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Satellitenfunk: Sendepausen allein machen den Himmel nicht still

Satelliten können Radioteleskope auch außerhalb ihrer eigentlichen Sendekanäle stören. Messungen aus Europa und Australien zeigen, weshalb der Schutz der Astronomie beim gesamten Raumfahrzeug ansetzen muss. Erfolgreiche Tests belegen zugleich, dass gezielte Sendepausen einen wichtigen…

Von Wolfgang

19. Sep. 20265 Min. Lesezeit

Satellitenfunk: Sendepausen allein machen den Himmel nicht still

Satelliten können Radioteleskope auch außerhalb ihrer eigentlichen Sendekanäle stören. Messungen aus Europa und Australien zeigen, weshalb der Schutz der Astronomie beim gesamten Raumfahrzeug ansetzen muss. Erfolgreiche Tests belegen zugleich, dass gezielte Sendepausen einen wichtigen…

Ein Satellit kann seinen Datenstrahl an einer Sternwarte vorbeilenken und trotzdem im Radioteleskop auftauchen. Denn an Bord arbeitet mehr als ein Funksender: Auch elektronische Schaltungen können Radiowellen abgeben. Für ein Gerät, das äußerst schwache Signale aus dem Weltall empfängt, kann dieser unbeabsichtigte Rest bereits relevant sein.

Damit verändert sich die Aufgabe beim Ausbau großer Satellitenflotten. Es genügt nicht, ausschließlich über die belegten Sendekanäle zu sprechen. Entscheidend ist ebenso, was außerhalb dieser Kanäle abgestrahlt wird und wie sich viele Raumfahrzeuge gemeinsam auswirken. Die Entwicklung von frühen Nachweisen bis zu neueren Messkampagnen macht diese Unterscheidung greifbar. Sie zeigt auch, warum ein wirksamer Schutz aus mehreren passenden Maßnahmen bestehen muss.

Titelbild: KI-generiertes Symbolbild eines Radioteleskops und eines Satelliten; keine Aufnahme eines realen Observatoriums.

Ein freier Kanal ist noch keine Funkruhe

Radioteleskope empfangen Strahlung von kosmischen Objekten. Sie können das gewünschte Signal nicht stärker senden lassen, wenn nebenan etwas dazwischenfunkt. Wie das US-Radioobservatorium NRAO erläutert, können Störungen schwache Quellen verdecken oder Messdaten so verändern, dass falsche Deutungen entstehen. Deshalb zählt auch eine Strahlung, die für ein gewöhnliches Kommunikationsgerät kaum auffällig wäre.

Dabei sind drei Ursachen zu unterscheiden. Das Nutzsignal transportiert absichtlich Daten. Daneben kann der Sender unerwünschte Anteile außerhalb seines vorgesehenen Frequenzbereichs erzeugen. Schließlich kann Elektronik an Bord selbst strahlen, etwa durch Stromversorgung oder Taktgeber. Ein Fachbeitrag bei der Internationalen Fernmeldeunion ITU vom August 2026 erklärt diese Trennung und ihre Bedeutung für Gegenmaßnahmen.

Wer einen Datenstrahl umlenkt, verändert zunächst den ersten Weg. Wer den Sender sauberer baut, setzt an seinen unerwünschten Anteilen an. Für Strahlung aus anderen Schaltungen braucht es zusätzlich eine geeignete Konstruktion und Prüfung dieser Elektronik. Aus einer erfolgreichen Maßnahme folgt daher noch keine Entwarnung für alle drei Ursachen.

Drei schematische Reihen zeigen Nutzsignal aus einer Antenne, unerwünschte Senderanteile und Strahlung aus der Bordelektronik.
KI-generierte schematische Darstellung der drei Störungsarten. Die Symbole zeigen Ursachen, keine gemessenen Pegel oder realen Satellitenbauteile.

Aus einzelnen Nachweisen wird eine breitere Prüfaufgabe

Ein australisches Team veröffentlichte 2023 Beobachtungen mit der Versuchsanlage EDA2, einem Vorläuferinstrument für das Radioteleskop SKA-Low. Die Daten stammten aus Beobachtungen im November 2021 und März 2023. Die Forschenden erkannten sowohl beabsichtigte als auch unbeabsichtigte Signale von Starlink-Satelliten. Damit lag neben europäischen Beobachtungen ein Nachweis mit einem anderen Instrument an einem anderen Standort vor.

Ein Jahr später untersuchte ein Team um Cees Bassa mit dem europäischen LOFAR-Teleskop unterschiedliche Starlink-Generationen. Nach Korrektur der unterschiedlichen Entfernungen war die unbeabsichtigte Strahlung der untersuchten neueren Satelliten teils bis zu 32-mal stärker als bei der ersten Generation. Das ist ein Höchstvergleich aus bestimmten Messungen, kein Durchschnitt der gesamten Flotte und keine Beschreibung ihres Zustands im September 2026.

Der Befund widerspricht aber der bequemen Erwartung, dass eine neuere Satellitengeneration in jeder Hinsicht automatisch verträglicher sein müsse. Verbesserte Kommunikationsleistung und geringere Störstrahlung sind unterschiedliche Entwicklungsziele. Ob beides gelingt, lässt sich messen; aus der Versionsnummer lässt es sich nicht ablesen.

Die 2026 veröffentlichte Untersuchung SNIFFLES I erweitert den Blick auf höhere Frequenzen. Seit April 2024 wurden dafür 4.629 Nachführbeobachtungen durchgeführt, bei denen Teleskope den Satelliten folgten. Das ist eine Zahl von Beobachtungen, nicht von verschiedenen Raumfahrzeugen. Die Studie umfasst vier Satellitensysteme und unterscheidet die drei Strahlungsarten. Veränderungen der empfangenen Frequenz durch die Bewegung halfen, Signale den verfolgten Satelliten zuzuordnen.

Eine solche Bestandsaufnahme ist allerdings keine globale Schadensbilanz. Nicht jeder Nachweis bedeutet einen verlorenen Forschungsdatensatz. Manche Signale können zum regulären Betrieb gehören; die zugrunde liegenden Beobachtungsdaten waren laut Veröffentlichung zudem noch nicht öffentlich verfügbar. Die Arbeit verbreitert die Messbasis, ersetzt aber keine unabhängige Nachrechnung aller Ergebnisse.

Sendepausen helfen tatsächlich

Das stärkste Gegenargument gegen eine pauschal pessimistische Sicht liefert ein praktischer Versuch. Am Green-Bank-Teleskop in den USA wurden die Blickrichtung und die beobachteten Frequenzen mit einem Satellitenbetreiber abgestimmt. Bei kritischen Vorbeiflügen konnten Datenstrahlen anders ausgerichtet oder kurz abgeschaltet werden.

Der ITU-Bericht zu Entstörungsverfahren vom März 2026 beschreibt die Experimente aus Oktober 2023 und Februar 2024: Mit aktivierter Vermeidung der Teleskop-Blickrichtung gingen die gemessenen Störsignale deutlich zurück. Zusammenarbeit ist hier mehr als eine Absichtserklärung.

Der Bericht begrenzt den Befund zugleich. Das Verfahren ist nicht automatisch für jede Flotte, jedes Beobachtungsprogramm und jede Art von Störung nachgewiesen. Es braucht rechtzeitige Informationen über den Teleskopbetrieb und eine passende Steuerung der Satelliten. Vor allem prüft ein solcher Versuch die beeinflussten Sendesignale. Er zeigt nicht, dass damit jede andere Schaltung an Bord ebenfalls ruhiger geworden ist.

Der Maßstab muss mit der Flotte wachsen

Ein einzelner Satellit ist schließlich nur ein Teil der Umgebung eines Teleskops. Ein im August 2026 eingereichtetes Manuskript entwickelt deshalb Vorschläge für zulässige Emissionen pro Raumfahrzeug aus einer modellierten Gesamtbelastung. Die Autoren berücksichtigen dabei unterschiedliche Flottengrößen und Empfangsbedingungen. Es handelt sich um wissenschaftliche Vorschläge, nicht um bereits geltende neue Grenzwerte. Die Arbeit baut auf der SNIFFLES-Messbasis auf und ist keine weitere unabhängige Messkampagne.

Der dahinterliegende Gedanke ist wichtig: Eine technische Eigenschaft muss zum geplanten Einsatzmaßstab passen. Selbst eine sorgfältige Einzelprüfung beantwortet noch nicht vollständig, was viele gleichzeitig sichtbare Satelliten für ein bestimmtes Instrument bedeuten. Umgekehrt lässt sich aus einer problematischen Messung kein gleich großer Schaden für alle Observatorien ableiten.

Für die gemeinsame Nutzung des Himmels folgt daraus eine fortlaufende Aufgabe. Neue Satellitengenerationen brauchen erneute Messungen; erfolgreiche Sendesteuerung braucht einen verlässlichen Betrieb. Der Fortschritt lässt sich daran erkennen, ob die konkreten Störungen geringer werden. Ein freier Sendekanal oder eine kurze Funkpause kann dazu beitragen. Eine verlässliche Koexistenz verlangt, dass Betreiber auch die übrigen Emissionen messen und begrenzen.

Verwandter Hintergrund

Bei sichtbarem Licht gelten andere Mechanismen. Der ergänzende Artikel erklärt, warum entfernte Satellitenspuren noch keine ungestörte astronomische Messung ergeben.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.