Solar-Gehwege: Wie sinnvoll sind Solarpavements für Städte?



Solar-Gehwege können Strom dort erzeugen, wo Menschen gehen und Fahrrad fahren. Das Konzept verspricht lokale Energie für Beleuchtung, Ladestationen oder Sensorik – in Pilotprojekten zeigte sich aber: Energieertrag, Kosten und Haltbarkeit schwanken stark. Dieser Text nennt Chancen, technische Prinzipien und konkrete Projekte und hilft, realistisch einzuschätzen, wann Solarpavements städtisch sinnvoll sind. Solar-Gehwege werden dabei als eine von mehreren Lösungen für nachhaltige Stadtenergie eingeordnet.

Einleitung

Viele Städte suchen nach Wegen, mehr erneuerbare Energie lokal zu erzeugen. Dächer sind beliebt, aber nicht überall verfügbar. Die Idee, Gehwege oder Fahrradstreifen zu Solarflächen zu machen, klingt attraktiv: Infrastruktur doppelt nutzen, Strom direkt am Ort des Verbrauchs. In der Praxis zeigen Piloten jedoch, dass die Technik nicht nur Leistung bringen muss, sondern auch rutschfest, wasserfest und langlebig sein. Der folgende Text erklärt, wie Solar-Gehwege technisch funktionieren, welche konkreten Piloten es gab und welche Probleme bei Skalierung auftreten.

Wie Solar-Gehwege funktionieren

Solar-Gehwege sind im Kern Photovoltaik-Module, eingebaut in belagfähige Systeme. Übliche Varianten verwenden kristalline Zellen oder Dünnschichtzellen, die unter einer belastbaren, lichtdurchlässigen Oberfläche sitzen. Diese Deckschicht muss gleichzeitig rutschfest, stoßunempfindlich und gut reinigbar sein. Elektrische Verkabelung, Anschlüsse und Elektronik liegen oft in wasserdichten Kanälen unter den Modulen.

Technisch sind zwei wichtige Unterschiede zu Dach-PV zu beachten: Erstens liegen Pavements flach oder leicht geneigt, daher erreichen sie oft geringere Erträge pro Quadratmeter als optimal ausgerichtete Dachmodule. Zweitens sind sie mechanischen Belastungen, Verschmutzung und Abrieb stärker ausgesetzt, was die Lebensdauer reduzieren kann.

Erprobte Fahrradweg‑Piloten erreichten anfangs erwartbare Erträge, langfristig limitieren jedoch Oberflächenverschleiß und Abdichtung die Praxisleistung.

Beispielzahlen: Ein niederländischer Radweg‑Pilot (SolaRoad) meldete im ersten Jahr rund 73–93 kWh/m²; diese Angaben stammen aus 2016 und sind damit älter als zwei Jahre. Konventionelle Dach‑PV liefert üblicherweise mehr Energie pro m², da Module optimal ausgerichtet und weniger verschmutzt sind.

Wenn Zahlen in tabellarischer Form helfen, lässt sich ein Vergleich knapp darstellen:

Merkmal Beschreibung Beispielwert
Dach-PV Neigung, bessere Kühlung, weniger Abrieb ~120–170 kWh/m²·a (regionabhängig)
Solar-Gehweg Flach, Belastung durch Verkehr, Deckschicht reduziert Ertrag ~50–100 kWh/m²·a (Pilotdaten, stark variabel)

Für Städte ist damit die Frage, ob der spezifische Nutzen (z. B. Beleuchtung eines Fußwegs, Laden von Sensoren) den höheren Aufwand rechtfertigt.

Einsatz im Alltag: Beispiele und Piloten

Es existieren mehrere bekannte Piloten, die typische Einsatzfelder zeigen: Beleuchtung von Wegen, Versorgung von Ladestationen für E-Bikes, Betrieb von Sensorik oder temporäre Einspeisung ins lokale Netz. Ein früher und oft zitiertes Projekt ist der SolaRoad-Radweg in den Niederlanden (Pilot ab 2014). Dort ließen sich im ersten Betriebsjahr beachtliche kWh‑Werte messen, doch spätere Wartungsprobleme traten auf (siehe Forschungsbericht SolaRoad).

In Deutschland probierte man ähnliche Ideen: Ein Solarradweg in Erftstadt wurde 2018 eröffnet, hatte aber später technische Probleme und wurde später abgebaut; dazu finden sich Berichte in etablierten Medien. Kleinere Anlagen, etwa auf Parkplätzen oder vor Gebäuden, lieferten lokal nutzbare Energie für Licht und Ladevorrichtungen. Ein Beispiel ist eine 15 m lange Solarfläche auf einem ehemaligen Zechengelände, die direkt eine Ladestation versorgte.

Wichtig ist: Die meisten Piloten liefern heute kleinere Energiemengen, die lokal sinnvoll eingesetzt werden können. Fraunhofer‑Projekte betonen dagegen oft Überdachungen und fahrzeugintegrierte PV (z. B. auf Busdächern oder Objektüberdachungen) als praktikablere Schritte, weil sie höhere Erträge und geringere mechanische Risiken bieten.

Chancen und Risiken

Chancen: Solar-Gehwege nutzen bereits bebaute Flächen, reduzieren Transportverluste und können gezielt Verbrauchspunkte versorgen. Sie schaffen Sichtbarkeit für erneuerbare Energie in der Stadt und lassen sich mit Beleuchtung oder Informationssystemen koppeln. Für einzelne Funktionen wie Wegbeleuchtung oder Sensorik sind sie oft technisch machbar.

Risiken: Haltbarkeit und Sicherheit stehen meist im Vordergrund. Wasser‑ und Schmutzeintritt, Delamination der Deckschicht, Rutschgefahr und Schäden durch punktuelle Belastung sind dokumentierte Probleme aus mehreren Piloten. In Deutschland führte das zum Teil zum Rückbau eines größeren Projekts, und in Einzelfällen endete die Pilotfirma insolvent. Diese Erfahrungen zeigen, dass die Lebenszykluskosten oft höher sind als zunächst veranschlagt.

Kosten und Wirtschaftlichkeit: Anschaffungskosten pro m² liegen in Pilotberichten deutlich über konventioneller Asphalt- oder Dach‑PV‑Installation. Ohne klare Standardisierung bleiben Wartungskosten schwer kalkulierbar. Gleichzeitig weisen Forschungsarbeiten darauf hin, dass Überdachungen oder Fahrzeugintegration (VIPV) ein besseres Kosten‑Nutzen‑Verhältnis haben könnten.

Regulatorische Fragen betreffen Sicherheitsstandards, Haftung bei Schäden und Förderfähigkeit im Rahmen bestehender Erneuerbare‑Energien‑Regelungen. Diese Hürden lassen sich technisch lösen, erfordern aber verbindliche Prüfverfahren und Freigaben durch Bauaufsicht und Netzbetreiber.

Blick nach vorn für Städte

Realistisch betrachtet sind großflächige, befahrbare Solarstraßen derzeit noch keine verlässliche Lösung für die Energiewende. Städte können jedoch selektiv profitieren, wenn Projekte pragmatisch angelegt sind: Kleine, modular aufgebaute Flächen vor öffentlichen Gebäuden oder über Fahrradparkplätzen; integrierte Ladestationen an stark frequentierten Punkten; kombinierte Systeme mit Batteriespeicher für Netzstabilität.

Prioritäten, die in Pilotempfehlungen auftauchen, lauten: erst Labor‑ und Langzeittests für Deckschichten, dann kommunale Demonstratoren mit unabhängiger Messung der Erträge und der Wartungskosten. Fraunhofer‑Forschung legt nahe, dass Überdachungen und fahrzeugintegrierte PV (VIPV) oft schneller messbare Einsparungen bringen als in den Belag eingebaute Module.

Für Stadtverwaltungen empfiehlt es sich, Förderprogramme, nutzbare Flächen und Wartungskapazitäten gemeinsam zu planen. Fördermittel sollten Prüfphasen unterstützen, nicht direkt große flächige Installationen. So entstehen verlässliche Daten, auf deren Basis bessere Entscheidungen möglich werden.

Fazit

Solar-Gehwege sind ein interessantes Experiment und können an einigen Stellen echten Mehrwert liefern – vor allem, wenn sie lokal begrenzte Aufgaben wie Beleuchtung oder Ladevorgänge übernehmen. Gleichzeitig zeigen Praxiserfahrungen: Technische Robustheit, Abdichtung und Wartung sind entscheidend; ohne sie werden hohe Kosten und Ausfälle wahrscheinlich. Für Städte ist deshalb ein schrittweiser Ansatz sinnvoll: Kleine, gut gemessene Piloten, kombiniert mit Alternativen wie Überdachungen und fahrzeugintegrierter PV. Nur so entstehen belastbare Daten, mit denen sich langfristig entscheiden lässt, ob und wo Solarpavements wirklich sinnvoll sind.


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