RAM‑Knappheit: Warum PCs 2026 teurer werden könnten


Die RAM‑Knappheit könnte 2026 die Preise für Notebooks und Desktop‑PCs spürbar erhöhen. Analysten und Hersteller berichten von sinkenden Inventarbeständen, einer starken Nachfrage nach Arbeitsspeicher für KI‑Server und einer Umverteilung der Produktion zugunsten von HBM und Server‑DRAM. Dieser Text ordnet die Lage ein, zeigt, warum die Knappheit entsteht und welche Folgen das für Käufer und Hersteller haben kann. RAM‑Knappheit bleibt damit ein relevanter Preistreiber für 2026.

Einleitung

Immer wenn Elektronik teurer wird, steckt hinter dem Preissprung oft mehr als schwankende Währungen oder allgemeine Inflation. Beim Arbeitsspeicher treffen mehrere Faktoren zusammen: Hersteller verschieben Produktion zu höherwertigen Speicherformen, Rechenzentren bauen massiv Kapazität für KI‑Workloads auf, und Lagerbestände fallen. Diese Kombination kann die Verfügbarkeit von Standard‑DRAM für PC‑Hersteller reduzieren und dadurch die Preise für fertige Geräte nach oben treiben. Für Nutzer heißt das: schnellere Preissprünge bei Upgrades und Neuanschaffungen, seltener attraktive Sonderangebote.

Warum RAM‑Knappheit 2026 möglich ist

Der Markt für Arbeitsspeicher wird 2026 von zwei großen Kräften geprägt. Auf der Nachfrageseite steigen Bedarf und Komplexität: Server, die KI‑Modelle betreiben, benötigen deutlich mehr und in anderen Bauformen verfügbaren Speicher (etwa HBM). Diese Speicherarten sind „silicon‑intensiv“ — sie beanspruchen mehr Produktionskapazität pro Bit als Standard‑DDR‑Module. Micron hat für 2026 ein industry‑weites Bit‑Wachstum von rund 20 % prognostiziert, was die Nachfrage weiter erhöht.

Auf der Angebotsseite haben Hersteller ihren Fokus verschoben. Produzenten priorisieren Großkunden aus dem Cloud‑ und Serverbereich, weil dort höhere Margen und feste Abnahmeverträge bestehen. Gleichzeitig reduzieren einige Hersteller das Angebot älterer DDR‑Generationen über End‑of‑Life‑Programme, was laut Marktbeobachtern das verfügbare Volumen für PC‑Module mindert. TrendForce meldete Ende 2025 einen spürbaren Anstieg der DDR4‑Spotpreise und verwies auf ein EOL‑Programm eines großen Herstellers als möglichen Treiber.

Inventarindikatoren fielen 2025 auf deutlich niedrigere Werte als üblich und zwingen Lieferanten zur Allokation an prioritäre Kunden.

Das Ergebnis: Weniger freie Kapazität für Mainstream‑DRAM bei gleichzeitiger Nachfrageexpansion in spezialisierten Segmenten — eine klassische Knappheitssituation, in der Preise steigen können, bevor neue Fabriken wirkliche Entlastung bringen. Solche Fabrikausbauten benötigen Monate bis Jahre, sodass sich Angebotsverbesserungen verzögern können.

Zahlen geben dem Szenario Gewicht: Branchenberichte nennen Inventarstandards von rund 8 Wochen Ende 2025, und Berichte über Preiserhöhungen bei Server‑DRAM reichen in Einzelfällen bis +30–60 %. Solche Bewegungen wirken sich indirekt auf die Preise von PC‑RAM aus.

Wie Engpässe im Alltag sichtbar werden

Die Effekte der Knappheit erscheinen im Alltag an mehreren Stellen. Beim Kauf eines neuen Laptops kann ein Modell, das ursprünglich mit 8 GB RAM beworben wurde, plötzlich nur noch in einer Variante mit 16 GB erhältlich sein — zu einem höheren Basispreis. Händler-Angebote und Sonderaktionen werden seltener, da Hersteller die Margen sichern und Module lieber an Vertragspartner liefern.

Für Self‑Builder und Aufrüster zeigt sich der Engpass in gestiegenen Modulpreisen und in Verfügbarkeitsschwankungen bestimmter Takt‑ und Latenzklassen. Ein konkretes Beispiel: Spotpreis‑Updates der Marktfirma TrendForce zeigten Ende 2025 Wochenanstiege bei Mainstream‑DDR4‑Preisen. Solche kurzfristigen Schübe bedeuten, dass ein RAM‑Upgrade innerhalb weniger Wochen merklich teurer werden kann.

Auch Hersteller von Komplettsystemen reagieren: Sie bauen weniger Stückzahlen mit mittleren Ausstattungskonfigurationen und bieten stattdessen stärkere Basiskonfigurationen oder regional unterschiedliche Speicherausstattungen an. Für Endkunden kann das verwirrend sein — Preislisten ändern sich schneller, und vergleichbare Modelle lassen sich schlechter finden.

Schließlich gibt es sekundäre Effekte: Wenn RAM teurer wird, steigen die Gesamtpreise für Gaming‑PCs, Workstations und einige Notebooks. Händler kompensieren gelegentlich mit anderen Komponenten‑Rabatten, doch das bietet nur begrenzten Ausgleich. Für Schulen, öffentliche Einrichtungen und preisbewusste Käufer können diese Bewegungen echte Budgetprobleme bedeuten.

Chancen und Risiken für Verbraucher und Industrie

Eine Knappheit eröffnet Chancen für Hersteller und Händler: Höhere Preise bedeuten bessere Margen, und Anbieter, die Lieferketten stabil halten, gewinnen Marktanteile. Für bestimmte Branchen, etwa Rechenzentren oder Hersteller spezialisierter Hardware, führt die Entwicklung zu klaren Wettbewerbsvorteilen, wenn sie langfristige Lieferverträge sichern konnten.

Auf Verbraucherseite entsteht hingegen ein Risiko: Steigende Anschaffungskosten und längere Lieferzeiten bei Upgrades. Das trifft besonders Nutzer mit engem Budget oder Organisationen, die viele Geräte gleichzeitig anschaffen. Gleichzeitig verschärft hoher Preisdruck die Versuchung, auf ältere oder weniger effiziente Produkte auszuweichen, was langfristig die Energie‑ und Leistungsbilanz verschlechtern kann.

Weitere Spannungsfelder sind geopolitische Abhängigkeiten und Konzentration in der Produktion. Obwohl hier keine einzelne Akteurin kritisiert wird, sind Marktstrukturen mit wenigen großen Herstellern anfälliger für Lieferverschiebungen. Herstellerantworten — etwa mehr Investitionen in neue Fertigungsstätten — sind teuer und zeitaufwändig. Analysten weisen darauf hin, dass geplante Kapazitätserweiterungen 2026 zwar wachsende Bit‑Mengen liefern sollen, die kurzfristige Knappheit aber dennoch anhalten kann, weil ein beträchtlicher Teil dieser Bits direkt in HBM und Serverprodukte fließt.

Für Käufer ergibt sich daraus: Wer planen kann und flexibel ist, hat bessere Chancen, Preisspitzen zu vermeiden. Unternehmen, die große Volumina benötigen, sollten Lieferverträge prüfen und Zielprioritäten setzen.

Mögliche Entwicklungen und was zu beachten ist

Blicken wir auf die kommenden 12 bis 24 Monate: Hersteller geben unterschiedliche Signale. Einige prognostizieren für 2026 ein starkes Bit‑Wachstum, das die Lage mittelfristig entspannen sollte. Gleichzeitig bedeuten technische Trends, dass ein wachsender Anteil der zusätzlichen Bits in HBM oder spezialisierten Server‑DRAM fließt und damit nicht direkt für Mainstream‑PCs verfügbar ist. Entspannung ist möglich, aber nicht garantiert.

Für Käufer und Beschaffer sind drei Handlungsfelder relevant. Erstens: Zeitlicher Spielraum. Wenn Anschaffungen möglich sind, ohne dass sie sofort abgeschlossen werden müssen, lohnt es sich, Preisentwicklungen über einige Wochen zu beobachten. Zweitens: Flexibilität in der Konfiguration. Wo möglich, können alternative Module (z. B. kompatible DDR4‑Varianten) kurzfristig helfen, ohne auf teure DDR5‑Bundles angewiesen zu sein. Drittens: Vertragsgestaltung. Unternehmen sollten Lieferklauseln, Priorisierungen und mögliche Preisgleitklauseln prüfen, um Volatilität abzufedern.

Auf Branchenebene bleibt wichtig, Marktberichte regelmäßig zu verfolgen. TrendForce‑Wochenupdates, Hersteller‑Investor‑Slides und Berichte etablierter Nachrichtenagenturen geben Hinweise auf Inventarniveaus, Preistrends und Strategieänderungen. Weil der Bau neuer Fertigungsanlagen Zeit braucht, sind schnelle Regulierungs‑ oder Subventionsimpulse selten kurzfristig wirksam; die marktseitige Reaktion bleibt in erster Linie eine Mischung aus Leistungsverlagerung und Preisanpassung.

Kurz gesagt: Wer 2026 mit Hardware‑Beschaffungen plant, sollte Preis‑ und Verfügbarkeitsrisiken einpreisen und bei größeren Volumina aktiv verhandeln.

Fazit

Die Kombination aus starker KI‑getriebener Nachfrage, Umverteilung der Fertigungskapazitäten und reduzierten Lagerbeständen schafft Ende 2025 die Voraussetzungen für eine RAM‑Knappheit, die sich 2026 in höheren PC‑Preisen zeigen kann. Kurzfristige Preisanstiege sind bereits durch Marktbeobachter dokumentiert; mittelfristig hängt vieles von der Frage ab, wie schnell zusätzliche Fertigungskapazitäten wirklich nutzbar werden und wie viel davon in spezialisierten Speicherprodukten landet. Für Käufer bedeutet das: Planung, Flexibilität bei der Ausstattung und, bei größeren Beschaffungen, das aktive Aushandeln von Lieferbedingungen.


Wenn Sie Erfahrungen mit RAM‑Preisen oder Tipps für Beschaffungen haben, diskutieren Sie gern in den Kommentaren und teilen Sie den Artikel.

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