolt. Über eine rund 100 Kilometer lange See- und Landkabelverbindung gelangt er zum Netzverknüpfungspunkt nahe Stilow. Dort wird von 220 auf 380 Kilovolt transformiert, bevor die Übergabe in das Höchstspannungsnetz erfolgt.
Dass Strom diesen Pfad bereits durchlaufen hat, ist mehr als ein symbolischer Baufortschritt. Es zeigt, dass Erzeugung, Verkabelung, Plattform, Kabel und Landstation zumindest teilweise als System funktionieren. Die öffentlich zugänglichen Informationen sagen allerdings nicht, wie viele Turbinen gleichzeitig einspeisen oder welche Leistung dabei anliegt. „Mehrheit“ ist weder eine genaue Turbinenzahl noch eine Messung in Megawatt.
315 MW und 300 MW beantworten unterschiedliche Fragen
Iberdrola beschreibt Windanker als Park mit 315 MW installierter Leistung. Die 21 Turbinen mit jeweils ungefähr 15 MW ergeben diesen Wert rechnerisch. Das beschreibt die nominierte Erzeugungsseite, nicht die Leistung einer bestimmten Stunde.
Ostwind 3 ist mit 300 MW Anschlusskapazität geplant. Diese Zahl gehört zur Übertragungsseite: Sie beschreibt, was die Verbindung transportieren soll. Die Differenz von 15 MW lässt sich ohne Daten aus dem Betrieb weder als Abregelung noch als Engpass lesen. Sie erinnert eher daran, dass bei Offshore-Wind zwei Dinge getrennt betrachtet werden müssen: was die Turbinen unter passenden Bedingungen leisten könnten – und was über die Netzanbindung tatsächlich übergeben wird.

Der deutsche Netzanschluss ist kein rein deutsches Projekt
Die entscheidende Übergabe liegt in Mecklenburg-Vorpommern: Über Jasmund und Stilow wird Strom aus der Ostsee in das von 50Hertz betriebene Übertragungsnetz eingebunden. Der Park selbst ist aber Teil einer europäischen Projektkette. Iberdrola hält nach eigenen Angaben 51 Prozent, Kansai 49 Prozent; Siemens Gamesa liefert die Turbinentechnik. Die Europäische Investitionsbank dokumentiert 500 Millionen Euro unterzeichnete Finanzierung bei geschätzten Gesamtkosten von rund 1,159 Milliarden Euro.
Das erklärt, weshalb der Netzanschluss nur ein sichtbarer Abschnitt eines größeren Vorhabens ist. Planung, Kapital und Technik reichen über die Region hinaus, während die Bewährungsprobe am Ende sehr konkret bleibt: Kann die Anlage Strom zuverlässig über diese Kette ins Netz übergeben? Aus der Finanzierung oder aus der Lieferkette folgt weder ein bestimmter Strompreis noch eine unmittelbare Entlastung für Haushalte.

Was der nächste Projektstand zeigen muss
50Hertz nennt für die Ostwind-3-Netzanbindung den 30. September 2026 als erwarteten Fertigstellungstermin. Iberdrola plant die vollständige Inbetriebnahme des Windparks im vierten Quartal 2026. Bis dahin stehen noch technische Abnahmen sowie Schutz- und Netztests an. Sie betreffen alle Turbinen, die Kabelstrecke, Jasmund und Stilow. Erst darauf bauen sichere Steuerung und die laufende Betriebsführung auf; im Offshore-Betrieb kommen Wartung unter schwierigen Bedingungen, Korrosion, Schaltvorgänge und wechselnder Wind hinzu.
Die erste Einspeisung markiert deshalb einen technischen Meilenstein. Entscheidend werden anschließend Daten zur Verfügbarkeit, zur tatsächlich eingespeisten Energie und zum Betrieb unter realen Netz- und Wartungsbedingungen sein. Der Stromweg von Windanker ins deutsche Netz ist nun teilweise aktiviert. Wie belastbar er im Alltag trägt, muss die Anlage erst noch zeigen.
Quellen und weiterführende Informationen
- 50Hertz: Ostwind 3 – Projektstatus, Anschlusskapazität und Trasse
- 50Hertz: Jasmund-Plattform und Baufortschritt von Ostwind 3
- 50Hertz: Offshore- und Onshore-Umspannwerke von Ostwind 3
- Iberdrola: Windanker – Projektangaben zu Leistung, Turbinen und Inbetriebnahme
- Energie & Management: Ostwind 3 speist ersten Offshore-Strom ein
- OffshoreWIND.biz: Windanker speist Strom in das deutsche Netz ein
- Europäische Investitionsbank: Windanker Offshore Wind Farm
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-09-03