Ofgem hat fünf Bieter für die nächste OFTO-Runde vorselektiert. Das ist noch keine Vergabe, aber ein wichtiger Schritt für die Frage, wie teuer Offshore-Netze am Ende werden und wie schnell neue Windparks ans Stromnetz kommen. Wenn du das OFTO Modell einfach erklärt suchst, ist der Kern schnell gesagt: Der Windpark wird gebaut, das Übertragungsnetz später an einen eigenen Netzbetreiber vergeben. Genau dieser Wettbewerb soll die Kosten drücken. Er kann Prozesse aber auch komplizierter machen, wenn Bau, Übergabe und Betrieb nicht sauber zusammenpassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ofgem hat am 24.03.2026 fünf Bietergruppen für OFTO Tender Round 13 auf die Shortlist gesetzt. Betroffen sind die Anbindungen von East Anglia THREE, Inch Cape und Dogger Bank C.
- Die Shortlist entscheidet nicht direkt über deinen Strompreis. Sie beeinflusst aber, zu welchen Finanzierungskosten Offshore-Netze betrieben werden und wie effizient die Netzanbindung organisiert ist.
- Das OFTO-Modell soll laut Ofgem Wettbewerb schaffen und Verbraucherkosten senken. Risiken liegen vor allem an der Schnittstelle zwischen Bau, Übergabe und späterem Netzbetrieb.
Einleitung
Wenn über Offshore-Wind gesprochen wird, geht es oft um Turbinen, Ausbauziele und neue Strommengen. Weniger sichtbar ist das Kabel dazwischen. Genau dort entscheidet sich aber mit, wie teuer Strom aus neuen Windparks langfristig ins System kommt. Die aktuelle OFTO-Shortlist von Ofgem ist deshalb mehr als ein formaler Zwischenschritt. Sie zeigt, wer sich um den Betrieb wichtiger Offshore-Netzanbindungen bewerben darf und damit um einen Teil der Kostenkette, die später bei Verbrauchern landet.
Wichtig ist die Einordnung. Es geht hier nicht um eine beschlossene Preisänderung und auch nicht um eine finale Vergabe. Die Mitteilung von Ofgem markiert eine Zwischenetappe im Ausschreibungsverfahren. Gerade deshalb lohnt der Blick auf die Mechanik. Wer verstehen will, warum Wettbewerb im Netzbereich Stromkosten senken kann, aber auch neue Risiken schafft, bekommt am OFTO-Modell ein ziemlich gutes Beispiel. Die Auswahl der Bieter prägt Finanzierung, Übergabe und Betrieb über Jahre hinweg.
Was jetzt beschlossen wurde und was noch offen ist
Ofgem hat nach eigener Mitteilung vom 24.03.2026 fünf Bietergruppen für die nächste Offshore-Übertragungsrunde ausgewählt. In dieser Runde geht es um die Netzanbindungen von East Anglia THREE, Inch Cape und Dogger Bank C. Die Behörde spricht von Tender Round 13 und zugleich von der größten Bieter-Shortlist seit 2019.
Für Leser ist der wichtige Punkt schlicht dieser: Die Shortlist ist kein Zuschlag. Sie legt nur fest, wer in die nächste Phase des Verfahrens kommt und formale Angebote abgeben darf. Erst danach folgen die Auswahl eines bevorzugten Bieters und die spätere Lizenzvergabe. Wer jetzt aus der Meldung sofort sinkende oder steigende Haushaltskosten ableiten will, greift also zu kurz.
Trotzdem ist die Vorauswahl relevant. Sie gibt einen frühen Hinweis darauf, wie stark der Wettbewerb in dieser Runde ausfällt. Mehr ernsthafte Bieter können den Druck erhöhen, mit schlankeren Kosten und solider Finanzierung anzutreten. Genau das ist der Hebel, auf den das OFTO-System setzt.
OFTO Modell einfach erklärt
Das OFTO-Modell trennt Offshore-Windpark und Übertragungsnetz voneinander. Vereinfacht gesagt baut der Projektentwickler den Windpark und die dazugehörigen Netzanschlüsse zunächst mit auf. Später werden die Übertragungsanlagen an einen eigenen Offshore Transmission Owner übertragen, also an einen spezialisierten Netzbetreiber mit Lizenz.
Ofgem beschreibt in seinem Tender Process Guidance Document vom Februar 2025 die einzelnen Stufen recht klar. Auf die Qualifikation der Projekte folgen Vorstufen für Bieter, danach die eigentliche Angebotsphase, optional eine letzte Angebotsrunde und am Ende die Auswahl des erfolgreichen Bieters. Entscheidend ist dabei nicht nur, wer den Betrieb übernehmen will, sondern zu welchen aus Sicht der Regulierungsbehörde wirtschaftlichen und effizienten Kosten.
Der Gedanke dahinter ist simpel. Der Staat oder der regulierte Netzbereich baut nicht automatisch alles selbst oder über den Windparkentwickler dauerhaft weiter. Stattdessen soll ein Wettbewerb um den späteren Netzbetrieb entstehen. Ofgem formuliert das ausdrücklich als Versuch, Verbrauchern ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu sichern und neue Kapitalgeber in den Markt zu holen.
Genau an diesem Punkt wird das Modell interessant. Es schafft einen Markt für Netzbesitz und Netzbetrieb, obwohl die Leitung selbst natürlich ein reguliertes Monopol bleibt. Der Wettbewerb findet also nicht auf der Leitung statt, sondern um die Lizenz, sie für viele Jahre zu betreiben.
Warum Wettbewerb bei Offshore-Netzen für Kosten wichtig ist
Ob die OFTO Shortlist am Ende spürbar bei Stromkosten ankommt, lässt sich aus der aktuellen Mitteilung nicht in Euro pro Haushalt ableiten. Dafür fehlen projektgenaue Endwerte. Was sich belegen lässt, ist der grundsätzliche Mechanismus. Ofgem verweist darauf, dass das Verfahren Kosten für Verbraucher niedrig halten soll. Eine parlamentarische Quelle im Vereinigten Königreich zitiert Ofgem mit einer Schätzung, nach der die ersten neun ausgeschriebenen Offshore-Netze Einsparungen von 350 Millionen Pfund im Barwert gebracht haben sollen.
Das ist keine Garantie für jede einzelne Runde. Es zeigt aber, warum die Zahl der ernsthaften Bieter so wichtig ist. Konkurrenz kann die verlangte Rendite drücken, Finanzierungskosten verbessern und Fehlkalkulationen offenlegen. Gerade bei kapitalintensiver Infrastruktur macht schon ein kleiner Unterschied beim Finanzierungsprofil über viele Jahre viel aus.
| Aspekt | Einordnung | Belastbarer Stand |
|---|---|---|
| Shortlist | Wettbewerb in der nächsten Angebotsphase | 5 Bietergruppen |
| Betroffene Projekte | Offshore-Netzanbindungen in dieser Runde | 3 Projekte |
| Regime seit Start | Von Ofgem genannte Investitionen der Sieger | über 10 Mrd. Pfund |
| Historischer Verbrauchernutzen | Von einer Parlamentsquelle zitierte Ofgem-Schätzung | 350 Mio. Pfund Barwert |
Für dich als Stromkunde ist das vor allem eine Langfristfrage. Offshore-Netzkosten schlagen nicht als isolierte neue Zeile im Alltag auf. Sie fließen über regulierte Netzkosten und Systemkosten mittelbar in das Stromsystem ein. Wenn eine Runde effizient läuft, kann das Kostendruck aus dem System nehmen. Wenn Bau, Übergabe oder Betrieb stocken, wird es schnell teurer.
Wo die Risiken des Modells liegen
Die Trennung von Windpark und Netz bringt Ordnung in Finanzierung und Zuständigkeiten. Sie schafft aber auch Reibung. Der kritische Punkt ist die Schnittstelle. Wenn ein Entwickler die Infrastruktur baut, sie später bewertet und dann an einen anderen Betreiber übergibt, müssen Zeitplan, Technik und Kostenannahmen sauber zusammenpassen. Schon kleine Abweichungen können lange Verhandlungen oder Nachsteuerungen auslösen.
Ofgem betont in seinen Leitlinien deshalb die Prüfung der wirtschaftlichen und effizienten Kosten. Das klingt trocken, ist aber zentral. Denn genau daran hängt der Wert der Anlagen, die übertragen werden, und damit auch der spätere Erlösrahmen des Betreibers. Wenn diese Bewertung zu optimistisch oder zu vorsichtig ausfällt, verschiebt sich das Risiko entweder zulasten der Investoren oder mittelbar zulasten der Verbraucher.
Hinzu kommt der Ausbaupfad. Offshore-Wind braucht verlässliche Netzanschlüsse. Wenn der Wettbewerb im OFTO-System genug Kapital anzieht, kann das Tempo helfen. Wenn Verfahren zu kompliziert werden oder das Marktumfeld unsicher ist, drohen Verzögerungen. Ofgem selbst verweist bereits darauf, dass Tender Round 14 im Herbst 2026 beginnen soll. Der Markt bleibt also in Bewegung, und jede Runde liefert auch ein Signal darüber, wie belastbar das Modell unter wachsendem Ausbaudruck wirklich ist.
Fazit
Die aktuelle OFTO-Shortlist ist keine Schlagzeile über sofort steigende oder fallende Strompreise. Sie ist wichtiger an einer anderen Stelle. Sie zeigt, wie der britische Regulierer Wettbewerb organisiert, um Offshore-Netze günstiger und verlässlicher betreiben zu lassen. Genau das beeinflusst über Jahre, wie teuer neue Anbindungen werden, wie gut Kapital für Infrastruktur mobilisiert wird und wie reibungslos Windstrom tatsächlich ins Netz kommt.
Für Leser außerhalb des Vereinigten Königreichs lohnt der Blick trotzdem. Das OFTO-Modell ist ein konkretes Beispiel dafür, wie Regulierung, Finanzierung und Netzausbau zusammenhängen. Die fünf vorselektierten Bieter sind damit weniger eine Personalie als ein Signal für den Markt. Wenn der Wettbewerb trägt, kann er Kosten dämpfen. Wenn Übergaben und Bewertungen haken, wird aus Effizienz schnell Komplexität.
Spannend wird jetzt, ob die nächste Verfahrensphase echten Preis- und Effizienzdruck zeigt oder ob die Risiken an der Schnittstelle zwischen Bau und Betrieb stärker werden.