Technik

Quantencomputer: Atomnachschub gelingt ohne Störung gespeicherter Qubits

Ein Experiment zeigt, wie sich neue Atome nachladen lassen, während andere ihre Quanteninformation behalten. Zwei unterschiedliche Geschwindigkeitsangaben machen deutlich, wo der Fortschritt liegt und welche Arbeit noch fehlt.

Von Wolfgang

19. Sep. 20263 Min. Lesezeit

Quantencomputer: Atomnachschub gelingt ohne Störung gespeicherter Qubits

Ein Experiment zeigt, wie sich neue Atome nachladen lassen, während andere ihre Quanteninformation behalten. Zwei unterschiedliche Geschwindigkeitsangaben machen deutlich, wo der Fortschritt liegt und welche Arbeit noch fehlt.

Quantencomputer aus einzelnen Atomen haben ein handfestes Problem: Ihre Informationsträger können verloren gehen. Ein Team der Princeton University hat nun in Science ein Verfahren veröffentlicht, das Atome aus einem Vorrat nachliefert, ohne dabei die Quantenzustände bereits gespeicherter Qubits messbar zu stören. Der Versuch löst damit eine wichtige Teilaufgabe für längere Berechnungen. Einen vollständig fehlertoleranten Rechner demonstriert er noch nicht.

Die Fachveröffentlichung von Yiyi Li und Kollegen erschien am 17. September 2026. Eine Vorfassung ist seit Juni 2025 öffentlich. Neu ist also die Veröffentlichung in Science, nicht die erstmalige Vorstellung des Ansatzes.

Nachschub darf die übrigen Atome nicht stören

In solchen Prozessoren halten eng gebündelte Laserstrahlen einzelne Atome fest. Diese „optischen Pinzetten“ erlauben es auch, Atome zu bewegen. Bestimmte innere Zustände der Atome dienen als Qubits, also als Träger von Quanteninformation. Geht ein Atom verloren, fehlt ein solcher Träger. Doch frische Atome zu kühlen und vorzubereiten kann mit Licht verbunden sein, das andere Qubits stört.

Der Princeton-Ansatz kombiniert deshalb einen fortlaufend versorgten Atomvorrat nahe der Rechenzone mit einem geschützten Zustand von Ytterbium-171. Die gespeicherten Qubits reagieren auf das beim Nachladen verwendete Licht anders als die neu vorbereiteten Atome. In der offenen Vorfassung, Abschnitt IV, vergleicht das Team den Betrieb mit und ohne Nachladen: Die untersuchten gespeicherten Quantenzustände zeigten keine zusätzliche messbare Beeinträchtigung. Auch Operationen an einzelnen Qubits waren währenddessen möglich.

Schema mit Atomvorrat, Vorbereitung und gespeicherten Qubits; Pfeile zeigen den Transfer neuer Atome.
KI-generiertes, vereinfachtes Schema: Neue Atome werden vorbereitet und übertragen. Das Nachladen allein stellt verlorene Quanteninformation nicht wieder her.

500 Entnahmen sind keine 500 fertigen Rechenschritte

Der finale Science-Abstract nennt bis zu 500 Entnahmevorgänge pro Sekunde aus dem Atomvorrat. Werden zusätzlich einzelne Atome vorbereitet, abgebildet und in ihren Ausgangszustand versetzt, entstehen 30 initialisierte Atom-Anordnungen pro Sekunde. Deren Plätze sind zunächst zufällig besetzt.

Die Zahlen beschreiben verschiedene Arbeitsschritte. Sie sind weder der Takt eines fertigen Quantencomputers noch die Zahl vollständig ausgeführter Berechnungen. Der schnelle Nachschub beseitigt einen Engpass; das Vorbereiten und Kontrollieren der Atome bleibt aufwendiger.

Ein Baustein für längere Berechnungen

Kontinuierliches Nachladen ist kein erstmals gelöstes Problem. Eine Nature-Arbeit vom September 2025 zeigte bereits einen anderen Ansatz mit Rubidium-Atomen und optischen Förderbändern. Auch dort blieb die Quanteninformation benachbarter gespeicherter Atome beim Nachladen erhalten. Die verschiedenen Aufbauten lassen sich anhand einer einzelnen Geschwindigkeitszahl nicht sinnvoll gegeneinander ausspielen.

Für einen vollständigen Prozessor nennt die Princeton-Vorfassung weitere Integrationsschritte: Atome gezielt umordnen, Operationen zwischen zwei Qubits ergänzen und während einer Rechnung messen. Erst zusammen mit Fehlerkorrektur kann der Austausch physischer Atome dazu beitragen, die eigentliche Recheninformation über viele Schritte hinweg zu bewahren. Ein frisches Atom ersetzt den verlorenen Informationsträger; dessen früheren Inhalt bringt es nicht automatisch mit.

Titelbild: KI-generiertes Symbolbild zu optisch gehaltenen Atomen, keine Aufnahme des Experiments.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.