Ein Forschungsteam hat in Archivdaten des Röntgenteleskops Chandra 84 ungewöhnliche Strahlungsquellen in sechs Galaxien gefunden. Sie fallen durch besonders energiearme Röntgenstrahlung auf. Welche Himmelskörper dahinterstecken, ist noch offen. Der Fund eröffnet einen neuen Zugang zu Objekten, die Teleskopen bislang leicht entgehen konnten.
Die NASA berichtete am 9. September über die Untersuchung. Zu den untersuchten Galaxien gehören die Andromedagalaxie M31 und die Spiralgalaxie M101. Die Quellen liegen sowohl in Gebieten mit aktiver Sternentstehung als auch in Regionen mit älteren Sternen.
Sichtbar am Rand des Röntgenbereichs
Die Forschenden suchten nach einem auffälligen Unterschied zwischen Aufnahmen: Manche Objekte erschienen bei den niedrigsten erfassten Röntgenenergien, verschwanden aber in Bildern höherer Energiebereiche. Wegen dieses Verhaltens bezeichnet das Team sie als „hypersofte Röntgenquellen“.
„Weich“ beschreibt hier die Energie der Strahlung. Der Begriff bedeutet nicht, dass die Objekte insgesamt wenig Energie abgeben. Aus ihrem Strahlungsverhalten leitet das Team vielmehr eine starke Emission energiereicher ultravioletter Strahlung ab. Gerade diese ist schwer unmittelbar zu beobachten, weil Gas auf dem Weg zum Teleskop Strahlung absorbiert.

Mehrere Erklärungen bleiben möglich
Nach der Einordnung des Chandra X-ray Center kommen vor allem Doppelsternsysteme infrage: Ein kompakter Himmelskörper zieht Materie von einem Begleitstern an. Das kann ein Weißer Zwerg, ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch sein. Erhitzte Materie erzeugt dabei Strahlung. Dass alle 84 Quellen denselben Objekttyp enthalten, steht damit nicht fest.
Für die Astrophysik ist die Unterscheidung relevant. Bestimmte Systeme mit Weißen Zwergen könnten Vorläufer von Supernovae des Typs Ia sein. Außerdem könnte ihre ultraviolette Strahlung helfen zu erklären, wodurch Gas in Galaxien ionisiert wird, also Elektronen verliert. Beide Verbindungen sind Forschungsansätze, keine durch den Fund bereits gelösten Rätsel.
Die Entdeckung zeigt damit auch eine Grenze astronomischer Bestandsaufnahmen: Ein Objekt kann energiereich sein und trotzdem schlecht in den beobachteten Ausschnitt des Spektrums passen. Die erneute Suche in einem bestehenden Archiv hat diese Lücke sichtbar gemacht. Nun muss geklärt werden, welche physikalischen Systeme sich hinter den gemeinsamen Strahlungsmerkmalen verbergen.
Quellen
- NASA: Chandra Unveils Mysterious X-Ray Objects (2026-09-09)
- Chandra X-ray Center: M101 und hypersofte Röntgenquellen (2026-09-09)
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