Solarfassade mit organischem PVT: Strom und Wärme aus der Fassade

Zuletzt aktualisiert: 14. January 2026
Berlin, 14. January 2026

Auf einen Blick

Solarfassade mit organischem PVT kombiniert organische Photovoltaik (OPV) mit Wärmegewinnung in der Gebäudehülle. Die Lösung verspricht mehr Gestaltungsspielraum und zusätzlichen thermischen Nutzen, doch verlässliche Langzeitdaten und Standardmessungen für Fassadenanwendungen fehlen noch.

Das Wichtigste

  • Organische PVT‑Fassaden verbinden OPV‑Module mit einer thermischen Rückgewinnung; das bringt Designvorteile und potenziellen Wärmegewinn.
  • Elektrische Erträge sind in der Regel niedriger als bei kristallinen Dach‑PV; Langzeitstabilität unter realen Bedingungen ist noch nicht ausreichend belegt (Daten bis 2023 sind älter als 24 Monate).
  • Wichtige Aufgaben vor dem Einbau: unabhängige Feldmessungen, Brandschutzprüfung und standardisierte Messprotokolle (Monitoring 12–24 Monate empfohlen).

Einleitung

Forscher und Hersteller testen zunehmend Fassadenmodule, die organische Photovoltaik (OPV) — Solarzellen auf Kunststoffbasis — mit thermischer Kopplung (PVT) verbinden. Für Hausbesitzer und Planer ist das Thema aktuell, weil eine Solarfassade nicht nur Strom, sondern auch nutzbare Wärme liefern kann. Entscheidend sind jedoch verlässliche Felddaten und Normkonformität.

Was neu ist

In den letzten Jahren (2023–2024) sind mehrere Demonstratoren und Studien erschienen, die BIPV‑ und PVT‑Fassaden untersuchen, darunter Fallstudien zur Fassadennutzung und Pilotprojekte in Europa. Speziell für organische PVT‑Fassaden (OPV‑Materialien plus Wärmerückgewinnung) gibt es aber nur wenige unabhängige Langzeitmessungen. Forschungsarbeiten zeigen, dass OPV‑Module flexibel, leicht und teiltransparent sind und sich ästhetisch gut in Fassaden integrieren lassen (Quelle: MDPI Energies 2024; European Facade Network 2024). Gleichzeitig stammen viele Effizienzdaten aus Labor- oder Modultests bis 2023; diese Angaben sind älter als 24 Monate und sollten als vorläufig betrachtet werden (z. B. Fraunhofer/Nature‑Publikationen 2020–2023).

Was das bedeutet

Für Gebäudeeigentümer kann eine Solarfassade mit organischem PVT zwei Vorteile verbinden: sie liefert Strom und kann Wärme für Warmwasser oder Heizung liefern, wenn das System thermisch angebunden wird. In der Praxis heißt das: geringere elektrische Erträge pro Quadratmeter gegenüber Dach‑PV, aber zusätzlicher thermischer Nutzen, der die Gesamtbilanz verbessern kann. Risiken sind eingeschränkte Lebensdauerdaten unter realen Wetterbedingungen, mögliche Degradationsraten und brandschutzrechtliche Anforderungen bei organischen Materialien (Quelle: Fraunhofer ISE; TUM Brandschutz‑Report). Entscheidend ist die Systemgestaltung — etwa belüftete Hinterlüftung oder direkte Wärmeträgerkopplung — weil sie die nutzbare Wärme stark beeinflusst.

Wie es weitergeht

Die nächsten Schritte sind klar: unabhängige Pilotmessungen über mindestens 12–24 Monate, standardisierte Testprotokolle und transparente Herstellerangaben. Forschung und Industrie sollten ISOS‑konforme Outdoor‑Tests sowie modulzertifizierte Messungen durchführen. Parallel sind Normen‑ und Brandschutzprüfungen nötig, bevor großflächige Fassadeninstallationen erfolgen. Auf Ebene von Planern und Investoren empfiehlt sich eine Wirtschaftlichkeitsanalyse mit Szenarien für Degradation, Wärme‑Nutzung und Austauschkosten.

Update: 12:36 – Keine neueren Informationen.

Fazit

Organische PVT‑Solarfassaden sind eine vielversprechende Option für ästhetische, leichte Fassadensysteme mit zusätzlichem Wärmegewinn. Allerdings fehlen robuste Langzeitdaten für Mitteleuropa, sodass Planer unabhängige Messungen und Brandschutzprüfungen einplanen sollten. Kurzfristig lohnen sich Pilotprojekte mit standardisiertem Monitoring.


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