Solar in den USA: 737 GW bis 2035 – warum das zählt



Die Projektion von rund 737 GW installierter Solarleistung bis 2035 macht den Umfang des Solar-Ausbau USA greifbar: Sie beschreibt, wie viel Photovoltaik insgesamt ans Netz kommen könnte und welche Folgen das für Stromversorgung und Preise hat. Dieser Text ordnet die Zahl, erklärt die zentrale Unterscheidung zwischen verschiedenen Kapazitätsmaßen und zeigt, welche technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Hürden zwischen heute und 2035 liegen. Leser erfahren, was Haushalte, Unternehmen und Netze konkret merken könnten.

Einleitung

Viele Menschen bemerken Solar vor allem als Solarpanel auf dem Dach oder als großes Feld am Straßenrand. Jede Kilowattstunde, die so erzeugt wird, reduziert den Bedarf an fossilen Kraftwerken. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen über Strompreise ist die Zahl 737 GW relevant, weil sie einen Blick auf die mögliche Größenordnung des Ausbaus wirft.

Wichtig ist, was mit dieser Zahl genau gemeint ist: Meist wird „installierte Kapazität” genannt, also die Summe aller Anlagenleistung unter Standardbedingungen. Ob diese Kapazität tatsächlich genau so viel Strom liefert, hängt von Sonne, Speicher, Netzanschlüssen und dem Zusammenspiel mit anderen Erzeugern ab. Die folgenden Abschnitte erklären die Herkunft der Zahl, die Unterschiede in der Messung und die Folgen für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen.

Warum 737 GW? Grundlagen zum Solar-Ausbau USA

Die Angabe von etwa 737 GW bis 2035 stammt aus Marktprojektionen, die kumulierte installierte Solarleistung melden. “Installierte Leistung” bedeutet die Nennleistung aller Photovoltaik(PV)-Anlagen in Gigawatt; sie ist ein Maß für die maximale Leistung unter Referenzbedingungen. Eine häufige Unterscheidung ist GWac versus GWdc: GWdc beschreibt die Leistung der Module, GWac die für das Stromnetz nutzbare Wechselstromseite. Ohne diese Klarstellung lassen sich Prognosen schlechter vergleichen.

Als Orientierung: Ende 2024 lag die installierte Solarleistung in den USA nach Branchenangaben im Bereich von rund 230–270 GW, je nach Quelle und Messweise. Um auf 737 GW zu kommen, müssten in den Jahren bis 2035 jährlich im Schnitt mehrere zehn Gigawatt neue Kapazität hinzukommen. Solche Raten sind möglich, weil Module billiger geworden sind, Großprojekte zunehmen, und weil Unternehmens‑ und Staatskäufe (PPA, Beschaffungsziele) Nachfrage schaffen.

Projektionen beschreiben ein plausibles Szenario, sie sind aber sensibel gegenüber Definitionen, Annahmen zu Kosten und Engpässen im Netz.

Die wichtigsten Treiber sind sinkende Hardwarekosten, staatliche Förderprogramme, Corporate PPAs und die Zunahme von Speicherprojekten, die Solar besser nutzbar machen. Gegenläufige Effekte sind Permitting‑Verzögerungen, Netzinfrastrukturengpässe und mögliche Handels- oder Importbeschränkungen für Komponenten.

Eine kompakte Tabelle hilft beim Vergleich der Grundgrößen:

Merkmal Beschreibung Wert
Aktueller Bestand (Ende 2024) Installierte PV‑Leistung, branchennahe Schätzungen ~266 GW
Projektierte Kapazität 2035 Projektion kumuliert, verschiedene Studien ~737 GW (Prognose)
Jährlicher Zubau (Range) Durchschnittswerte aus Modellannahmen ~40–50 GW/Jahr

Wie Solar den Alltag und die Strompreise beeinflusst

Photovoltaik senkt in vielen Stunden die Preise am Großhandelsmarkt, weil Solarstrom vergleichsweise günstige Grenzkosten hat. Das reduziert insbesondere in sonnigen Stunden die Stromkosten für Verbraucherinnen und Verbraucher und kann die Preisspitzen abmildern. Gleichzeitig entstehen neue Verteilungseffekte: Wenn immer mehr Kunden eigenen Strom erzeugen, bleiben die Fixkosten des Netzes oft auf weniger Nutzenden verteilt, was andere Haushalte verteuern kann.

Ein weiteres Thema ist die Tageszeitigkeit: Solar liefert vor allem mittags. Ohne Speicher entsteht in manchen Regionen eine „Mittagsflut” erneuerbarer Energie, während abends wieder zusätzliche Erzeugung gebraucht wird. Genau hier wird die Kopplung mit Batterien wichtig, denn sie erlaubt zeitversetzte Nutzung und stabilisiert Preise.

Für Unternehmen können Großanlagen und PPA‑Verträge planbare, niedrigere Strompreise bringen. Private Haushalte profitieren durch Eigenverbrauch und Förderungen; sie tragen aber auch zu Debatten über Netzentgelte und faire Kostenverteilung bei. Insgesamt bedeutet ein starker Solar‑Ausbau nicht automatisch niedrigere Endpreise für alle, wohl aber eine deutlich veränderte Preisstruktur über den Tag und zwischen Regionen.

Praktische Beispiele: Anlagen, Netze und Speicher

Auf lokaler Ebene gibt es drei typische Formen: Wohnungsnahe Dachanlagen, Community‑Solarprojekte und großflächige Utility‑Solaranlagen. Jede Form hat eigene Hürden: Dachanlagen benötigen lokale Genehmigungen und passende Dächer, Community‑Solar erfordert organisatorische Strukturen, und Utility‑Projekte brauchen Land, Anschlusskapazität und Leitungskapazität.

Ein Beispiel: Ein Gewerbebetrieb, der tagsüber viel Strom benötigt, kann durch ein eigenes Dachsystem und eine Batterie seine Netzbezugsspitzen reduzieren. Das verringert direkte Verbrauchskosten und kann Lastspitzen mindern. Ein Netzbetreiber hingegen muss prüfen, ob lokale Transformatoren und Leitungen zusätzliche Einspeisung vertragen; oft sind hier Investitionen nötig.

Interconnection‑Queues, also Warteschlangen für Netzanschlüsse, sind ein praktisches Hemmnis in vielen US‑Bundesstaaten. Solange Projekte in der Queue blockiert sind, hilft die theoretische Kapazität wenig. Gleichzeitig treiben Speicher‑Projekte die Nutzbarkeit von Solar deutlich nach oben: Sie machen Solar zeitlich verschiebbar und verbessern die Netzstabilität.

Chancen, Risiken und realistische Szenarien bis 2035

Die Chancen sind klar: saubere Erzeugung, sinkende Systemkosten pro Kilowattstunde in vielen Stunden und neue Geschäftsmodelle wie flexible Stromtarife. Große Mengen Solar sind zudem ein Hebel, um CO₂‑Emissionen des Stromsektors zu senken.

Risiken entstehen, wenn Netz‑ und Speicherinvestitionen zu langsam erfolgen, wenn Genehmigungsprozesse blockieren oder wenn Lieferkettenprobleme und Zölle die Kosten steigen lassen. Projektprognosen wie die genannte Zahl sind sensibel gegenüber diesen Faktoren; deshalb nennen Analysten oft Bandbreiten statt punktueller Werte.

Realistische Szenarien reichen von einem moderaten Ausbau, bei dem Netzengpässe und Permitting das Wachstum dämpfen, bis zu einem ambitionierten Ausbau, der durch beschleunigte Genehmigungsverfahren und massiv mehr Speicher unterstützt wird. Viele Studien aus 2024–2025 liefern ähnliche Größenordnungen, unterscheiden sich aber in Annahmen zu Einheitenspezifikation (GWac/GWdc) und in regionaler Verteilung. Die NREL‑Methodendokumente von 2021 sind älter als zwei Jahre, bleiben aber nützlich zur Einordnung von Messkonventionen.

Fazit

Die Prognose von rund 737 GW Solarleistung bis 2035 signalisiert, dass Solar künftig ein dominanter Baustein der US‑Stromerzeugung sein kann. Entscheidend ist nicht nur die Bruttozahl, sondern die Frage, wie viel der installierten Leistung tatsächlich nutzbar wird: Das hängt von Speichern, Leitungsausbau, Genehmigungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet ein massiver Solar‑Ausbau veränderte Tagespreise, für Unternehmen oft planbarere Kosten. Nationale Projektionen sind eine Orientierung; die praktische Umsetzung entscheidet sich jedoch vor Ort, in den Netzen und an den Schnittstellen zwischen Erzeugung und Verbrauch.


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